Das kleine Tagebuch über die dreiwöchige Motorradreise nach Griechenland
(01.09.2001 - 21.09.2001)
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Wer
keine Abneigung gegen Ouzo, Tzaziki, schmierige Strassen, unkonventionellen Fahrstil, allgegenwärtigen Müll und mindestens drei Wochen Zeit hat, sollte
nach Griechenland fahren. Das Land ist ein kleines Paradies, speziell für Enduro-Fahrer, fernab der gelben und roten Strassen ist Schotterpiste und off-road angesagt.
Start
01.September (700km)
Punkt 7 stehen wir auf, frühstücken, schnüren Packsack, Schlafsäcke und Koffer auf, fahren bei strömenden Regen zur
Raststätte "Dresdner Tor", treffen dort auf Ina und Martin und fahren pünktlich 9 Uhr in den Urlaub. Wir haben Dauerregen bis an die Österreichische Grenze - es ist
hundekalt und nass! Gleich hinter dem Brenner in Vipitento finden wir einen schönen Zeltplatz. Unser Tagesziel haben wir hier erreicht und beschließen den
Abend mit Pizza und Ramazzotti. Gegen 21.30 Uhr treffen wider Erwarten doch noch Torsten, Jörg und René ein, die erst 12.30 Uhr in Spremberg losgefahren sind. Hut
ab!
02.September (350km)
Wir stehen wieder 7.00 Uhr auf, frühstücken und packen. Zum Glück ist heute besseres Wetter und wir starten 9.00 Uhr nach Venedig. Den Fährhafen
erreichen wir ohne kleinere oder größere Komplikationen überpünktlich 13.00 Uhr. Wir checken 14.00 Uhr ein und erörtern unsere Lage - die Fähre.
Auf dem Kahn ist es windig wie verrückt und tausend Leute fahren mit uns. Die Jungs trinken den Kühlschrank mit Hefeweizen aus lauter Langeweile leer
und gegen 24.00 Uhr versucht jeder eine Mütze Schlaf zu bekommen. Ähnlichkeiten mit einem Flüchtlingslager lassen sich nicht leugnen (es
stinkt, es ist laut ...). Deckpassage ist eben die billigste Reisevariante.






03.September (35km)
Martin ist 7.00 Uhr aufgestanden worden (Druck auf dem Hydranten) und fotografiert den Sonnenaufgang. Jetzt lungern wir alle irgendwie, irgendwo
herum und versuchen die Zeit mit lesen, sitzen, gucken, schreiben, essen oder trinken tot zu schlagen. Langsam drehen alle vor lauter Langeweile
durch und quatschen dummes Zeug, was ja an und für sich auch seine lustigen Seiten hat. Punkt 19.00 Uhr schippern wir im Hafen von Patras ein. Wir
tauschen Geld und schnattern mit zwei Bremern, die ihre 14-tägige Peloponnes-Rundreise mit dem Motorrad hinter sich haben und uns arg beneiden. Im
Halbdunkel suchen und finden wir einen Zeltplatz. Kata Alissos - guter Standard, staubiger Boden.
04.September (95km)
Wir haben schön geschlafen, gefrühstückt und Sachen von einem Fleck zum nächsten rumgeräumt. Der Plan ist, in der Nähe von Olympia,
möglichst an der Küste, einen Zeltplatz zu finden, auf dem wir zwei Tage bleiben können, um ein bisschen "Kultur" anzuschauen. Wir packen
gemütlich alles zusammen und fahren los. Ca. 30km vor Olympia finden wir einen schönen Zeltplatz direkt am Meer und schlagen unsere Zelte im
Schatten einer Palme auf. Es ist richtig gemütlich hier. Nach einem kleinen Dorferkundungslauf an der Strandpromenade, machen wir Sonnenuntergangsfotos.
Leider sind hier auch der Strand und die Straßen völlig verdreckt, scheinbar legen die Griechen keinen Wert auf Umweltschutz. Kurze Information: die Lufttemperatur liegt so zwischen 30-35 Grad, die Wassertemperatur bei 30 Grad und der Fahrstil der Griechen ist spektakulär.
Jetzt sitzen wir im Strandrestaurant, essen unser erstes original-griechisches Essen und schmieden Pläne für die folgenden Tage. Das morgige Ziel soll Olympia sein, dann noch eine Übernachtung hier und dann weiter in Richtung Südost, Sparta oder in einen der vier Finger von
Peloponnes. PS: durch dummen Zufall und spektakuläre off-road-Strecke finden wir einen "Langnese-Strand" - absolut idyllisch und leer. Wir müssen wieder
zurück, da der Weg hierher eine Sachgasse ist.




