Drei
Wochen mit dem Motorrad durch Süd-Ost-Europa
15.07.2006 – 03.08.2006
[Reisebericht als pdf,
102 KB]
Freitag
Nachmittag packen wir in rekordverdächtiger Zeit (1,5h) und mit
Hilfe unserer ausgeklügelten Packliste unsere komplette
Ausrüstung zusammen.
Jan lacht sich abends halb kaputt, weil Martin nicht weiß ob wir
einen Rasierer mit haben. Dafür weiß ich nichts über die Küche.
Teamwork und Arbeitsteilung nennt man das und ein bisschen stolz
sind wir auch drauf.
Samstag
15.07. - 300 km – Breslau (PL)
Wir starten 13 Uhr. Ziel ist Breslau. Wir nehmen die Autobahn
und kommen gut voran. In Polen sind dann viele Autos mit
deutschen Kennzeichen unterwegs und die fahren wie blöd. Dann
passiert eine komische Sache. Ich muss auf Reserve schalten,
aber leider sind die anvisierten 100km schon nach 30km zu Ende.
Mitten auf der Autobahn ohne Standstreifen bleibe ich liegen.
Martin bleibt stehen und ich habe noch soviel Schwung, dass ich
bis zu ihm rolle. Wenden wäre an dieser Stelle lebensgefährlich
gewesen. Nun schnell mit der Kocherflasche etwas Benzin
umgefüllt und nach kleineren Startschwierigkeiten geht es weiter
bis zur nächsten Tankstelle in 5km! Mein Tank scheint aber ein
Loch zu haben. Statt der erwarteten 22 Liter passen nur 17 rein.
Komische Sache, die wir beobachten müssen.
50km vor Breslau kommen wir in einen Stau und fahren eine Stunde
Schritttempo. Aber auch das geht vorbei und wir finden zügig den
ausgewählten Zeltplatz in der Stadt an der Oder. Nettes
Plätzchen hier, kaum Einheimische, dafür viele Holländer mit
Wohnwagen.
Abends wollen wir in einer Schänke nebenan den Urlaub mit einem
Schnitzel einleiten, aber leider ist das Restaurant wegen einer
großen Feier geschlossen. So machen wir uns auf den Weg in die
Innenstadt, aber wir finden und finden kein Kneipchen. Da es
mittlerweile 21.30 Uhr ist und ich mit meinen Motorradstiefeln
doch nicht so weit laufen kann, drehen wir wieder um und essen
auf dem Zeltplatz noch ein Schnittchen.
Das war der erste Tag und es sieht alles ganz gewaltig nach
Urlaub aus...

Sonntag
16.07. Breslau
Wir haben wunderbar geschlafen, nebenan singen holländische
Kinder und auf der Oder werden Segelstunden gegeben. Wir laufen
zum Einkaufsladen (1km) und dann frühstücken wir ordentlich.
Jetzt ist Urlaub!
Mittags machen wir uns auf den Weg in die Stadt. Wir erkennen,
dass wir bei unserer vorabendlichen Nahrungsmittelsuche schon
fast im Zentrum Breslaus waren. Nur 5 Minuten weiter und wir
hätten eine Schnitzelschänke nach der anderen gefunden. Na ja
Pech gehabt.
Zu den Breslauer Eindrücken: Hier lernt man mal ein ganz anderes
Polen kennen. Der Altstadtkern ist schon hübsch restauriert und
ringsum wird wie verrückt gebaut. Dass die Stadt 1945 völlig in
Trümmern lag, kann man kaum glauben. Wir denken, dass hier in
5-10 Jahren eine richtig schicke Metropole entstanden sein wird.
Da die Oder sich in der Stadt stark verzweigt, läuft man ständig
über Brücken. Vom Baustil erinnert das ganze stark an Prag.
Vielleicht war es der gleiche Bau-Ing. :o)
Nachdem wir unseren Rundgang durch die Stadt absolviert haben,
laufen wir erstmal eine Kneipe an. Bei etwas zu Essen und
chilliger Musik beobachten wir die Breslauer und die Touristen,
bevor es zurück zum Zeltplatz geht.
Zum Abend gibt es noch ein Feuerwerk und dann gehts ins Bett.






