Das kleine Tagebuch über
eine dreiwöchige Autoreise nach und durch Sardinien und Korsika (31.08.2002
- 20.09.2002)
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Start 31.
August 13.00 Uhr in Dresden
Da wir mit dem Auto unterwegs sind, scheint die Sonne was das Zeug hält und nicht wie in den letzten Jahren als die Anreise mit den Motorrädern immer
feucht war. Aber irgendwann fängt es doch an zu regnen und zwar richtig und da kommt das erste Mal richtige Freude über die Autofahrt auf. Ohne nennenswerte
Zwischenfälle, abgesehen von ein paar Rückenverspannungen mehr, reiten wir 19.00 Uhr in Lindau am Bodensee ein. In Österreich finden wir einen Zeltplatz
direkt am See. Das lustige an diesem doch so großen Touri-Ort ist, dass überall am Ufer des Bodensees kleine Lagerfeuer brennen, auch ohne Bewachung.
Wir vermuten, dass das bloß auf Österreichischer Seite so ist, bei uns gibt's doch so was nicht ... Zum Glück haben wir schon das Zelt und probehalber ein neu
erworbenes Tarp aufgebaut, denn gerade beim Abendessen fängt es wieder an zu regnen. Wir ziehen uns unter das Tarp zurück, das nach kleiner Modifikation
gute Dienste leistet. Der Regen steigert sich zum Wolkenbruch inklusive Gewitter und wir haben keine Chance, unter dem Tarp hervor und ins Zelt zu krabbeln. Nach
einer Flasche Wein und diversen Biers wagen wir uns 24.00 Uhr ins Zelt, dass schon ziemlich abgesoffen ist. Und es regnet und regnet und regnet ...
01. September
... es regnet und regnet ... Das Zelt ist tierisch eingedreckt und im Inneren stehen kleine Pfützen. Da keine
Chance auf Wetterbesserung besteht, beschließen wir alles - nass wie es ist - ins Auto zu packen und in Richtung Genua aufzubrechen. Wir fahren durch die Schweiz - ein schönes Land, aber mit vielen Kurven und
einigen unkonventionellen Autobahnbaustellen, die ich mit dem Motorrad sicherlich verflucht hätte. Wir kommen überpünktlich bei Sonnenschein in
Genua an. Dort herrscht das übliche Hafen- und Fährgewusel, alle Touris sind aufgeregt, ob sie auch in der richtigen Schlange stehen, da die einweisenden Italiener in dem ganzen Durcheinander unbekümmert tun. Irgendwann und sogar pünktlich geht die Beladung los und ich fahre
unbeschadet, was vorher noch nicht so klar war, mit dem Ka an Deck. Dort zeigt sich, dass die neue Fähre der Moby Line gar keine richtige Deckpassage hat,
sondern nur ein unüberdachtes Pooldeck. Wir schnappen uns einen Tisch und markieren unser Revier. Schnittchen, Kekse, Bier und Wein raus und schön geabendbrotet unter
neidischen Blicken einiger Mitreisenden. Kurz darauf geh ich schlafen, da ich von der vielen Rumfahrerei doch ganz schön knülle bin. Gute Nacht.

2. September
Unsaft werden wir 6.30 Uhr von der Bordcrew durch Stühle rücken und Fenster putzen mit Wasserschlauch geweckt, räumen unser Schlafzeug zusammen, essen
ein Croissant, trinken einen Capuccino und treffen gegen 7.30 Uhr in Olbia/ Sardinien ein. Wir entscheiden uns erst einmal in Richtung Süden zu
fahren und einen Zeltplatz zum Ausruhen und Sachen trocknen zu suchen. Zeltplätze gibt es hier genug, doch sie entsprechen alle nicht so richtig unseren
Vorstellungen (mehrerer qkm groß, Ähnlichkeit mit Massenviehhaltung). Nach dem vierten Anlauf finden wir einen in der Nähe von Budosin, der uns
gefällt. Hier wird erst mal gefrühstückt und die klitschklatschnassen Sachen getrocknet und gereinigt. Wie wir feststellen müssen, haben wir unser Lager
auf einem Ameisennest aufgeschlagen und diese fleißigen Tierchen helfen uns jetzt beim "Tisch abräumen". Oh welch Zufall - heute Abend gibt der
Zeltplatzeigner zum Saisonende eine Party ... doller Empfang auf Sardinien, langsam wird es urlaubig.

3. September
Die Feier begann punkt 20.00 Uhr. Aus allen "Löchern" sprich Campern und Zelten kamen die Leute (knapp 100), dann gab es Essen und Trinken,
alles auf Kosten des Hauses. Und das richtig viel - Nudeln, Lamm + Kartoffeln, Bratwürste, Wein. Wir saßen an einem Tisch mit einer deutsch-irischen
Familie und zu später Stunde kamen auch unsere Zeltnachbarn hinzu (Motorradfahrer aus Koblenz). Und dann gab es viel zu erzählen, da er ein
Händler für Outdoor-Ausrüstung ist und noch dazu Kradfahrer. Wie das manchmal so passt. Zwischendurch gab es noch einen Nachschlag Würstchen und
ein paar Italiener sangen inbrünstig und nicht mal schlecht italienische Schlager. Gegen 23.00 Uhr waren alle so schnell verschwunden wie sie gekommen
waren. Nur wir vier saßen noch bis ca. 2 Uhr. Nach einem ausgiebigen Frühstück überlegen wir was wir überhaupt machen wollen und entscheiden uns, einem Marco-Polo-Tipp zu folgen.
Entgegen der Beschreibung im M.P. ist die Zufahrt zur SOS Nuratholos nicht ausgeschildert. Nach einigem Hin- und Herirren finden wir zufällig den Weg. Zur Anlage kann
man nur sagen, dass der Weg dorthin einerseits mit dem Auto recht anspruchsvoll, der Aufstieg zu Fuß mittelmäßig anstrengend ist und andererseits
keiner weiß, was das soll. Das Schild zur näheren Erklärung war geklaut, nur die Befestigung dafür stand noch verrostet da. Aber der Ausblick ist
schön.