05.September (120km)
Wir stehen gegen 10.00 Uhr auf und fahren gemütlich bei Bullenhitze nach Olympia. Es ist eine sehr schöne Anlage, nur leider fehlt der
Tourguide zur Erklärung, selbst der Reiseführer gibt nicht viel her. Trotzdem sind wir hier zwei Stunden unterwegs und staunen, was und wie
früher gebaut wurde. Zum Teil waren die Säulen bis zu 10 Meter hoch. Unser Rückfahrt-Plan sieht noch eine kleine Außenrunde vor, doch heraus kommt
folgendes: schöne Gegend, Berg und Tal und Kurven. Auf Grund miserabler Ausschilderung wird die leicht serpentinige Asphaltstraße zur Schotterpiste
mit kindskopfgroßen Steinen. Anfangs macht es den Fahrern noch Spaß, aber dann fällt in einer Serpentine (40 Grad Steigung) die BIG mit Mann
und Maus und Gepäck um und dann ist der Riemen runter. Zum Glück (Wunder oh Wunder) taucht plötzlich eine Asphaltstraße auf und ein Lkw-Fahrer
bestätigt mit Händen und Füßen, dass es hier lang nach Pyrgos geht. Wir kommen gut und unbeschadet von der kleinen Außenrunde auf unserem Zeltplatz
in Kouroutas an. Jetzt sitzen wir in einer Taverne, holen uns den nächsten Knoblauchschub ab und draußen tobt ein Unwetter. Es windet und regnet von
schräg nach links. Die Hauptsache ist, dass das Zelt nicht wegfliegt. Wir versuchen in die nebenan gelegene Taverne zu gelangen, wo die Anderen
sitzen. Wir müssen ja schließlich noch einen Plan für die nächsten Tage machen ... PS: Ob das Zelt nun doch weggeflogen ist, erzähl ich euch morgen.

06.September (150km)
Zuerst wird verraten, ob das Zelt weggeflogen ist: Nein, es stand noch! Morgendlicher Ablauf: frühstücken, Planen trocknen, im Meer baden gehen.
Wir fahren durch Olivenfelder und kurvenreiche Gegend nach Methonis. Die Straßen sind glatt und deswegen liegt Schöle plötzlich in der Kurve. Es
ist nichts weiter passiert, außer einem kleinen Kofferschaden und einer blauen Hüfte bei Ina. Wir finden einen Zeltplatz am Meer, ist nicht sonderlich doll, aber
wir wollen eh open-air schlafen. Kurze Orts- und Burgbesichtigung, kleine Gässchen und ein schönes Kneipchen auf dem Marktplatz mit Tzaziki und gebratenem
Feta (lecker!), ein Liter Wein dazu, Geschichten vom kalten Winter in Polen und Torsten - und der Abend ist rund. Anschließend kehren wir in der
zeltplatzeigenen Kneipe ein und züppeln Ouzo. Na mal schaun, wo das endet ... 23.30 Uhr gravierende Ausfälle aber wir nehmen noch einen (Ouzo)




07.September (200km)
Weil kein genauer Zeitplan vorhanden ist, packen wir unter leichtem Stress. So was nennt man nun Urlaub, aber scheinbar steckt in jedem von uns
ein kleiner Preuße. Mit Jörg fahren wir in die Spitze des ersten Fingers (Koroni), sehr schöne Landschaft und niedliche Küsten- und Hafenstädtchen. Danach weiter über
Serpentinen, Serpentinen ... zum zweiten Finger. Grandiose Berge und komplett andere Landschaft - richtig schön hier. Unterwegs treffen wir in
einer Taverne die andere Gruppe. Wir fahren weiter nach Gythion, um noch bei Tageslicht einen Zeltplatz zu suchen. Eigentlich wollen wir mal
wild campen, aber es findet sich nichts richtiges. Also entscheiden wir uns für den zweiten Zeltplatz rechts. So ungefähr hat die andere
Gruppe wohl auch unsere SMS mit der konkreten Ortsbeschreibung verstanden, denn sie fahren auf dem richtigen Zeltplatz ein, finden uns jedoch nicht und
fahren wieder weiter; währenddessen wir schon unser Süppchen löffeln. Letztendlich finden sie uns doch wieder (wir sind nämlich auf dem dritten
und nicht zweiten Zeltplatz in Gythion) und wir trinken einen Wein und entspannen uns von der kopflastigen Fahrerei. Morgen gehts in Richtung
Navplio (Nauplio). Anmerkung des Fahrers: fürchterlich glatte Straßen - äußerste Konzentration (200km in 7 Stunden)