Montag
17.07. – 300km – Breslau - Krakau
Nächstes Ziel ist Krakau. Wir fahren fast komplett Autobahn. Bis
auf etwas anstrengende polnische Verkehrsteilnehmer (die fahren
verdammt dicht auf), verläuft die Überfahrt problemlos.
Wir fahren im Norden von Krakau von der Autobahn ab und suchen
uns einen Zeltplatz. Immer der Ausschilderung folgend, werden
wir durch die ganze Stadt geleitet und kommen schließlich im
Süden wieder aus Krakau raus. Zum Glück gibt es den Zeltplatz
wirklich und er ist auch ziemlich gut organisiert. Die Bar ist
in Sichtweite ;-).
Wir gehen noch ins Dorf was essen und morgen fahren wir mit dem
Bus in die Stadt.
Dienstag
18.07. Krakau
Wir laufen gegen Mittag los, um uns Krakau anzusehen. Vorher
wollen wir noch bei einer Kugellagerbude vorbei, um ein
frühzeitig gealtertes Lager an Martins BIG zu kaufen. An der
Stelle, wo sich die Lagebude befinden soll (laut Auskunft vom
Zeltplatzwart) ist aber bloß ein Baumarkt. Nach einigem Hin- und
Her fragen wir uns zu einer Kfz-Werkstatt durch, die uns helfen
kann. Der sehr nette Besitzer hat das Teil zwar nicht da, weiß
aber wo es das gibt und will das Lager bis zum nächsten Tag
beschaffen. Wirklich sehr hilfsbereit und nett die Menschen
hier!
Nach dieser Aktion wollen wir dann aber wirklich nach Krakau.
Der Bus, der angeblich fahren soll, lässt auf sich warten. Zum
Laufen ist es zu weit, also nehmen wir uns kurz entschlossen ein
Taxi.
Krakau ist eine Stadt von nicht vermuteter Größe ... eine
Großstadt eben. Der historische Kern ist sehr sehenswert, was
allerdings auch Heerscharen von anderen Touristen so sehen. Da
wir keine Lust auf solchen Rummel haben, machen wir noch eine
kleine Pause auf dem Burgberg (Wavel – ein gigantisches Teil)
und fahren mit einem Kleinbus wieder auf den Zeltplatz. (und
weil das so gut geklappt hat, will Martin am liebsten morgen
gleich noch mal mit dem Bus fahren ...)
Im Vergleich zu Breslau ist Krakau deutlich touristischer,
hektischer und größer. Martin hat Breslau besser gefallen. Ich
denke, beide Städte haben ihren Reiz und einen Besuch sind sie
allemal wert.




Mittwoch
19.07. Krakau – Litkorske Mare (Slowakei) 250km
Nach dem Frühstück und einem interessanten Gespräch mit dem
französischen Camper von nebenan (es gibt wirklich Franzosen,
die englisch sprechen können und wollen ...) fahren wir los in
Richtung Slowakei. Vorher noch schnell in die Kfz-Bude, das
Lager ist da, Polen fetzt! (aber vielleicht auch bloß Glück
gehabt…).
Nachdem wir die Haupttransitroute hinter Rabka verlassen haben,
macht das fahren richtig Spaß. Wir tuckern auf kleinen Straße
die Berge der hohen Tatra hoch, queren bei Lysa Polana die
Grenze und weiter gehts auf slowakischer Seite auf kleinen
weißen bis gelben Straßen um das Gebirge herum.
Die Landschaft ist sehr beeindruckend. Einen Tag vorher sind wir
noch durch ebenste Ebenen gefahren und nun liegen die bis zu
2500m hohen Berge vor uns, die zum Teil noch mit Schnee bedeckt
sind. Auf der slowakischen Seite wurde allerdings starker
Kahlschlag an der Bewaldung verübt. Vielleicht Windbruch,
vielleicht Waldbrand oder auch Holzindustrie. Dazu kommen noch
hässliche Hotelburgen – alles in allem stellenweise
abschreckend. (Zu Hause hören wir, dass dort vor zwei Jahren ein
Tornado oder so etwas durchgefegt ist und eine Schneise
geschlagen hat, also lag dieser öder Landstrich nicht in der
unfähigen slowakischen Förstereibehörde begründet).
Unser Ziel für heute soll ein Zeltplatz am Litkorske Mare sein.
Das Ding ist aber die totale Katastrophe – Zeltplatzindustrie
mit Ballermanntouch. Bloß schnell weg. Wegen Mangel an
Alternativen suchen wir uns ein Wildcamp an einer ziemlich
frequentierten Badestelle. Nachdem gegen 21 Uhr die letzten
Krachschläger weg sind, haben wir auch unsere Ruhe und genießen
die doch recht schöne Landschaft.
Die heutige Etappe war ganz hervorragend fürs Motorrad fahren.
Deutliche Höhenunterschiede, viele aber nicht zu enge Kurven und
Serpentinen. Man konnte relaxed durch die Gegend schwingen. Dazu
noch wenig Verkehr und schöne Landschaft. Was will man mehr!