4. September
Wir mussten pünktlich 12.00 Uhr den Zeltplatz verlassen und fahren den ganzen Tag die SS125 gen Süden. Gegen Abend finden wir hinter Tortoli (bei Arbatax)
ein Traumcamp. Direkt am Meer in einer Bucht mit weißem Strand. Hier zeigt sich das Auto als hinderlich, weil die schönsten Stellen höchstens mit einem
Geländewagen erreicht werden könnten. So zelten wir an einer Stelle, wo auch schon einiger Camper (hauptsächlich Deutsche) ihr Lager aufgeschlagen
haben. Bei der Feuerholzsuche kommt es prompt zu Belehrungen. Aus der Diskussion entspinnt sich dann ein abendliches Treffen am Feuer mit Lambrusco, Bier und
vielen interessanten Gesprächsthemen.
5. September
Kati ist beachen, Martin baut den ganzen Tag am Kocher (Sigg Firejet, das Scheißding). Gegen 17 Uhr brechen wir in Richtung Landesinnere auf, um die
Tropfsteinhöhle Is Janas bei Sardali anzuschauen. Auf Grund der kurvigen Strecke ist die Ankunftszeit eine Stunde später als geplant. Die Höhle hat
bereits geschlossen und so beschließen wir ein Lager an einem Fluss bei Esterzili zu suchen. Doch scheinbar sind viele Flüsse Sardiniens um diese
Jahreszeit nur Rinnsale, so auch dieser. Außerdem stellt sich nach einer Weile Fahrt heraus, dass wir zu diesem Fluss mit einem normalen Auto gar nicht gelangt wären. Also
wenden wir in den Serpentinen, um an einem Scheitelpunkt einer solchen auf einen Schotterweg zu stoßen. Nach kurzer Erkundung zu Fuß wird der Platz als
gut befunden (viel mehr Möglichkeiten gab es dann auch um diese Uhrzeit nicht mehr). Es scheint ein Schotterweg zu sein, der sich in Serpentinen den Berg
(ca. 800m) hinunterwindet, am Fluss endet und höchstwahrscheinlich nur von Schafen, Hirten und Leichtendurofahrern genutzt werden kann. An einer etwas
breiter Stelle (Ka-Breite plus 50 cm) schlagen wir unser Lager auf und fürchten uns etwas, aufgrund der ungewohnten Geräusche und Situation und der
rabenschwarzen Umrisse der Berge ringsherum. Wegen der allgegenwärtigen Waldbrandgefahr verzichten wir auf ein Feuer und gehen zeitig (nach ein paar Schluck Schnaps auf den Schreck) ins Bett.

6. September
Nach gut überstandener Nacht, ohne Übergriffe von wilden Hunden oder Italienern, funktioniert plötzlich der Kocher wieder. Deswegen ist gleich mal
wieder Sonntag: es gibt Eier. Wir brechen gegen 12 Uhr bei Bullenhitze und kurzem Aufsetzer des Kas in Richtung Höhle auf. Also wieder die Serpentinen
hoch (ich kann sie bald auswendig), Tickets gekauft und pünktlich zur Führung da. Diese war nur in italienisch und für die sechs Nichtitaliener
gab es das Ganze noch mal in Kurzform auf italienisch, aber mit Händen und Füßen. Stirnrunzeln Einiger, verständnisvolles Nicken bei völliger
Unwissenheit bei Anderen und jeder reimte sich das zusammen, was er wollte. [Beispiel: Fledermäuse fliegen durch den Siphon, riechen nach Vanille und an der Decke
ist Ruß. Wahrscheinlich hat das Urzeitkaninchen in der Höhle geraucht. So.] Die Höhle war trotzdem sehr schön, zum Teil musste man auf allen Vieren
durch Öffnungen kriechen ("Attenzione a la testa."). Kurze Aufwärmphase mit Capuccino im kleinen gemütlichen Restaurant, denn in der
Grotte waren ca. 14 Grad. Wir beschließen wieder an die Küste zu fahren, Richtung Villaputzu. Letztendlich sind wir der Küste gefolgt, konnten uns nicht entschließen und
sind auf Capo Carbonara (Villasimius) gelandet und zwar auf einem Zeltplatz. Jetzt sitzen wir im einzigen Restaurant am Ort mit Blick aufs Meer, haben für
viel Geld wenig gegessen, dafür trinken wir für wenig Geld viel. Tutto bene.


7. September
... wieder mal Sonntag ... zum heutigen Tag ist nicht viel zu sagen: wir sehen uns den Hafen an und suchen uns jeder ein Boot aus :o), trinken ein Milchshake
mit Eis und ein Bier aus einem blumenvasenartigen Bierglas, danach ein ausgiebiges Sonnenbad am Meer inklusive Muschelsuche, Sonnenbrand und Literatur. Abends sind wir wieder im Restaurant und entscheiden uns diesmal für Pizza in Wagenradgröße. Eine gute Wahl, da ausreichend und lecker.
8. September
Vor dem Frühstück finde ich eine tote Mäuseratte neben dem Zelt. Wer weiß, was ihr jähes Ende herbei geführt hat (sie lag an Martins Fußende).
Au!! Wir checken pünktlich 12.47 Uhr aus und fahren nach Cagliari, der Hauptstadt Sardiniens. Hier bestätigt sich wieder einmal der Eindruck, dass Sardinien
nur ein Anhängsel von Italien ist und sich keiner darum kümmert. Wir schlendern ein wenig durch die Altstadt mit ihren engen Gässchen und verlassenen Häusern. Dass sie zum Teil von Künstlern und Studenten wiederentdeckt wird, können wir nicht
bestätigen. Ziemlich trist und doch irgendwie anmutig, so verlassen und heruntergekommen und dunkel. Irgendwo kommt dann ein kleiner Junge aus einem Tor und spielt im Hof Fußball. Der
dumpfe Aufprall des Balles schallt durch die Gassen und wirkt unwirklich. Wir halten uns hier nicht lange auf und fahren weiter an die Ostküste des Golfs
von Cagliari. Auf dem Weg dorthin machen wir einen Abstecher zur Ausgrabungsstelle Nuoro bei Pula. Irgendwie finden wir trotz irrsinniger
Ausschilderungen doch den Ort und werden vor die Tatsache gestellt, dass der ganze Spaß, von dem wir nicht einmal wissen was er beinhaltet, pro Nase €
5,50 kosten soll. Wir bezahlen dann doch und finden eine umfangreiche, weitläufige aber vernachlässigte Ausgrabungsstätte vor, die nicht den
Erwartungen entspricht, die durch Postkarten und den Preis geweckt wurden. Viele Schilder sind nicht mehr lesbar und so kann man sich auf die Steinhaufen
keinen Reim machen. Ein paar Kilometer südlich finden wir an der Costa Pineta ein schönes Camp, dass leider andere Leute schon zur Müllhalde zweckentfremdet hatten. Es tun
sich Parallelen zu Griechenland auf - das Land braucht keinen Tourismus, die Bewohner machen ihr Land selbst kaputt. Aber es stinkt nicht (obwohl man es vermuten könnte), das Meer rauscht, der Himmel ist klar und wir beschließen zu bleiben. Der Ka muss zum ersten Mal in
seinem Leben als Planenhalter dienen und wir machen uns an die Abendmahlzubereitung. Geplant ist Rührei mit Wiener Würstchen, auf italienisch "Würstel". Leider verbindet sich nur der Name mit dem ursprünglichen Produkt. Die "Würstel" schmecken nicht und riechen
schlecht. Trotzdem lassen wir uns den Abend nicht vermiesen und den Wein schmecken und rätseln über Sternbilder. Wir stellen mal wieder fest, dass
unsere Kenntnisse in der Beziehung unzureichend sind. Aber zum Glück gibt es das Handy und einen guten Freund zu Hause, der uns dann auch auf die Sprünge
hilft. Mal sehen, ob wir es uns bis nach dem Urlaub merken mal eine Sternenkarte zuzulegen ...