08.September (190km)
Normales Morgenprogramm: frühstücken, packen, bezahlen. Biologie des Zeltplatzes: Bananenbäume, Dattelbäume, Zitronenbäume.
Fahren, fahren, fahren ... Sparta ist eine hässliche Stadt ohne Ausschilderung der historischen Sehenswürdigkeiten. Wir fahren landeinwärts auf einer langweiligen Strasse Richtung Tripoli, links und rechts der Strasse bergeweise Müll, vorbei an einer kleinen Kirche in
Stadio mit wunderbarer Akustik, nach Navplio (ehemalige Hauptstadt Griechenlands mit Müll, Zigeunercamps und dubiosen Abendetablissements).
Die Suche nach einem Zeltplatz in Toro ist leicht konfus - der Platz wird vom Tourist-Center empfohlen, ist aber überhaupt nicht empfehlenswert. Nur
Hotels mit deutschen und englischen Besuchern; völlig überlaufen und das in der Nachsaison. Ansonsten ist hier die absolute Bilderbuchgegend:
Strände, Buchten, Meer. Zeltplatz Kastraki ist teuer, dafür edel und mal wieder einer der ADAC-geprüften. PS: auf jedem Zeltplatz scheint es mindestens eine hauseigene bettelnde Katze zu geben



09.September (120km)
Nach einer Dusche und Frühstück - auf nach Mykonos. Hier steht die Ruine einer uralten Burg, die der Herr Schliemann ausgegraben hat. Ich
finde sie nicht so eindrucksvoll, nur insofern, dass die Burg schon über 3500 Jahre alt ist. Außerdem ist der Eintritt heute frei - das Personal
streikt, ist aber trotzdem so nett, auf unsere Jacken und Helme aufzupassen. Wir fahren weiter über Navplio nach Epidaurus - gut erhaltene Anlage
mit super Akustik in wunderschöner Gegend. Auf dem Rückweg fahren wir über Navplio und kehren in einem Restaurant zum Frappé (Eiskaffee) ein,
legen unsere Sachen dort ab und schlendern durch kleine Gässchen und Lädchen der schönen Hafenstadt. Leider ist das Fischrestaurant ein
Reinfall: seafood ist lauwarm und schmeckt nicht und dann gibts auch noch eine Diskussion mit dem Kellner wegen der Rechnung, die völlig überteuert
ist und in keinster Weise mit der Karte übereinstimmt. Also demnächst aufpassen und Wechselgeld nachzählen. Jetzt ist das erste Mal der
"große Plan" durcheinander, weil Torsten und Jörg doch nicht mit nach Athen kommen, sonder lieber auf den Olymp kraxeln wollen.
Unser Pärchen-Problem: wir müssen uns mal trennen, damit wir uns nicht auf den Geist gehen. Aber wir werden morgen erst einmal nach Korinth fahren, den
Kanal anschauen, dann weiter nach Athen und dann sehen wir weiter ... PS: in Navplio in der Gaststätte haben wir einen Kampfkater gesehen, sicherlich eine Kreuzung zwischen Wild- und Raubkatze - gaaanz gefährlich!



10.September (230km)
Aufstehen, frühstücken, packen - wie immer. Abfahrt in zwei Gruppen; Torsten und Jörg in Richtung Olymp, der Rest nach Athen. Wir machen einen
Zwischenstopp in Korinth (Anreise über die Autobahn, mittelmäßiger Zustand, dafür Maut), hässliche Stadt, dafür ist der Kanal um so eindrucksvoller. Weiter geht es nach Athen. Im ersten Stau erfolgt eine spontane Planänderung - wir fahren sofort auf die Akropolis. Schöle biegt
wie abgesprochen ab, damit wir ein bisschen "Urlaub" voneinander machen können. In Athen herrscht das alltägliche Verkehrschaos und dabei
geht René verloren. Wir schaffen es irgendwie nach einer Stunde Irrfahrt zur Akropolis. Leider schließt sie schon 18.30 Uhr und wir entscheiden uns
für eine Kurzbesichtigung von außen. Wir wollen morgen noch einmal hierher fahren und uns alles in Ruhe anschauen. Nach ewigen Staus, wahnwitziger
Ausschilderung, totaler Orientierungslosigkeit und 130 Grad Öltemperatur machen wir irgendwo am Straßenrand eine Pause. Ein netter Kioskbesitzer
erklärt uns einen möglichen Weg aus der Stadt, wir finden ihn natürlich nicht, aber nach zwei Stunden "Fahrt" haben wir es geschafft. Wir
sind wieder am Meer, in der Nähe von Marathon. Mittlerweile ist es dunkel und wir suchen einen Zeltplatz. Am ersten in Neo Makri fahren wir euphorisch
vorbei ... "da kommen ja noch sooo viele...". Und dann finden wir auch nach einer weiteren Stunde Fahrt über Land und Felder einen ziemlich
Heruntergekommenen. Aber egal, was bleibt uns weiter übrig. Zufall oh Zufall springt uns Schöle vors Motorrad, es gibt ein großes Hallo, eine
Tütensuppe und eine Flasche Kourtaki (igitt!). Da trennt man sich extra, fährt stundenlang durch die Einöde und dann trifft man sich trotzdem
wieder ... PS: eijeijei so ein Tag! Athen werd ich nur meinen größten Feinden empfehlen. Prost!