Donnerstag
20.07. Slowakei – kurz vor Budapest (HUN), 240 km
Um 9 Uhr beenden die ersten Badegäste unsere Nachtruhe. Die
rücken mit ihrem ganzen Hausrat an: Tisch, Stuhl, Gummiboot mit
Außenborder, Quad, Fernglas, Hund. Wir lassen uns von dem Zauber
nicht stören, frühstücken in Ruhe, packen und fahren los.



Wir fahren auf
der E66 nach Banska Bystrica und weiter nach Zvolen durch die
niedere Tatra. Hier ist die Landschaft immer noch sehr schön und
das Fahren auf den kurvenreichen, stellenweise aber etwas
ausbesserungsbedürftigen Straßen macht Spaß. Zum Motorrad fahren
kann man die Slowakei sehr empfehlen.
Wir entschließen uns nach Ungarn über Sachy einzureisen und uns
dann einen Zeltplatz an der Donau zu suchen. Die Einreise läuft
problemlos, die Geschichte mit dem Zeltplatz dafür nicht. Aus
irgendeinem Grund sind in allen besehenen Straßenkarten
(Shell-Atlas, regionale Karten usw.) gar keine Zeltplätze
eingezeichnet. Da wir nicht wieder wild campen wollen, bleibt
nur die Suche auf gut Glück. Wir nähern uns immer mehr Budapest
und die Chance, was zu finden wird immer geringer. 20km vor
Budapest entschließen wir uns (es ist schon 19 Uhr) direkt in
die Stadt zu fahren und ein Hotel zu nehmen. Alles ausgeguckt
und besprochen und weiter gehts. 2km gefahren, ein
Hinweisschild, Zeltplatz! Da der Hintern mittlerweile schon
glüht, nehmen wir den Hinweis dankend an. So kommt es manchmal.
Nach einem ausgiebigen ungarischen Abendbrot sitzen wir nun in
der Kneipe und ruhen uns aus. Prost!
Klitzekleiner Nachtrag von Kati zu den Menschen: die Polen waren
nett, offen und freundlich, die Slowaken sahen sehr griesgrämig
aus, nach dem Motto: was willst du denn hier und bei den Ungarn
versteht man kein einziges Wort. Nicht mal ansatzweise. Aber das
ist nur der erste Eindruck.
Sonntag
23.07. Budapest
Das Abendbrot in der Vor-Budapest-Kneipe war sehr lecker, auf
einem großen Grill wurde alles zubereitet und man konnte
zuschauen. Leider gab es eine starke Mückenattacke, so dass wir
den restlichen Abend in der Kneipe verbrachten. Nach zwei
Gläsern Wein war es für mich dann auch Zeit ins Bett zu gehen.
Am Morgen gab es Eier mit Schinken, einen sehr guten Kaffee und
das alles für kleines Geld. Da war das gestrigen Erlebnis, dass
es kein warmes Duschwasser gab, vergessen und vergeben. Also
frisch gestärkt – auf in die Hauptstadt.
Nach ca. einer Stunde erreichen wir unser Zielhotel in einer
verkehrsberuhigten Szene-Straße. In der Stadt ist es unglaublich
heiß, die Öltemperatur der BIG zwingt uns zu einem kleinen
Stopp. Völlig verschwitzt und aussehend wie zwei Landstreicher
checken wir im Ibis-Hotel ein, nachdem unsere Motorräder vor der
Tür des Hauses ihre Marken sprich Ölflecken auf den
Marmorplatten hinterlassen haben. Hach so schön sauber und kühl
ist es im Zimmer. Nach einer Stunde ausruhen, zwei Stunden lesen
und duschen, begeben wir uns dann in die Stadt. Mittlerweile ist
es nach 20 Uhr und unsere Szenestraße und ihre Kneipen sind
überbevölkert und werden zum Abendbrot von uns abgewählt.
Stattdessen machen wir noch einen kleinen Rundgang mit Blick auf
die Donau und ein nettes Essen in einer nicht ganz so
touristischen Kneipe (obwohl das in diesem Stadtteil fast
ausgeschlossen ist). Die Gulaschsuppe ist scharf und gut und der
Palinka ist eine Erfahrung, aber nicht unbedingt das Beste auf
der Welt (unsere bescheidene Meinung).