9. September
Obwohl ich hundemüde war, hab ich kaum geschlafen. Vielleicht lag es daran, dass ich das Unter-der-Plane-liegen befremdlich fand, vielleicht am Rauschen
des Meeres, vielleicht an den Ameisen, die meine Hände wohl sehr interessant fanden oder an etwas ganz anderem oder allem. Früh bin ich wie zerschlagen -
mein Brustkorb tut weh, mein Rücken und Bauch auch. Die Würstel lagen mir wohl noch schwer im Magen. Trotzdem frühstücken wir schön unter der Plane, der
Wind weht heftig von links und fahren dann weiter an der Küste entlang in Richtung Iglesias (Westküste). Die Costa del Sud hat viel zu
bieten - Strand, Buchten und klares zum Teil türkisfarbenes Wasser. Eigentlich ein Paradies für jemand, der sich entschließt eine kleine Ferienanlage zu bauen und
sicherlich auch rentabel. Wir schauen uns unterwegs einen Sarazenenturm an, um den man nur herumlaufen kann. Der Weg ist teils mit Glassplittern mutwillig
zerstörter Lampen gepflastert. In Iglesias soll laut Marco-Polo eine in Restauration befindliche und von der UNESCO als Weltkulturerbe vorgeschlagen
Bergbausiedlung sein. Auf dem Weg dorthin lassen viele verlassene Häuser und Überbleibsel des Bergbaus auf frühere Betriebsamkeit schließen. Die
Umgebung ist wenig ansehnlich. In Iglesias angekommen, sehen wir von Weitem große verlassene Siedlungen und nach der üblichen Irrfahrt aufgrund der
"hervorragenden" Ausschilderung fahren wir in so eine Siedlung. Alles ist verlassen und runtergekommen, von Restaurierung, Kulturerbe und
Wild-West-Charme wie von einer Urlauberin angepriesen, ist hier für uns nichts zu spüren. Wir fühlen uns eher an unsere Heimatorte erinnert -
Tagebau Schwarze Pumpe und Lauchhammer. Dort wurden solche Gebäude und Anlagen nach der Stilllegung weggesprengt. So unterschiedlich sind eben die
Meinungen. Das letzte Etappenziel an diesem Tag soll die Costa Verde sein, doch aufgrund falscher Karte (Original aus Italien 1:200000) irren wir eine ganze Weile herum,
ohne die anvisierte Route auch nur annähernd zu finden und stehen zum Schluss vor einem Stacheldrahtzaun und einer Schranke - ein Gefängnis am Meer
(hoffentlich haben die Insassen klimatisierte Zellen). Das bedeutet ca. 40km Serpentinenstraße wieder zurück und einen anderen Weg zum Meer suchen.
Kurz vor Einbruch der Dunkelheit finden wir den gesuchten Strand und kurz darauf auch ein passables Plätzchen. Wieder die Plane über den Ka gezogen,
noch ein kurzes Gespräch mit österreichischen Nürnbergern aus München, die ihren Camper auch hier geparkt haben und dann geht es schon um 22 Uhr ins
Bett. War ja auch ein anstrengender Tag. Vorher beschließen wir noch am nächsten Tag mal wieder einen Zeltplatz anzulaufen - eine Dusche tut Not.