11.September
(170km)
Nach open-air-Übernachtung und Frühstück bei schweißtreibender Sonne, einem völlig konfusen Zeltplatzwart, der seiner eigenen Berechnung
überhaupt nicht folgen konnte und uns aus lauter Verzweiflung 500 Drs. wiedergab, fahren wir in Richtung Lamia. Der Weg führt uns am Marathon Lake
vorbei, einer wunderschönen Gegend mit Nadelwald und idyllischen Dörfchen. Leider tut es der Natur immer wieder Abbruch, dass rechts und links der
Straße Müll (Plastiktüten u. -flaschen, verrostete Autoteile) rumliegt. Ein Schrottsammler und -verwerter würde in Griechenland sein Paradies
finden. Über die Autobahn, die uns 550 Drs. kostet, fahren wir nach Lamia, vorbei an einer fruchtbaren Ebene zwischen wunderschöner Hügellandschaft,
vorbei an kleinen Blechhütten, die sich an die Hügel schmiegen und von denen wir hoffen, dass sie den Bauern nur als Unterstand dienen und suchen
an der Ostküste nach einem Plätzchen, an dem wir zwei Tage bleiben wollen. Es ist windig wie verrückt, das Motorrad nimmt eine eigenartige Schräglage
ein und der Helm versucht sich selbstständig zu machen. Irgendwo, 60km vor Lamia, sehen wir ein kleines Hinweisschild an der Autobahn, dann eine kleine
Lücke in den Leitplanken und ca. 2 km später finden wir nach spektakulärer und unkonventioneller Autobahnabfahrt einen Zeltplatz. Wir
sind wahrscheinlich die einzigen Gäste - das ist das Gute an der Nachsaison, man hat seine Ruhe. Einen Freund haben wir auch schon gefunden.
Hier gibt es keine zeltplatzeigenen Katzen, sondern einen drolligen Hund. Vielleicht endlich mal ein paar Tage Ruhe vor den anderen, nicht Motorrad
fahren ... einfach jungeln. PS: Wir sitzen auf einer Bank am Strand, trinken Wein und Bier, essen Chips, zu unseren Füßen liegt unser Freund Tütentheo (Hund) und passt auf uns
auf. Plötzlich schneit eine SMS von MII rein, wir sollen unbedingt Nachrichten hören oder schauen, das WTC in New York ist explodiert. Wilde
Spekulationen unsererseits, wir holen den kleinen Weltempfänger raus und suchen Deutsche Welle. Der Empfang ist ziemlich schlecht und die Nachrichten
beziehen sich auf Details, die wir nicht kennen. Ja, da scheint was passiert zu sein und die ganze Welt ist in Aufruhr. Nur hier auf unserem kleinen Nachsaisonzeltplatz ist alles ruhig. Die Sorgen beschränken sich auf: wo gibt es frisches Brot, Toilettenpapier, warmes Wasser zum Duschen und Strom,
um das Handy zu laden.