Nach einem langen und erholsamen Schlaf suchen wir uns eine
Kneipe zum Frühstücken. Wir Geizkragen wollen im Hotel keine
acht Euro für Brötchen mit Marmelade ausgeben. Da es aber schon
11.30 Uhr ist, steht zwar an fast jeder Kneipe „Breakfast“ dran,
aber es gibt keins mehr.
(Ach ich vergaß noch etwas von gestern Abend. Wir haben dann
nach dem Abendessen doch noch einen Stopp in unserer Straße
gemacht und einen ziemlich teuren Cocktail und ein Bier
getrunken. Was jedoch am Interessantesten war, so voll alle
Restaurants auch waren, gegen 23 Uhr wurden Schlag auf Schlag
alle geschlossen. Die Gäste standen kaum, da wurde das
Sitzkissen weggeräumt. Sowas. Und das zum Samstag.)
So wo war ich stehen geblieben? Ach beim Frühstück. Ja Essen ist
eine wichtige Grundlage für zufriedenes Reisen! Naja es fand
sich dann doch etwas zum Frühstücken und frisch gestärkt konnte
die Stadtbesichtigung starten. Erster Anlaufpunkt: die große
Markthalle. Ich hatte Martin bereits berichtet, dass ich vor 10
Jahren hier einem Knoblauch-Schock von einem Langocz erlag und
das wollte er auch ausprobieren. Auf Grund der Hitze und der
schweren Gerüche im ersten Stock der Markthalle entschied sich
Martin dagegen und gab zu, dass er wahrscheinlich auch einen
Schock welcher Art auch immer bekommen hätte.
So ging es ohne Langocz dafür mit Postkarten weiter zum
Gellertberg, drüber hinweg, mit einer Pause oben, eine
schweißtreibende Angelegenheit, dafür drei laut schnatternde
Spanierinnen voraus, was ich als sehr lustig empfand. Von dort
weiter zum Schloss, kleine Gässchen und Fischerbastei und dann
war der Bedarf an Kultur gedeckt. Heute will Martin eine
Fischsuppe essen, aber in dieselbe Kneipe wollen wir nicht noch
mal. Etwas Abwechslung schadet nicht und außerdem taten die
Holzbänke auf Dauer unseren Sitzhöckern nicht gut.
Fischsuppe gab es dann keine, dafür eine nette Kneipe mit sehr
gutem Essen, einem sehr gut deutsch sprechendem Kellner
(wahrscheinlich einer der 10% „Donauschwaben“), einem Zwack
Unicum (hmm eben ein Kräuter, auch so eine Erfahrung …), einem
Stromausfall in der ganzen Straße und den drei anliegenden
Gaststätten und einem daraus folgendem kurzen, aber netten
Gespräch mit dem deutschen Kellner. So war das.
Kurz vorher haben wir uns gefragt wie uns denn nun Budapest
gefallen hat und bemerkten zum Schluss, dass uns alte große
Gebäude nicht mehr vom Sockel hauen (liegt wahrscheinlich an
unserem Wohnort Dresden) und dass man einen Ort mit Situationen
in Verbindung bringt und er deshalb als schön oder schlecht in
Erinnerung bleibt. Tja und so wird es mit Budapest und dem
Stromausfall auch sein – eine sympathische Stadt.