10. September
Wir besichtigen noch den Rest der Costa Verde, die Karte stimmt nicht mal annähernd. Eine sehr schöne verlassene Gegend
mit klarem Wasser und Sandstrand, ideal zum Wildcampen. - Inzwischen kennen wir schon ein paar italienische Sommerhits. - Wir suchen uns einen Zeltplatz in der Nähe der Sinis-Halbinsel. Leider gibt
es hier scheinbar nur zwei; einen 4-Sterne-Zeltplatz und einen Runtergekommenen mit Dauercampern fragwürdiger Herkunft. Wir quartieren uns
in ersterem ein. Der Zeltplatz hat seine vier Sterne verdient - schattenspendende Kiefern, gemähter Rasen (leider die Kanten vergessen), Pool und hauseigener Strand. Trotz alledem sind wir der Meinung, dass dies keine 10 € pro Nase rechtfertigt. Die Dusche muss
natürlich extra bezahlt werden und das Restaurant läuft mit Aushilfskräften. Wahrscheinlich ist das die Bedienung für die nächste Saison, die heute angelernt
werden soll. Der Service ist okay, aber nicht toll, dafür vergessen sie meine Nachspeise auf der Rechnung. Aber wie sollten wir
dies bei unserem nicht-existentem Italienisch klar machen? Obwohl wir können schon: grazie, prego, buon giorno, buona sera, ciao, mezzo
und tonno. Wir werden hier noch einen Tag bleiben, uns etwas ausruhen und die nähere Umgebung (Insel Sinis) erkunden. PS: Es ist mal wieder erstaunlich, dass die vielen jungen Leute hier, auch Angestellte in Restaurants, auf dem Zeltplatz oder im Kiosk, kaum ein paar
Worte englisch sprechen können. Komisch, da dies uns schon in Griechenland aufgefallen ist. (Die haben in der Pisa-Studie sicherlich besser
abgeschnitten...)
11. September
Wir schlafen gut aus, frühstücken nach Sonntagsplan und entscheiden uns für eine kleine Rundreise über die Sinis-Halbinsel. Es gibt erstaunlich
viel Landwirtschaft hier. Die Bauern müssen es sehr schwer haben, denn obwohl die Felder von abgesammelten Steinen gesäumt sind, liegt noch viel Geröll rum.
Auf der Suche nach Zwergpalmen ("... die muss man gesehen haben...") und Flamingos im Naturschutzgebiet fahre ich tollkühn eine
Küstenpiste lang. Eiereier, wackel, wackel - alles in Schrittgeschwindigkeit. So ein Ka ist eben kein Jeep. Aber wir kommen vorwärts und finden schöne
Steilküsten und machen ein paar Ford-Werbefotos ... Irgendwann ist aber Schluss, eine Steilauffahrt mit Tiefsand zwingt uns zum Umkehren. Die
Zwergpalmen haben wir gefunden und anstelle der Flamingos total verrottete Autowracks und vergammelte Haziendas. Wie gesagt, im WWF Naturschutzgebiet,
echt relaxt die Italiener. Wir fahren auf dem Holterdiepolterweg zurück, entscheiden uns ganz spontan für einen anderen Abzweig, der uns über Feldwege und an Feldern mit kleinen Melonen entlang führt. Es ist 17 Uhr (in drei Stunden ist es stockdunkel) wir ahnen nur, dass dieser kleine Weg irgendwann einmal auf die Asphaltstraße führen muss und das ist noch nicht alles - der Sprit geht auch langsam zur Neige. An einem Gehöft springen drei schneeweiße Hunde den Ka an, schnell schnell die Fensterscheiben hochgekurbelt - so ein Schreck, auch das noch. Aber irgendwann kommt die Hauptstraße und alsbald auch eine Tankstelle. Alles in allem ein großes Abenteuer :o) und das ohne Reiseführerempfehlung.
Zum Abendbrot gibt es einen großen Tonno-Salat und ab gehts ins Bett.



12. September
Ab jetzt wird, wenn es nicht anders erwähnt wird, immer ein Sonntagsfrühstück den Tag beginnen ... Wir fahren nach Macomer, um uns einen ganz bedeutenden Nuraghenring anzusehen.
Leider Fehlanzeige, jedenfalls für uns Kunstbanausen stehen da wieder bloß ein paar Türme rum, leider ziemlich verfallen. Und von "Ring" war
gar nix zu erkennen. Nächste Station Bora: der einzige schiffbare Fluss Sardiniens, tatsächlich ist Wasser drin. Die verlassenen Gerbereien sind ganz
wunderbar anzuschauen, die angepriesene palmengesäumte Uferpromenade ebenso - meine Güte hat der Schreiber vom Marco-Polo-Reiseführer Drogen genommen und
deswegen schöne bunte Bilder/ Häuser gesehen? Von Bora geht es weiter nach Alghero, einer spanischen Stadt. Hier herrscht wieder die verrückte italienische Verkehrsweise und ich bin kurz vor einem Schreianfall. Wir beeilen uns hier wegzukommen, denn außer
Verkehrsdurcheinander und schier endlosen Uferpromenaden mit vielen vielen Leuten und Bars scheint hier nichts zu holen zu sein. Und ob wir nun den Dom
gesehen haben oder nicht, ist uns nun auch egal. Wir fahren weiter nach Cappo Caccia, um uns dort die "Grotta di Nettuno" anzuschauen. Sie ist
über 650 Treppenstufen (hab ich nachgezählt!) zu erreichen und liegt ca. 2m über dem Meeresspiegel. Man kann sich auch mit einem Boot hierher schippern
lassen, spart sich also die Treppen-wieder-hoch-Steigerei. Die Grotte liegt in einem Felsspalt, ist ziemlich groß und recht schön. Leider kommen mit uns
zur 17-Uhr-Führung auch noch zigtausend alte Italiener an, die sich anscheinend nur darum kümmern, bei ihrer Gruppe zu bleiben und das ohne
Rücksicht auf Verluste (drängelschups) und kaum einen Blick nach rechts, links, oben oder unten übrig haben - wo es doch soviel zu sehen gibt (gut mit
einer deutschen Rentnergruppe möchte ich so was auch nicht machen, wird sicherlich nicht anders sein). Nach einer Stunde ist alles vorbei, obwohl die
Führung sicherlich auch in zehn Minuten hätte erledigt sein können. Aber das lag daran, dass man an der niedrigsten Stelle der Grotte einen kleinen
Kreis laufen musste, aufpassend sich nicht den Kopf an Stalaktiten aufzuschrammen oder diese gar abzubrechen ("Dont touch anything!"),
um dann auf demselben Weg wieder zurück zu laufen. Da kann man sich ja vorstellen, dass das ein Heidendurcheinander bei den älteren Herrschaften gab
und logischerweise zum Stau führte. Naja eben eine der schönsten Grotten Sardiniens und da müssen alle hin. Wir ja auch.
Unser Nachtlager soll mal wieder irgendwo an der Küste sein, aber auf Grund der nahenden Dunkelheit und allgegenwärtigen Steilküste, fällt es schwer,
etwas geeignetes zu finden. Wir stoßen auf einen riesengroßen Zeltplatz mit gemähtem Rasen, aber nicht in der Nähe des Meeres. Auf der Karte ist noch
ein weiterer Zeltplatz eingezeichnet, den wir auch wirklich finden, obwohl nicht viel - also fast gar nichts - darauf hindeutet und wir ihn als verlassen
erklären. Es stehen noch vier Zelte herum, Schilder mit einer Größe von 10x10 cm weisen den Weg zur Rezeption, aber es sieht nicht danach aus, als ob
sich hier irgendjemand um etwas kümmert. Wir glauben, den geeignetesten Wildcampplatz ever gefunden zu haben, werden aber eines Besseren belehrt. Hier
schleicht wohl der Besitzer (ja es gibt ihn wirklich) herum und sammelt Geld ein. Und das nicht zu wenig - 15 €! dürfen wir legen, für nichts. Die
Duschen sind open air und kalt (aber bei dem Wetter muss man doch nicht warm duschen) und die Toiletten befinden sich am anderen Ende des Platzes.
Außerdem gibt es hier eine Menge wilder Hunde, aber die scheinen nur zu bellen. Jedenfalls haben wir uns mal wieder als absolute Greenhörner geoutet;
als Sorte Mensch, die nicht handeln können. Angeschissen, rechts raus! Naja dreimal geärgert und geschworen, so was nicht noch mal passieren zu lassen.
Die Nacht ist anstrengend - Hunde bellen unaufhörlich und die gesamte Mückenkolonie aus Schweden und Finnland muss sich jetzt hier versammelt
haben. Martins Knie ist ein einziger roter Stich, unzählbare Einschüsse. Aber wir geben die Hoffnung nicht auf, dass wir irgendwann immun gegen den
Juckreiz werden.