12.September
(15km)
Wir schlafen bis ultimo, da uns in der Nacht ein Schwarm Mücken überfiel und vom Schlaf abhielt. Zum Frühstück gibt es frisches
Brot von vorgestern, zwei Eier, frische Tomaten (eigene Ernte der Zeltplatzbesitzerin) und ungefähr 5 Tassen Kaffee. Und so sitzen wir da bis
ca. 15 Uhr und lassen es uns gut gehen. Unser Freund Tütentheo ist auch dabei, er schläft im Schatten des Hinterrades. Wir gehen zum Strand,
strecken alle viere von uns, nachdem wir einen Duschtermin für 17 Uhr vereinbart haben (der Boiler läuft nicht mehr ständig, es ist eben
Nachsaison). Am Strand machen es sich auch drei Einheimische mit einem Pick-up gemütlich, man legt sich zum Mittagsschläfchen nieder. Nach einer
wohltuenden heißen Dusche und einem Süppchen fahren wir in das nächstgelegenen Hafenstädtchen. Die Straßenauffahrt ist wieder sensationell
- ein kleines Hinweisschild und ein Loch in den Leitplanken ist alles. In einer kleinen Bäckerei kaufen wir ein Brot (vielleicht ist das morgen noch
frischer als das heutige) und leckere Kekse. Im hiesigen Supermarkt kaufen wir Bier und Wasser und wir fragen den einzig englisch Sprechenden
nach einer Bank. Komisch, die Verkäuferinnen waren alle noch relativ jung, aber keine konnte ein Wort englisch. Er zeigt uns die Bank, die nur wenige
Meter entfernt ist und wir "diskutieren" kurz die politische Lage. Was mich im Moment beunruhigt, ist ob Beatrix schon in den Staaten ist und
wenn ja, ob sie gut angekommen ist und was mein DWS-Fond macht. Wir finden im Ortszentrum auf dem Markt eine open-air-Kneipe, in der sich genügend Einheimische tummeln. Hier kann es also nicht schlecht sein. Und dann essen wir:
greec salat, patates und souflaki - lecker! Unser Privatzeltplatz hat sich inzwischen gefüllt. Der Dauercamper nebenan ist wieder bevölkert und wir befürchten, dass die kleine Idylle ein Ende
hat. Das Tor zum Strand wurde sogar verschlossen, so dass wir gar nicht gemütlich auf unserer Bank mit Tütentheo zu unseren Füßen sitzen
können. Nun mal kurz zur Namensklärung: gestern ist er wie wild hinter einer Papiertüte hergejagt, obwohl er sonst immer nur schläft und heute
hat er eine rosa Plastetüte erbeutet - also Tütentheo. Der Plan für morgen ist eventuell nach Meteora zu fahren, unterwegs am See
anzuhalten und Freitag in Meteora rumzuwandern ... PS: es wird von Tag zu Tag kühler, aber eben nur abends.






13.September
(215km)
Leicht wehmütig und ganz langsam packen wir unsere Sachen auf dem Zeltplatz Leonidas ein. Wenn wir gewusst hätten, was uns abends für ein
Zeltplatz blüht, hätten wir eine Begründung für unsere leichte Traurigkeit gehabt. Noch nicht einmal Tütentheo hat sich von uns verabschiedet, er musste schlafen und hat gerade mal ein halbes Auge aufbekommen. Wir fahren die gut ausgebaute Straße Richtung
Lamia. Unterwegs sehen wir Felder, Felder, Felder: Paprikafelder, Tomatenfelder, Maisfelder, Melonenfelder. Kurz nach Lamia schrauben wir uns fünf Serpentinen hoch und
dann wieder runter. Und unten ist eine Ebene - kilometerweit einzublicken, am Horizont im Dunst gesäumt von scheinbar riesigen Bergen. Hier gibt es
Unmengen von Baumwollfeldern. Meiner Meinung nach waren die Baumwollpflanzen, an denen sich Scarlett O´Hara die zarten Finger zerstach,
mannshoch. Hier sind sie kaum größer als Erbeerpflanzen. Über eine fast schnurgerade Strasse durchqueren wir die Ebene in Richtung Kalambaka/ Meteora. Von weitem sehen wir die Berge, auf denen sich die viel beschriebenen Klöster befinden. Eine kleine Rundfahrt durch Kastraki
incl. Zeltplatzsuche beenden mehr oder weniger den Tag. Tja und hier auf dem Zeltplatz Vrachos zeigt es sich, dass wir uns in einer Touristenhochburg
befinden. Trotz Nachsaison ist dies deutlich erkennbar. Der Platz ist nicht überfüllt, aber gut besetzt. Die sanitären Einrichtungen sind grandios:
sauber, gefliest, warmes Wasser, Toilettenbrillen und sogar Toilettenpapier. Dafür sind hier einige Leute mehr als auf unserem kleinen Zeltplatz heute
morgen. Und unter uns rauscht der Verkehr einer Hauptstrasse. Gute Nacht! Nachtrag von Martin: das Gefühl des "Jungelns" ist jäh beendet.
Ich hab mich heute Nachmittag in einer Kneipe, beim Bier, gefreut mal nicht als Tourist behandelt zu werden. Hier ist alles wieder beim alten. Kneipe an
Kneipe, viele Leute und völlig überzogene Preise. Ich denke aber, die Landschaft ist es wert. Aber das werden wir morgen sehen.