Heute nun am
Sonntag nehmen wir doch das Hotelfrühstück in Anspruch,
was bei
weitem nicht nur aus Brötchen und Marmelade besteht. Da hat doch
der Übersetzer geschlampt. Sowas. Dann alles gepackt und laut
knatternd aus der Tiefgarage raus und ab in Richtung Süden nach Pecs. Zwei Zeltplätze stehen zur Auswahl: einer an einer
Thermalquelle und einer an einer Tropfsteinhöhle.
Doch zuerst fahren wir auf einer superneuen Autobahn, die nicht
mal auf der aktuellen ADAC-Karte eingezeichnet ist. Dafür immer
schön geradeaus und kaum Verkehr. Fast ein bisschen langweilig.
Und als ob das jemand gehört hätte, zieht es sich etwas zu, wird
immer dunkler und es blitzt. Schön zu beobachten, dieser
Wetterumschwung, da wir ja in einer sehr ebenen Ebene fahren.
Und um nicht einziges Angriffsziel der Blitze zu werden, biegen
wir bei einer Tankstelle ab und warten zwei Stunden bis der
Sturzregen mit Hagel! vorbei ist und man auch die Berge in der
näheren Umgebung wieder erahnen konnte.
Nach einigen Kurven und leichtem Regen treffen wir noch auf
einen dritten Zeltplatz mit Panoramablick in Orfü und bleiben
hier. Es ist diesig und feucht, aber der Platz ist ok. Mal
sehen, ob wir noch ins Dörfchen und zum Panorama gehen, Martin
hat nämlich gerade einen Leseflash.

Montag
24.07. Pecs – Plitwice (KR) 350km
Die Nacht und das Essen der relativ dubiosen Zeltplatzkneipe
haben wir gut überstanden und es scheint wieder die Sonne. Heute
wollen wir in Kroatien einfallen. Wir visieren als Ziel den
Zeltplatz an den Plitzwitzer Seen an, auf dem wir 2000 schon mal
waren. Der Weg dahin ist aber weit.
Wir fahren auf einer Landstraße 1. Ordnung, die aber
stellenweise bloß drei Meter breit ist, müssen ständig LKWs
überholen, werden überholt, es ist warm und es gibt viele viele
Kurven.
Die Gegend ist leicht hügelig, aber eigentlich gar nicht
abwechslungsreich. Die Kurvenfahrerei macht Martin trotzdem viel
Spaß und am Ende des Tages sind wir gegen 20 Uhr auf dem
angepeilten Zeltplatz angekommen.
Zusatz Kati: für mich war dies der physisch und psychisch
anstrengendste Fahrtag je. Ich wollte nur noch ankommen und
stellte zwischendurch mit Entsetzen fest, dass ich fahre ohne zu
denken. Keine Überlegung mehr wie schnell, bremsen oder nicht,
wie schräg in die Kurve, alles automatisch. Für Martin war es
der schönste Fahrtag, weil ich so schön hinterher gefahren bin
(wie eine Große...). Ich war teilweise erschrocken darüber, dass
das so funktioniert. Nun vielleicht bleibt etwas von diesem
Automatismus und nicht von dem Schreck des entgegenkommenden
Autos übrig.
Jetzt im Moment da ich diesen Text aus unserem Tagebuch
abschreibe, kommt mir das alles gar nicht mehr so dramatisch vor
und der „Schock“ hat sich relativiert. Und ich frage mich, warum
der Tag denn überhaupt so anstrengend für mich war. Eine
Erklärung hab ich nach wie vor nicht. Für manchen
motorradfahrenden Leser mag dies alles komisch klingen, aber
nach 5 Jahren Fahrpraxis und 20000 gefahrenen Kilometern war es
für mich eine völlig neue Erfahrung, dass man fahren kann ohne
über das Fahren an sich nachzudenken.
Dienstag
25.07. Plitzwice – Paklenica NP 120km
Heute fahren wir auf deutlich besseren Straßen an die Adria.
Unterwegs sieht man immer noch sehr viele verlassene Häuser mit
Einschusslöchern, Spuren vom Balkankonflikt 1995. Bei einer
Pause zwischendurch, stellen wir fest, dass die Kroaten sehr
guten Espresso kochen können :o)
Der anvisierte Zeltplatz (ebenfalls ein Relikt des 2000er
Urlaubes) ist nicht mehr wieder zu erkennen. Überhaupt ist die
ganze Gegend extrem touristisch geworden. Aber was soll´s, das
Meer ist immer noch da und auch noch schön warm.
Wir suchen uns einen Zeltplatz, auf dem wir ein paar Tage
bleiben können. Wir werden auch recht schnell fündig, also
schnell das Zelt aufgebaut und ab ins Meer. Zum Abendbrot gibt
es dann kroatische Grillplatte und Slivovitza – ein feiner
Pflaumenschnaps – in einer kleinen Schnitzelschänke im Dorf.
Hier lässt es sich ein paar Tage aushalten.