13. September
Die Nacht ist überstanden, Martin hat sich unter die eiskalte Dusche gewagt (ist ja schließlich alles bezahlt) und wir werden so langsam nach Sassari
aufbrechen. Auf dem Weg dorthin wollen wir uns noch Steingräber (Necropoli) anschauen. Die im Reiseführer als frei zugänglich angepriesenen, sind es
schon lange nicht mehr, ein dickes Vorhängeschloss am Gittertor verhindert den Zutritt. So bezahlen wir ein paar Kilometer weiter 4,20€ Eintritt und
schauen uns die Gräber an. Teilweise bis zu 5000 Jahre alt und ziemlich verwinkelt. Es handelt sich hierbei um kleinere und größere Räume, die in
Stein gehauen worden sind, komplett unterirdisch. Hier wurden die Toten beigesetzt, manche Höhlen wurden später auch "ausgebaut" und als Wohnungen
genutzt. Es war interessant, aber nicht "großartig, total super, faszinierend" wie im Gästebuch von Besuchern geschrieben stand.
Wahrscheinlich fehlt uns hier wieder jegliches geschichtliches Interesse. Weiter gehts nach Sassari. Laut Reiseführer soll die Stadt den Eindruck einer
modernen lebendigen Metropole erwecken. Wir sind gespannt. Aber alles Illusion. Vielleicht liegt es daran, dass wir gerade in der Siesta hier sind oder dass der Reiseführerschreiber mal wieder einen total verklärten Blick hatte. Die Einkaufs- und Flaniermeile sieht runtergekommen aus und überhaupt
nicht lebendig. Auf den Nebengässchen ist es verwunderlich, dass die Rinnsale wirklich aus Wasser sind und keine verkappte Kanalisation darstellen. Für uns
eben ein kompletter Reinfall. Leider. Weiter auf unserem "Kulturprogramm" steht die schöne Küstenstadt Castle Sardo. Von weitem zeigt sich ein kleiner Hafen, ein Sarazenenturm auf einer Landzunge und auf einem Hügel eine kleine Burg mit Burgmauer und Turm.
Alles richtig idyllisch. Wir wollen uns das ganze aus der Nähe betrachten und vielleicht in einer Bar einen der sehr leckeren Cappuccinos trinken - und sind
plötzlich mittendrin im Tourigewusel. Aber es kommt noch schlimmer. Die Straße wird immer enger und steiler, wir sind auf einmal an der Burg - und -
schon wieder vorbei. Die Italiener haben echt keine Ahnung. Mir platzt gleich der Kragen! Ja, man hätte sich als Besucher vielleicht denken können, dass
man die Burg und den alten Ortskern nur zu Fuß besuchen sollte. Aber warum wird dann nicht die Straße für jeglichen Verkehr gesperrt? Nein, man
kann dadurch fahren, fast die Burg und die Touristen und die Omis dabei anfahrend. Ich bin fix und fertig und will nur noch nach Hause und hab die Schnauze
gestrichen voll. Und ihren Cappuccino den können sie sich sonst wohin ... Übrigens es regnet auch seit Mittag ununterbrochen. Einer der drei Regentage
im September. Der nächste Kulturhöhepunkt ist Roccia dell´Elefante, ein Stein, der die Form eines Elefanten hat und im Inneren kleine Höhlen für frühere
Beerdigungen hat. Wir fahren hin, steigen aus, gehen mit Regenschirm zum Stein - der wirklich wie ein Elefant aussieht, ich hatte alles andere erwartet
- machen ein Foto und fahren wieder. Kurz, schnell, schmerzlos - abgehakt. Da wir für heute genug haben, machen wir uns auf die Suche nach einem Lager.
Dies ist jedoch schwieriger als gedacht, obwohl es hier Strand und Stichstraßen mehr als genug gibt. Meist wird nach 3km Seitenstraße
verkündet, dass dies eine Privatstraße ist, zweimal war ein Häuschen mit Wärter kurz vor dem Strand und jegliche Zugangsstellen scheinen nicht für
uns zu sein. Bei dieser Tour kommen wir auch an der Costa Paradiso vorbei, die laut M.Polo einen Abstecher lohnt. Und da uns heute kaum noch etwas schocken
kann, fahren wir dorthin. Eine einzige Tourihochburg; Geschäfte, Menschen, Tauchschulen, Autos und wieder Menschen. Die Bucht scheint schön zu
sein, ein paar große Steine liegen im und am Wasser, aber auch diese ist nicht als Lager für uns geeignet. Also heißt es weitersuchen. Die Situation bessert sich
aber nicht und so platzieren wir uns bei Vignola Mare auf einem Camperstellplatz. Angeblich soll morgen 8.30 Uhr ein Wächter vorbei kommen
und 10 € pro Camper absahnen. Wir werden sehen. Der Regen hat nachgelassen, dafür gibt es hier wieder Mücken ohne Ende. Wir ziehen alles an was wir
haben, nur damit die Mücken was zu tun haben, trinken alles aus, was wir haben, reden über Gott und die Welt und stürzen gegen 1 Uhr ins Zelt. Morgen
wollen wir ohne Frühstück aufbrechen, um nicht dem 10-Euro-Wächter in die Hände zu fallen. Hicks und Gute Nacht. So ein Tag.