14.September
Hühnergackern weckt uns und das Kreuz ist lahm - Weihnachten steht sicherlich eine Thermarest auf dem Wunschzettel. Wir frühstücken mal
wieder stundenlang und gegen 13.30 Uhr raffen wir uns zu einer Wandertour zu den Klöstern auf. Es ist wirklich sehenswert - die Landschaft, die
Klöster. Wir laufen auf einem vermeintlichen Wanderweg entlang, klettern über ein paar Steinsbrocken, schwitzen, schauen uns von ferne die Klöster
an, sind begeistert, machen Fotos, wandern und klettern weiter und freuen uns. Die typischen Ausschilderungsprobleme der Griechen trüben die Freude
und wir schwenken, obwohl nicht so geplant, auf die Asphaltstrasse. Auf dem Zeltplatz warten schon die anderen. Großes Hallo, Geschichten erzählen ...
Olymp ... Delphi ... alles best. Jetzt sitzen wir um unsere Motorräder, alles plappert durcheinander und alle sind irgendwie betrunken. Das liegt
wahrscheinlich an der Wiedersehensfreude.


15.September (120km)
Kurven, Kurven, Kurven und Ohren abgeschliffen. Richtung Ioaninna kam der Arzt, trotz Pausen. MII: "... verschiedene Kurventechniken ausprobiert,
Stein der Weisen aber noch nicht gefunden". Ina: "Und ich wundere mich, was du die ganze Zeit rumhampelst". Die Stadt hat im Moment
überhaupt nicht zu bieten - trotz Marco-Polo-Hinweis. Dafür bauen wir die Zelte im Regen und bei Wind auf. Nun sitzen wir, MII und Ina, Martin und
Kati, unter einem Vordach, kochen zum zweiten Mal, spielen Doppelkopf, hören mit dem kleinen Weltempfänger Cardigans und trinken uns systematisch
mit drei anderthalb Liter-Flaschen Wein den Kopf zu (irgendwie muss man ja das Kurvengefühl loswerden). PS: Ich kann Kurven, Berge und Serpentinen nicht leiden! Heute zumindest
nicht! Nachtrag von Martin: Kurven machen schon Spaß, wenn nicht immer die Angst vor abgeschliffenen Koffern im Nacken sitzen würde. Die Strassen hier sind
keineswegs vertrauenserweckend.


16.September (120km)
Fahrt von Ioaninna nach Prezovo, schöne Strasse und wieder völlig andere Gegend, alles grün und kleine Bäche (heißen alle "Narrow").
Nach einem Tankstopp vergesse ich die coole Armani-Brille auf dem Rucksack - noch mal Glück gehabt - ein Auto ist ca. 20cm daran vorbei gefahren... Nach
der gestrigen Trunkenheit hat Martin noch nicht alle Sinne beisammen, fährt fast zwei Autos über den Haufen. Dafür gabs dann auch Mecker von
Schöle. Wir machen eine kurze Rast in einer Taverne (Kaffee, Oliven ... das ganze Programm) und dann weiter in Richtung Prezovo. Das ist wieder keine schöne Stadt, Ioaninna war auch eine Enttäuschung, trotz Marco-Polo-Empfehlung. Wir finden einen kleinen Zeltplatz am Meer, der
Strand ist nicht so schön, dafür gibts hier einen klasse Pool mit Sprungbrett. Jetzt sitzen wir in der hiesigen Kneipe und warten aufs Essen.
Mahlzeit. Die Anlage ist niedlich, überall kleine weiße Statuen und überall rote Blumenranken. Im Sommer ist hier garantiert die Hölle los. Da haben wir mal
wieder Glück gehabt - hihi. Nachtrag: Wir platzen fast weg. Das Essen war gut und viel. Tzaziki, griechischer Salat, Pizza und Spagetti Bolognese. Üppig sag ich da nur!