26. – 28.07.
Starigrad Paklenica 0km
Lesen, baden, essen, rauchen und den ganzen Tag um Schatten
rumsielen – mehr passiert an diesen Tagen nicht.
Martin wird Opfer eines nächtlichen Mücken- oder
Stechfliegenangriffs, hat daraufhin einen geschwollenen Arm und
eine dicke linke Hand und ist mit dem Kühlen der Einstichstellen
beschäftigt. Ansonsten ist das hier die Erholung in reinster
Form.


Samstag
29.07. Starigrad – Nove Mesto (SLO) 260 km
Aber irgendwann wird auch die dollste Erholung langweilig, also
fahren wir weiter. Nach unseren Überlegungen brauchen wir weiter
nördlich an der Adriaküste nicht zu suchen, das Touristenmeer
wird nur noch größer.
Also wollen wir direkt nach Slowenien. Wir gönnen uns heute die
Autobahnmaut und fahren direkt in einen dicken Stau. Der geht
über 20km die engen Autobahnkurven die Berge hoch und das Ganze
bei 35 Grad. Wir können zum Glück auf dem Standstreifen am Stau
vorbeifahren, aber auch so ist es ganz schön heiß. Am Ende des
Staus und zwischendurch stehen dann auch eine Reihe von Autos
mit geöffneter Motorhaube - offensichtlich thermische Problem?
Der Grund des Staus war, dass ein Tunnel durch die Berge noch
nicht fertig ist. Die Autobahn wurde hier einspurig. Die
Mautstationen funktionieren aber hervorragend…
Der Rest der Strecke ging dann reibungslos, kurz vor der
slowenischen Grenze von der Autobahn runter und noch ein paar
Kilometer ins Landesinnere nach Nove Mesto.
Da es schon ziemlich spät ist und wir auch erstmal die Nase voll
vom Zelten haben, nehmen wir uns eine Pension. Dazu gehört
gleich eine Kneipe, also alles da was man braucht.




Sonntag
30.07. Nove Mesto – Maribor 200km
Nach einer angenehmen Nachtruhe im Bett und einem spartanischem
Frühstück jockeln wir gegen 11 Uhr weiter Richtung Norden. Ziel
ist Ptuj, dort soll ein See mit Zeltplatz sein. Ganz gediegen
fahren wir durch das schöne slowenische Land, die Straßen sind
sehr gut, die Landschaft schön und alles sieht sauber und nett
aus. Unterwegs trinken wir einen Kaffee und fahren gemütlich
weiter. Irgendwie haben wir zum Morgen eine Clown gefrühstückt
und kichern bei jeder Pause. Zwischendurch hält Martin in einem
Dorf an, ich frag mich warum, er deutet auf eine Burg in den
Bergen und sagt: wenn du frech bist, kommst du da oben rein. Und
weiter gehts. Davon geht das Gekicher auch nicht weg :o)
Das Fahren geht mir heute leicht von der Hand, es ist eben nicht
jeder Tag wie der andere und vielleicht lerne ich es ja doch
noch richtig. Dann gibt es noch ein Päuschen und dazu eine Pilz-
und Gemüsesuppe. Mittlerweile spricht man hier schön deutsch und
im Radio laufen slowenische Alpenschlager.
Der Zeltplatz in Ptuj entpuppt sich als Spaß-Thermalquellen-Bad
mit Wiese dran. Das fetzt nicht. Also kurz entschlossen einen
neuen Plan geschmiedet. Wir fahren nach Maribor und suchen uns
dort eine Bleibe. Es ist ja erst 17 Uhr. Die Stadt ist irgendwie
komisch. Zuerst landen wir an einer Super-G-Schanze mit
Zeltplatz und das sieht alles nicht billig aus. Also fahren wir
wieder ins Zentrum und finden nach ein paar Irrungen ein Hotel,
welches nicht 120 Euro kostet. Dafür müssen wir mit den
Motorrädern über einen verkehrsberuhigten Platz mit Café und
Gästen knattern und den Hoteleingang finden wir um drei Ecken.
Nach einem kleinen Bummel am Fluss Drawa gibt es noch etwas zu
essen, Martin kommt endlich zu seiner lang ersehnten Fischsuppe,
werden aber leider 23 Uhr aus der Kneipe „geschmissen“. Und alle
Bars haben schon zu. Ich sagte ja, eine komische Stadt.