14. September
Völlig verstört vom Weckerklingeln stehen wir um 7:45 Uhr auf, packen alles zügig zusammen und sind 8:05 Uhr vom Platz verschwunden. Das Wachhäuschen
ist noch nicht besetzt - unser Plan vom Geld sparen ist also aufgegangen. Da wir noch etwas durcheinander und müde sind, wollen wir uns gleich ein paar
Meter weiter an einen offiziellen Badestrand legen und weiterschlafen. Doch genauso wie gestern Abend ist nichts auf die Schnelle zu finden. Am Ende der
Stichstraßen zum Meer ist immer Feierabend und es heißt umkehren, das geht einem nach kurzer Zeit ziemlich auf die Nerven. Zum Schluss gibt es eine
Notlösung ca. 10 Meter von der Schnellstraße entfernt, wir packen die Schlafsäcke aus, spekulieren noch kurz warum die Küste hier so "zivilisiert"
ist und schlafen dann bis 11 Uhr. Nach einem Frühstück mit Blick aufs Meer fahren wir weiter. War eigentlich ein recht schöner Frühstücksplatz, nicht unbedingt nur Notlösung. Nachdem wir in St. Theresa die Fährverbindungen
nach Korsika gecheckt haben (50,50 €! mit Moby Line) schauen wir uns Capo Testa an. Naja da liegen schon wirklich ein ganz paar Steinhaufen rum, aber "Tiere, Burgen und
Fabelwesen" (Zitat Marco Polo) kann man hier wahrscheinlich auch nur nach einer großen Wundertüte sehen. Also wieder Nepp. Am
Ende unserer Inselrundfahrt wollen wir uns noch die berühmte Costa Smeralda anschauen, ein Urlaubs- und Surferparadies für die Reichen und
Schönen. Die Gegend ist wie so oft auf Sardinien sehr schön, es liegen hier keine Autowracks an der Straße, es gibt keine eingefallenen Häuser, aber
dafür Sushi-Bars und Yachtclubs. Da wir nur schön jedoch aber nicht reich sind, fahren wir weiter in den Norden und wollen zwei Nächte auf einem
Zeltplatz verbringen, bevor wir nach Korsika schippern. Übrigens gibt es eine Fährverbindung von Palau nach Porto Veccio, die bloß 35 € kostet. Wir finden einen Zeltplatz, der so riesig ist, dass wir uns am Abend im Dunkeln fast verlaufen. Wir haben noch nicht eingecheckt und hoffen auf Grund
der Dimensionen, hier unbemerkt zu bleiben. Na mal schaun. Noch ein Bier und einen Lambrusco und einen Ramazotti Amaro und ab ins Bett.
15. September
Früh müssen wir nach Palau fahren, um ein Brot zu kaufen. Der hiesige Markt hat bereits wegen der Nachsaison geschlossen. Das gekaufte Brot ist der Hammer: erstens hatte es einen Durchmesser von 50cm, aber dafür hat es auch 5,71 € gekostet (und auch drei Tage gehalten). Der Tag verläuft bis
zum Nachmittag in absoluter Ruhe und Gammelei. Martin schafft es nach zwei Jahren gedanklicher Vorbereitung sein BW-Besteckmesser anzuschleifen. Die übrige
Zeit verbringen wir damit, die Zeltbahn hinter dem Schatten eines Baumes herzuzotteln. Essen, ausruhen, lesen, am Wasser gucken - so verläuft der Tag
im äußersten Entspannungsmodus.

16. September
Unbemerkt kommen wir vom Zeltplatz weg (so billig haben wir noch nie so gut gecampt) und fahren nach Palau zum Hafen. Laut unseren Recherchen sollte die
Fähre 10:30 Uhr nach Bonifacio fahren. Das Problem zu dieser morgendlichen Stunde - die Fährbüros haben noch geschlossen und wir bekommen kein Ticket.
Da noch genügend Zeit ist, fahren wir weiter nach St. Theresa, um von dort gegen 11 Uhr mit "Saremar" für 10 € billiger als "Moby Line" zu
starten. Alles klappt wie am Schnürchen und wir setzten mit einer Gruppe älterer, recht hübsch aufgetakelter Omis nach Korsika über. Der Kahn ist
von der ältesten Sorte und schaukelt nicht schlecht, aber bei 50 Minuten Fahrzeit ist das auszuhalten. Der Hafen von Bonifacio befindet sich in einer Art Felsschlucht und bei einer
entgegenkommenden Fähre wäre es hier sicherlich eng geworden. Ziemlich imposant. Meinen im Bauch der Fähre verkeilten Ka bekomm ich auch ohne
Schaden heraus und wir fahren los, mal auf die Schnelle Korsika erkunden. Der Plan ist ein Stück die Westküste bis Ajaccio hochzufahren und dann quer
durchs Land bis Bastia, um die Ostküste zu begutachten. Aber zuerst müssen wir uns eine Landkarte kaufen. Nach drei Anlaufpunkten haben wir auch eine und
steuern unser erstes Ziel an. Die Westküste scheint auf den ersten Blick nicht viel anders als auf Sardinien zu sein. Aber je weiter man nach Norden fährt, desto grüner,
bewaldeter und aufgeräumter wird es. Wir sind auf der Suche nach einem schönen Frühstücksplatz - seit morgens leben wir nur von Wasser, Zigaretten
und Keksen. Aber auch hier ist es schwierig ans Wasser zu gelangen. Die Strandzufahrten sind entweder zugebaut oder enden nach einem schier
unbeschreiblichen Holperweg 10 Meter vom Strand entfernt. So nehmen wir einen Picknickplatz in der Kurve einer Serpentine und haben viel Spaß an den
vorbeifahrenden Fahrzeugen - ein Opa winkt uns zu, ein tschechischer Reisebus eiert scheinbar völlig überfordert durch die Kurven und die Kleintransporter
geben alles, quietschende Reifen permanent. Wir fahren auf einer kleinen gelben Straße mehr oder weniger immer am Wasser entlang. Die Straßen sind auf alle Fälle schlechter als auf Sardinien, an die Strände kommt man kaum mit dem Fahrzeug ran, die Dörfer sehen sehr
gepflegt aus und je näher wir an Ajaccio kommen, desto mehr Villen mit Palmen und englischem Rasen sehen wir. Aber trotzdem schön.
Die Idee, wild zu campen, haben wir schon recht bald aufgegeben und schauen uns deshalb nach einem Zeltplatz um. Die Preise liegen bei 15 €, aber mit
Meerblick ist hier nichts zu bekommen. Die Zeltplätze, die wir hier sehen, sind nicht sehr gepflegt und sind immer ein paar Kilometer von der Küste weg.
Letztendlich nächtigen wir an einem Fluss, der sich am nächsten Morgen als Kühlfluss eines Kraftwerkes herausstellt. Daher waren Martins abendliche
Angelversuche auch nicht sehr erfolgreich.