17.September (85km)
Nach einem kleinen Strandspaziergang (Sandstrand mit Tang und toter Schildkröte) fahren wir ca. 40km weiter nach Parga, mit dem Ziel ein Wildcampingplätzchen zu finden. Landschaftlich ist wieder alles anders: Täler mit Weiden, Kühen und Schafen, schroffe Berge (aber diesmal ohne
Serpentinen) und Steilküste mit vielen kleinen Buchten. Parga ist ein kleines Hafen- und Touristenstädtchen, aber scheint gemütlich. Wir kaufen
Grundnahrungsmittel ein und halten Ausschau nach einem geeigneten Plätzchen. Der erste Versuch scheitert an einer Schotterstraße, die jäh
auf dem Hügel endet und wir mit Mann + Maus + Trumm wahrscheinlich mehr Schaden als Erfolg gehabt hätten. Wir fahren noch ein Stückchen weiter und
finden unerwartet eine asphaltierte Straße, die in eine wunderschöne kleine Bucht führt. Hier gibt es einen kleinen Bootsverleih, einen
Imbisswagen und ein deutsches Ehepaar mit Wohnwagen. Es ist alles kein Problem, wir bekommen ein schönes Plätzchen unter großen alten
Olivenbäumen mit Blick aufs Meer. Das ältere Paar verbringt hier die meiste Zeit des Jahres: "... eigentlich wollten wir noch was von der
Welt sehen, aber scheinbar hört die hier auf. Wir landen jedes Mal hier. Und Zeltplätze sind eh doof...". Abendsüppchen, Brot und Tzaziki,
Doppelkopf spielen bis das Licht ausgeht, am Strand sitzen bis alle müde sind und ausgetrunken haben - so kann man sich das Leben gefallen lassen.
PS: die Nacht war nicht ganz so idyllisch wie die Bucht hier - Mückenalarm, ein paar große Regentropfen und Extrem-Grillen-Zirpen!
18.September (65km)
In der Nacht gab es einen kleinen Regen, die Armeeplane tut ihre Dienst. Martin wird im Gesicht komplett von Mücken zerstochen, jetzt sieht er aus
wie der Glöckner von Notre Dame. Wir haben unsere Mückenstiche verpflegt, gut gefrühstückt (in unserem Bettlager mit Blick aufs Meer) und dann
werden wir sehen, ob wir irgendwann mal nach Igoumenitsa aufbrechen. Spätestens abends sollten wir da sein, da morgen !!! 10 Uhr die Fähre
geht. Schade, Schade - nun neigt sich der Urlaub ganz deutlich dem Ende zu :o( Nach einem letzten Frappé an unserem schönen Strändchen fahren wir
endgültig und schweren Herzens los (39km) und finden auch gleich den ausgemachten Zeltplatz Kalami Beach (12km vor Igoumenitsa). Die anderen Drei
sind auch schon da. Wir gehen endlich einmal wieder duschen und griechisch Essen. Jetzt haben wir die Plane aufgespannt, falls es
regnet, haben alles soweit für morgen gepackt und trinken nun genüsslich Wein und Bier. Morgen stehen wir 7 Uhr auf, packen, Brot kaufen und los. Das Schiff legt 10
Uhr ab und bis 9 Uhr muss eingecheckt werden. Na denn - hoffentlich bleibt das Wetter stabil. Erstens wegen heute Abend und zweitens wegen morgen
Deckpassage ...
19.September (12km)
Nach einer regen- und mückenfreien Nacht stehen wir 7 Uhr auf, packen den Rest zusammen und starten kurz nach acht zu unserer letzten Fahrt auf
griechischem Boden. Wir fahren zum Hafen, checken ein, kaufen einen Kaffee, essen auf der Bordsteinkante ein Croissant und legen punkt 10 Uhr zu
unserer Heimreise ab. Die Fähre ist merklich leerer als auf der Hinfahrt. Wir brauchen nicht so sehr nach einem gemütlichen Platz an Deck
kämpfen; dafür aber gleich wieder mit besitzorientierten und zänkischen Deutschen: "... der Aschenbecher kommt aber wieder zurück!!!" Vielen Dank
lieber Reisender, den hab ich mir doch nur kurz ausgeborgt. Ich will nicht nach Hause, da gibts noch mehr solcher Typen - Hilfe!
Jetzt ist wieder Selbstbeschäftigung und extremes Relaxen auf dem Sonnendeck angesagt. Dort verbringen wir fast den ganzen Tag, schauen
wehmütig nach Süden und sorgenvoll nach Norden. Dort soll sich die fürchterliche Wetterfront verstecken, aber wir durchbrechen sie mit der
Fähre noch nicht. Das Wetter bleibt stabil, starker Seitenwind an Deck und Sonne ohne Ende. Alle sind etwas niedergeschlagen - manche geben es nicht
zu, andere wissen es nicht einzuordnen. Am Abend geben wir unsere letzen Drachmen an der Bar aus und gehen 23.30 Uhr schlafen.
Morgen müssen wir früh aufstehen, das Schiff soll voraussichtlich zwischen sieben und acht in Venedig anlegen. Gute Nacht.