das
Karthäuserburglein

in Maribor auf dem
Marktplatz
Montag
31.07. Maribor – Graz – Mariazell (Ö) 210 km
Dass wir zeitig ins Bett sind, war dann gar nicht so schlimm,
denn Frühstück im Hotel gibt es nur bis 9.30 Uhr. Sowas. Diesmal
ist es reichlich und gut gelaunt starten wir 11 Uhr mit
Zwischenziel Graz (um eine Sachertorte zu essen) um dann etwas
nördlicher wieder an einem See mit Zeltplatz zu fahren. Schon
nach einigen Kilometern tut mir der Hintern weh. Man gewöhnt
sich also doch nicht so schnell daran. Aber Martin geht es heute
auch so. Das fahren fetzt heute auch, nur mit den Kurven tu ich
mich schwer. Naja fahre ich eben mit 70km/h rum und nicht mit
80, geht auch. Muss ich eben mehr Gas beim Aufholen zu Martin
geben.
In Graz gibt es keine Sachertorte (wir haben natürlich auch
nicht stundenlang gesucht), dafür eine Eisschokolade. Die Stadt
hat sicherlich ihre schönen Seiten, aber vieles, was wir gesehen
haben, war vor 30 Jahren mal neu.
Nach Graz wird es noch schlimmer. Ziemlich runtergekommen und
ganz schön ostig, könnte man sagen. In Mariazell wollen wir noch
einkaufen und finden uns in einem von Touristen überlaufenen und
von Schnörkelhäuschen überschwemmten Wallfahrtsort wieder. Tja
nur Atheisten passiert so was. Letztendlich überstehen wir auch
das ohne Bekehrung, kaufen ein und finden den Zeltplatz auch
wirklich. Der Zeltplatzwart Herr Felix kommt morgen von 6-9 Uhr
zum anmelden, das Bäckerauto kommt um 8, hinstellen kann man
sich wo man will und Duschmarken soll man beim Zeltnachbar
erfragen. Schön. Gleich werden wir eine Schnitzelschänke am See
anlaufen, den man von hier leider nicht sehen kann.
Die herrschaftliche Kneipe am See hat schon Küchenschluss und
das 20.30 Uhr! Das muss man sich mal vorstellen. Na ja direkt am
See gibt es eine Art Strandbar und dort gibt es auch noch etwas
zu essen, zu trinken, die Füße können wir fast ins Wasser
halten, so nah sitzen wir dran. Machen wir aber nicht, es ist
merklich kalt und in den Bergen ziehen dicke Wolken und Blitze
auf, die uns letztendlich den Weg zum Zeltplatz leuchten. Es ist
nämlich stockdunkel hier.