17. September
Heute besichtigen wir Ajaccio, das heißt wir sind durchgefahren. Der Ort macht einen sehr lebhaften, südländischen Eindruck inklusive Staus und
drängelnde Moped- und Autofahrern. Nach den ganzen toten Nestern auf Sardinien eine sehr willkommene Abwechslung. Danach fahren wir ins
Landesinnere, Richtung Corte. Geografisch ist es hier ähnlich wie auf Sardinien, jedoch zivilisierter und grüner, sprich weniger Autowracks, keine verlassenen Ortschaften und mehr Landwirtschaft. In Venaco
halten wir an, um einen Capuccino zu trinken. Entweder hat der Kellner falsch verstanden oder die Franzosen können das nicht. Es war nämlich ein dünner Kaffee mit einem extra Kännchen Milch. Dafür haben dann
auch zwei Tassen 5,50 € gekostet. Danach geht es weiter an der Ostküste entlang Richtung Aléria. Der Küstenstreifen ist wie platt gewalzt
und an dieser Erscheinung ändert sich bis Bastia auch nichts. Auch mit der Wirtschaft scheint es hier nicht so zu funktionieren wie im Westen, sieht
alles etwas herunter gekommener aus. Auf der Suche nach einem Plätzchen für ein kleines Picknick, büße ich meinen linken Außenspiegel ein. Die Straße
war für uns beide ganz einfach zu schmal ... Bloß gut hatte ich meine Fensterscheibe nicht offen, sonst wäre es ohne Blutopfer nicht abgegangen. An
einem kleinen Strand wollte dann auch noch sabbernder Köter von meiner Käseschnitte abbeißen - er stand in Kopfhöhe ca. 30cm neben mir und ich
wäre am liebsten tot umgefallen. Aber alles löste sich in Wohlgefallen auf - der Spiegel wurde gegen den rechten noch funktionstüchtigen ersetzt und der
Köter suchte sich Badegäste zum spielen. Wir wollen noch weiter nach Bastia, um uns über eine Fährverbindung zu informieren. Ca. 15km Industriegebiet und
"Centre Commercial" begrüßen uns. Der Hafen ist schnell gefunden, mit der Ausschilderung stehen die Franzosen wohl nicht so auf dem Kriegsfuß
wie die Italiener. Leider haben alle Büros geschlossen und Moby Line öffnet am nächsten Tag erst 10 Uhr. Aber wie lange? Steht natürlich nicht am
Schild. Also suchen wir einen Campingplatz. Vom ersten werden wir von einem alten dicken Mann lautstark vertrieben, nachdem wir erklären wollten, dass
wir erst einmal schauen wollen bevor wir unsere Pässe abgeben. Der Zweite ist eine wahrhafte Spelunke, zwar direkt am Meer, aber sonst gibt es hier
nichts. Männer sitzen am Tresen und sind schon halb betrunken. Alles macht einen sehr suspekten Eindruck. Als wir uns entschließen, noch ein
Stück zu fahren, da wir auf der Hinfahrt noch ein anderes Campingplatzschild gesehen haben, knallt fast direkt neben uns ein Zug vorbei. Nur schnell weg
hier. Ca. 20min vom Hafen entfernt in südlicher Richtung, finden wir einen schönen und beschrankten Zeltplatz. Der Einlasser spricht sogar englisch und
auf die Frage, wann man den Platz verlassen muss, antwortet er mit einem schelmischen Grinsen "... in two month...". Hier bleiben wir.