20.September (650km)
Wir haben deutlich ruhiger als auf der Hinreise geschlafen - vielleicht Gewöhnungseffekt oder weil weniger Leute da waren. Wir werden im
Morgengrauen wach, es ist kalt und windig, doch ein wunderschöner Sonnenaufgang vertreibt erst einmal allen Missmut. Die Fähre legt zehn nach
acht mitteleuropäischer Zeit! in Venedig an, nicht griechische Zeit. Deshalb haben wir genügend Zeit zu frühstücken, Schlafsäcke zu packen
und die Einfahrt in Venedig (diesmal durch die Altstadt) zu genießen. Das Ausschiffen geht ziemlich schnell, wir sammeln uns auf einem Parkplatz,
räumen die Sachen um und schauen "stundenlang" auf die Karte. Wir wollen einen Plan machen, wer wie und wohin fährt. Nur einer weiß es
genau: René - er fährt zu einem Freund nach München. Wir entscheiden uns erst mal gemeinsam bis nach Villach zu fahren, dort noch einen Kaffee zu
trinken und uns dann zu trennen. Torsten und Jörg wollen nämlich gern Landstraße in Österreich fahren. Wir nicht! Wir sind von unserer
letztjährigen Durchfahrt (12 Stunden für 400km) geheilt. Wir fahren bei Sonnenschein auf einer schönen und gut ausgebauten Autobahn mit vielen
vielen Tunneln, in denen Enduros gern Krach machen, und vielen kleinen Pausen nach Villach. An einer Raststätte kurz vor Villach trennen wir uns;
Torsten und Jörg über Landstraße, wir in Richtung Tschechei auf der Autobahn. Wir wollen soweit wie möglich, aber ohne Stress kommen.
Schließlich ist ja noch Urlaub. Wir sind euphorisch genug zu glauben, es bis dahin zu schaffen. Die Landschaft ist schön, viel schöner als um den
Brennerpass, wir fahren gemütliches Tempo, doch bei Linz stellen wir fest, dass unser Schnitt doch nicht so gut ist wie angenommen. Wir entscheiden
uns, mit der Erfahrung des letzten Jahres, bis kurz hinter Linz zu fahren, um dort nach einem Campingplatz Ausschau zu halten. Wider Erwarten läuft
es auf der Landstraße hinter Linz sehr gut und spontan fahren wir durch. Nach Info der tschechischen Grenzer steht in Kaplice (10km hinter der
Grenze) ein Geldautomat und den fahren wir auch an. Lustigerweise ist das genau dasselbe Dörfchen, in dem wir letztes Jahr auch übernachtet haben.
Die Pension finden wir natürlich nicht wieder, dafür aber Torsten und Jörg und eine andere schöne Pension. Dort duschen wir, essen lecker
Abendbrot und gehen völlig zerschlagen schlafen. Ein richtiges Bett und eine Toilette mit Brille sind nach der dreiwöchigen
Schlafsack-outdoor-Romantik ganz und gar nicht zu verachten. Morgen können wir auch nicht ausschlafen, da Frühstück um 9 und Schlüsselabgabe 10 Uhr
ist.
21.September (350km)
Nach einer erholsamen Nacht, einem guten Frühstück und endgültiger Verabschiedung von Jörg und Torsten, die noch in der Tschechei
rumjagen wollen, fahren wir gegen 9.30 Uhr ab und bummeln, was das Zeug hält. Hinter Prag kehren wir in einer Gaststätte ein, essen und
kichern, kommen dann doch in den Regen (Scheiße!) und rollen 18 Uhr in Dresden ein. Wieder zu Hause, doch freuen kann ich mich nicht so richtig. Alles ist
irgendwie fremd, selbst meine Wohnung, es gibt so viele hektische Menschen hier, die alle mürrisch aussehen und kalt ist es außerdem.

Allgemeines:
Wir fanden eine sehr abwechslungsreiche Landschaft, die in manchen Gegenden
leider auch allen anderen Touristen gefällt. Wer in Griechenland auf Kulturjagd ist, sollte sich viel Zeit nehmen und sorgfältig auswählen. Manche Stätten werden angepriesen, sind aber nur für den historisch Interessierten wirklich eindrucksvoll.
Peloponnes hat eine vielfältige Landschaft zu bieten, die an der Ostküste zum Teil stark touristisch überlaufen ist. Für die Insel sollte man
stets Trinkwasser dabei haben, da das Wasser auf den Zeltplätzen meist nach Chlor schmeckt. Bargeld ist sehr wertvoll, wenn man sich nicht gerade von einer
Großstadt zur nächsten bewegt. Selbst renommierte Tankstellen wie BP wollen teilweise keine Karten sehen, sondern nur cash. Die Lebenshaltungskosten sind geringer als in Deutschland: Benzin ca. 1,40 DM/ Liter, vergleichbare Lebensmittel 20-30 % billiger, Zeltplätze ca. 20
DM für zwei Personen, ein Zelt und ein Motorrad. Das Klima ist für uns Mitteleuropäer wahrscheinlich nur in der Vor- und Nachsaison empfehlenswert, denn selbst im September sind 35 °C keine Seltenheit. Und dem Gerücht, dass im September alles verbrannt und nichts
mehr grün ist, muss ich widersprechen.
Wer nun immer noch keine Abneigung gegen Ouzo, Tzaziki, schmierige Strassen, unkonventionellen
Fahrstil, allgegenwärtigen Müll und wirklich mindestens drei Wochen Zeit hat, sollte auf alle Fälle nach Griechenland fahren.
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