in Graz

Mariazell



Dienstag
01.08.
Geschlafen haben wir sehr gut, keine Mücken, kein Gefälle, Ruhe
und angenehme Zelttemperaturen. Martin hat früh 8 Uhr Brötchen
gekauft und uns beim Herrn Felix angemeldet. Das Frühstück
verlegen wir sicherheitshalber ins Zelt und das ist auch gut so.
Es fängt an zu regnen und zu regnen. So bleiben wir im Zelt,
lesen und lauschen dem Regen. Wollen wir weiterfahren? Keine
Ahnung, erst noch weiter lesen. Dann gegen 15 Uhr hört es auf
und wir entscheiden uns für eine kleine Berg- und Kurvenrunde.
Für 50 km weiter zufahren, macht keinen Sinn. Ich fahr vornweg,
damit Martin noch eine Analyse meines Fahrverhaltens machen kann
:o). Leider fängt es nach einer Stunde wieder an zu regnen und
der große Rückweg wird verkürzt und ich fahr auch nicht mehr
vornweg.
Nun ist es bald Zeit Abendbrot zu essen. Das herrschaftliche
Anwesen hat heute gleich mal ganz geschlossen und so gehen wir
wieder in die Strandbar. Diesmal setzen wir uns rein, denn wir
sind arg durchgefroren und draußen sind nur noch 15 Grad! Sowas
und das in unserem Sommerurlaub. Wir wärmen uns auf, essen gut
und versuchen rauszubekommen, warum ich um viele Kurven nicht
rumkommen (weil ich mich lege, statt drücke oder so), was es mit
der optimalen Fahrlinie auf sich hat und warum ich lieber 80
statt 100km/h fahre. Eine Lösung finden wir nicht, stellen aber
fest, dass wir im Urlaub und nicht bei der Rallye sind und das
das alles eh überbewertet wird.
Aber morgen fahren weiter nach Budweis.
Mittwoch
02.08. Mariazell – Budweis (CZ) 270km
Herr Felix sagt Martin, dass es heute aufreißt. Und tatsächlich
verziehen sich die Wolken nach unserem sicheren Frühstück im
Zelt und wir ziehen erstmal keine Regensachen an. Wir fahren an
der Donau entlang, über kleine Bergdörfer, die in
Bilderbuchlandschaft liegen und es fährt sich gut. Dann ist es
doch soweit für die Regensachen. Kurz vorher hatte ich mir noch
meine Fleecejacke ausgezogen und die Sonnenbrille aufgesetzt. In
Freistadt ist dichter Verkehr und wir hoffen, dass es nicht so
bis zur Grenze weitergeht. Aber es lichtet sich. Wir fahren mal
wieder durch „Abfoltern“ (wie schon nach unserem Kroatienurlaub
und 14h Fahrt), kommen ohne langes Warten über die Grenze, der
Regen verkrümelt sich und die Sonne scheint wieder. Martin wird
von einem tschechischen Blödmann rechts überholt und die Pension
in Budweis finden wir auch nicht. Dafür sitzen wir jetzt ca.
140km vor Prag auf der Terrasse eines Motels und lassen den
Urlaub ausklingen.
Morgen ist die letzte Etappe und dann müssen wir noch überlegen,
was uns am Besten gefallen hat. Oder besser wo.






Ich gebe mal
einen Tipp ab, in folgender Reihenfolge: Slowenien, Polen,
Ungarn/Österreich (da kann ich mich noch nicht entscheiden) und
dann die Slowakei, da wars doof. Huch Kroatien hab ich ganz
vergessen. Das muss ich mir noch überlegen.
Alles in allem
war dieser Urlaub wie ein großer Ausflug, weil wir nie lange
vorher geplant haben wie es weiter geht und wohin wir im Detail
fahren wollen. Und das hat die ganze Sache sehr entspannt
gemacht. Von Vorteil war für diese Planlosigkeit („…welche ja
das höchste Gut eines Reisenden ist“ Zitat Schöli), dass wir nur
zu zweit unterwegs gewesen sind. Alle Schnellschüsse und jede
Umdisponiererei wären mit sieben Mann viel komplizierter und
reibungsvoller gewesen.

Fakten:
Insgesamt 20 Tage unterwegs gewesen, in 12 Tagen 3200 km
gefahren und das ganze ohne Stress oder nennenswerte technische
Probleme.
Die Straßen waren in allen Ländern gut bis sehr gut, obwohl wir
auch kleinere (weiße und gelbe) Straßen gefahren sind.
Grenzprobleme gab es nirgendwo, meist ging alles sehr locker
vonstatten.
Negativ hängen geblieben ist, dass es in Kroatien sehr teuer
geworden ist und da waren wir noch gar nicht in Istrien, dem
Tourimekka. Man versucht dort eben mit aller Macht das Stück
Adria was man hat, gewinnbringend an den Mann zu bringen.
|
|