18. September
Wir fahren ohne Frühstück nach Bastia, bekommen ohne Probleme unsere Tickets, sogar zum Supervorzugspreis von 73€ allerdings mit 100%
Stornogebühr. Den Rest des Tages sielen wir uns auf dem schönen Campingplatz rum und machen nix. Das war nun fast unser Urlaub. Wir gehen noch mal baden, kochen uns was und
trinken den Rest Ramazotti aus. Nach stundenlangen Gesprächen am Strand gehen wir dann 00:30 Uhr ins Bett. Die Fähre legt morgen 14:45 Uhr ab. Da können
wir relaxed starten.
19. September
Frühstücken, packen, noch einen letzten Kontrollblick über unseren Liegeplatz, die Wasserflaschen aufgefüllt und los gehts. Da sich schon den ganzen Tag dicke Wolken über der Küste auftürmen, fällt uns der Abschied gar nicht mal so schwer. Wir fahren mit fast leerem Tank auf
die Fähre (der Sprit ist auf dem Festland billiger). Wir trinken am Hafen noch unseren letzten originalen Capuccino und schauen von dem kleinen
Café auf den Hafen. Unsere Fähre legt mit einer halben Stunde Verspätung ab und lustigerweise treffen wir einige Leute wieder, die mit uns vor drei Wochen in
Olbia gelandet sind. Die Überfahrt verläuft ohne besondere Vorkommnisse, wir sehen uns noch mal kurz die Sonne an, die aber bald hinter dicken Wolken
verschwindet. Wohl für den Rest des Jahres - schluchz. 20 Uhr legen wir in Genua an. Die nächste Frage lautet: was nun? Weit fahren
wollen wir eigentlich nicht mehr, zelten ist auch nicht ganz unproblematisch, da erstens das Wetter nicht gerade rosig ist und zweitens die Zeltplätze um
diese Zeit schon geschlossen sein könnten; bliebe also noch ein Motel o.ä. Auf Grund der Planlosigkeit fahren wir erst mal los. Unser erstes Ziel ist eine
Tankstelle - der Zeiger der Benzinfüllstandsanzeige befindet sich bereits im roten Bereich. Die erste Tanke ist an der Stadtautobahn. Wir sind auf der
linken Spur und müssten schleunigst rechts rüber. Da aber der Außenspiegel fehlt und sich noch einige "tausend" Autos hier entlang quälen wird
das ein echtes Problem. Und schwups sind wir an der letzten Tankstelle vor der Autobahn vorbeigefahren. Und die Nadel der Tankanzeige fällt immer weiter ...
Wir haben noch ca. 2 Liter Sprit im Kanister, der im Kofferraum steht. Aber die Vorstellung, in einem italienischen Autobahntunnel ohne Standstreifen,
Benzin auf der linken!!! Seite nachzufüllen, ist nicht gerade verlockend. Mit diesem Gedanken im Kopf nähern wir uns der ersten Mautstation. Die Schranke
ist auf, wir halten kurz, schauen nach einem Ticket, nichts, also weiter. Dann ein Schild - Tankstelle in 14km. Wir hoffen und zittern, dass wir sie noch
ereichen. Ich bekomme noch schnell einen Exkurs in spritsparender Fahrweise und wir erreichen die Tankstelle. Der Motor läuft sogar noch. Glück gehabt
und erst jetzt ist Platz für das zweite Problem: Maut. Ein deutscher Motorradfahrer zeigt uns sein Ticket, dass er in Genua gezogen hat und weiß
zu berichten, dass uns unser Vergehen 50 € und einige Unannehmlichkeiten kostet. Auch die Tankstellenangestellte redet von "big
problem". So sind wir ziemlich fassungslos und fahren erst mal, wenigstens mit vollem Tank, weiter. Wir wissen nicht, was uns erwartet, wenn
wir von der Autobahn abfahren oder einfach weiter fahren. Wir vermuten, dass zu dieser Zeit kein Mensch mehr an der Mautstation sitzt und dass wir so oder
so in eine Sackgasse geraten würden. Jeder Ausbruchsversuch scheint unmöglich oder ist zu riskant. Also wird diese Variante sofort
verworfen. Wir nähern uns einer Ausfahrt, hier ist auch ein Zeltplatz eingezeichnet. Ich fahre nur noch 70km/h damit wir mehr Zeit zum überlegen
haben - die Köpfe rauchen. Eine Vermutung ist noch, dass wir an der Autobahnmautstation eher jemanden antreffen als an so einer Abfahrt mitten in
der Pampa. Die Abfahrt kommt immer näher und näher und ... wir fahren kurz entschlossen ab. Das Terminal ist tatsächlich noch besetzt. Was wir nicht
wussten, ist dass für die Bargeld-Mautbezahler 24h-Dienst geschoben wird. Wir fahren an das Terminal heran, ich erkläre mit Unschuldsblick unser Problem.
Auf dem Display erscheint 54,70€, der eine Mann sagt etwas, ich verstehe 73€ (schluck), wir wollen mit Karte bezahlen und da sagt er "Cash
3,70€ ..." - und nebenbei läuft im Minifernseher ein Fußballspiel. Nachdem er uns einen Durchschlag mit unseren Fahrzeugdaten und der Strafsumme
von 54,70€ ausgehändigt hat, geht die Schranke hoch und er entlässt uns mit dem Hinweis, dass wir den Zettel nicht beachten brauchen.
Glück gehabt? Unfassbares Glück! Jetzt ist es mittlerweile 21:30 Uhr und wir suchen nach dem ausgeschilderten Zeltplatz. Nach ein halben Stunde Irrfahrt geben wir auf (Klasse diese italienischen Ausschilderungen, immer wieder) und fahren wieder auf die
Autobahn. Natürlich ziehen wir jetzt ordnungsgemäß ein Ticket - gelernt ist gelernt. Aber hier bleibt einem auch nichts weiter übrig, die Ampel steht auf
rot, die Schranke ist geschlossen. Lektion gelernt und wilde Flüche über das hiesige Mautsystem, dass solche Fehler zulässt. Wir fahren und fahren und fahren, kommen in Mailand noch in einen Stau (um diese Zeit? aber hier wird nachts gearbeitet!), fahren und verfahren uns
noch und kommen letztendlich nachts halb zwei in der Schweiz an und nehmen uns ein Raststätten-Motel. Schnaps getrunken - umgefallen - fertig.


20. September
Wir schlafen bis halb 11 (ach so ein Bett ist nicht schlecht) und frühstücken zünftig auf einer Bordsteinkante auf dem Rastplatz. Klasse!
Wir packen zusammen und starten zu unseren letzen Kilometern Heimreise. In der Schweiz noch schnell Schokolade gekauft, über den St. Bernadino-Pass gefahren
(huijuijui ist das kalt und kurvig hier, aber sehr schön; kann man mal gemacht haben), wieder durch die Europäische Wetterscheide mit Sturzregen
durch, in Zwickau die Abfahrt zum Mc.D. verpasst und gegen ein Uhr in Dresden eingeritten. Das wars, Urlaub vorbei. Und kalt ist es hier ...

Schlusswort
Sardinien
ist eine landschaftlich schöne, aber wenig abwechslungsreiche Insel - Kurven, Berge, kleine Strände, Klippen. Wetter und Wasser sind im September optimal.
Geht man während seines Urlaubes auf der Insel keinem speziellen Hobby wie angeln, tauchen, surfen, Rad fahren, Hardcore-Enduro-Wandern, beachen bis zum
abwinken oder der Nuraghen-Forschung nach, muss man sich arg überlegen, wie man die Zeit verbringt. Der Marco-Polo-Reiseführer hat stellenweise schwer übertrieben (lebendige
moderne Stadt, romantische Uferpromenade etc.), also ist darauf auch kein Verlass. Einen großen Geldsack sollte man auf der Insel auch bei sich tragen: z.B.
Zeltplatz zwei Leute und ein Auto = 20€ (Nachsaison), 1l Super = max. 1,10 €; unspektakulär essen gehen = 30€
Zur Fahrerei
auf Sardinien: bis auf wenige "autobahngleiche" Staatsstraßen ist das Straßennetz äußerst kurvig aber in sehr gutem Zustand. Griffiger Asphalt, gute Fahrbahnmarkierungen, intakte Leitplanken. Wären nicht so viele eilige Italiener unterwegs (selbst Reisebusfahrer müssen Carlos Sainz imitieren) wäre
das Fahrern zwar anspruchsvoll aber nicht gefährlich. Die Ausschilderung ist anders als in Deutschland, (logisch, ist ja ein anderes Land) aber man
gewöhnt sich daran.
Wetter: laut Reiseführer gibt es im September nur drei Regentage, wir sind aber
scheinbar in einem sehr verregneten Jahr unterwegs - es hat dreimal geregnet. Trotzdem ist es tagsüber sehr heiß - 30 Grad, doch am Abend am Meer sind lange
Hosen und Pullover gefragt, da ständig der Wind pfeift. Die Mützen, die wir vorsichtshalber eingepackt haben, sind zum Glück nicht zum Einsatz gekommen, aber sicher nicht schlecht, wenn man welche dabei hat. Fast immer gibt es Mücken, mal mehr mal weniger lästig und gefräßig.
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