Mit dem Rucksack 3 Monate in Argentinien und Chile unterwegs
Autoren: Martin B. + Kati F.

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29.12.04 – 3 Grad
Wecken 6.00 Uhr, Straßenbahnabfahrt 7.00 Uhr, ICE nach Frankfurt 8.00 Uhr – es geht los.
Schönes Gefühl mit mürrisch aussehenden Leuten früh in der Straßenbahn zu sitzen – mit dem winzig kleinen Unterschied: die müssen bei Dunkelheit, Kälte und fast Nieselregen auf Arbeit und wir starten zu unserem „großen und längstem“ Urlaub.


Straßenbahnhaltestelle 29.12.2004, früh gegen 7 Uhr


Überfahrt zum Frankfurter Flughafen


Flughafen Buenos Aires

30.12.04
Wir sind da: in Mendoza, bei Ralf + Henni und Schöli + Ina. Die ganze Fliegerei war anstrengend, keine Frage, auch unbequem. Aber wider Erwarten hat alles geklappt – keine Verspätungen, keine Abzockerei, nix geklaut oder ins Gepäck geschmuggelt und selbst die telefonisch bestellten Anschlusstickets nach Mendoza lagen bereit.
Nun sitzen wir hier bei lässigen 35 Grad, haben Hallo gesagt und müssen erstmal runterfahren. Auf argentinisch: entschleunigen. Und dazu muss man sich als Deutscher schon etwas zwingen … :o) Aber wir werden ja sehen was wir davon haben. Es kann also losgehen.
Erstes Ereignis: die Waschpaste in Martins Deckelfach hat sich verdünnisiert und nun ist er dabei den kompletten Inhalt abzuwaschen. Es gibt also „dufte“ Fotos und ein schäumendes Regencape.


Vorneujahresansprache vom Herrn Schöler (Mendoza)


das nennt man ökologisch

email vom 03. Januar 2005 - Erste Meldung aus Argentinien
HOLA und noch ein gesundes NEUES JAHR nach Hause.

Wir sind gut in Mendoza bei Ralf und Henni angekommen. Zugreise nach Frankfurt, Weiterflug nach Madrid und Buenos Aires haben reibungslos geklappt. Ebenso der Weiterflug nach Mendoza. Das telefonisch bestellte Ticket lag bereit für Martin und Kati, so sagte das Mädel hinterm Schalter. Also alles gaanz easy. Die Fliegerei ist trotz alledem anstrengend und steckt uns immer noch in den Knochen. Bis Buenos Aires waren es letztendlich 11 Stunden reine Flugzeit. Ralf haben wir von unterwegs angerufen und unsere Ankunft angemeldet. Und vom Flughafen wurden wir mit einem uralten 7er BMW von Louis (Vermieter von Ralf) und Ina abgeholt. Hier empfingen uns lässige 30 Grad und überaus freundliche Leute. Ansonsten ist noch nicht viel passiert, wir sind in der Stadt rumgeschlumpert, saßen ewig in Cafes, haben gestern unser erstes Asado verabreicht bekommen und Silvester gefeiert. (Asado ist eine Großgrillerei in Familie, da wird ca. 500g Fleisch pro Person eingeplant und das ganze über einem Holzgrill zubereitet - lecker!) Gegen 24 Uhr sind wir auf die Dachterrasse und haben uns das Feuerwerk angeschaut - ewig lang hat es geknallt und gefunkelt und im Hintergrund die ersten Ausläufer der Anden. Unsere Weiterfahrt nach Bariloche (ca. 600km südlich von Mendoza) klappt nicht ganz, es gibt keine Plätze mehr in den Bussen, also umdisponiert und so geht es am Montag früh um 6 Uhr erstmal nach Marguelle (oder so ähnlich) um von dort aus weiter zu fahren. Nun dann - wir werden sehen. Heute Abend wird wieder gegrillt :-)

Liebe Grüsse an ALLE und bis bald.
Kati

05.01.05 – San Rafael
Die Tage in Mendoza waren sehr schön. Wir sind in der Stadt rumgeschlumpert, waren shoppen (am Sonntag im C&A und wir waren fast die einzigen Käufer – grandios), haben Eis gegessen und Asado gemacht (das meist erst ab 23.00 Uhr, da müssen wir uns erst noch daran gewöhnen), haben lange in Cafés gesessen und Leute beobachtet, viel erzählt, auf Busse gewartet und die Seelen baumeln lassen.
Am Montag morgen 6.00 Uhr ging es mit dem Bus nach San Rafael, die Tickets haben wir zwar bis nach Malargüe gekauft, die Stadt schien aber für unser Weiterkommen in den Süden ungünstig zu sein. Also sind wir eine Station eher ausgestiegen, natürlich unter Gekicher der Busfahrer. Die Entscheidung hier auszusteigen wurde weitestgehend im Pool im Haus von Gonzas Eltern (einem Freund von Ralf) getroffen. Dort saßen wir einige Stunden und haben es uns gut gehen lassen. Mit dem Ergebnis einige Informationen über die Südrouten von der Familie zu bekommen.


bei Gonza in Mendoza

Von der Busstation in San Rafael sind wir zu unserer ersten Wanderung gestartet, 6km bis zum Zeltplatz. Jedoch nicht ohne uns vorher im Café am Plaza ordentlich zu stärken und erstmal anzukommen. Das ist schließlich Pflicht. Man kann nicht einfach weiterfahren oder –gehen, ohne vorher angekommen zu sein. Nun wir haben die Wanderung alle überlebt, aber anstrengend war es schon. Wir hoffen darauf, dass sich irgendwann ein Trainingseffekt einstellt.

Heute haben wir Großes vor: wir fahren mit dem Bus an den nahe gelegenen See „Valle Grande“ und schauen mal, welche Extremsportart wir dort betreiben werden. Ach ja wir „müssen“ hier so lange bleiben, weil erst am 07.01. ein Bus frei war, der weiter nach Neuquen fährt – alle Busse nach Bariloche, unser eigentliches Ziel, sind ewig ausgebucht – auch in Argentinien gibt es Ferien. Also wollen wir von Neuquen versuchen, weiter zukommen. Mal sehen wie das klappt.

Ansonsten kann ich sagen, dass die Leute sehr freundlich sind, aufgeschlossen und hilfsbereit (zum Beispiel dürfen wir unsere Butter hier im Kühlschrank vom Zeltplatz-Minimarkt aufbewahren). Mit der Sprache hapert es bei mir noch extrem, Martin ist da schon weiter. Aber ich muss ja auch nicht, Ina ist unser stattlich anerkannter Dolmetscher. Obwohl selbst mir auffällt, dass die Menschen hier schon wieder anders sprechen, als in Mendoza. Ach ja dort hat es geregnet und gestern wollte es regnen, klappte nicht ganz richtig, dafür gab es ringsherum Horizont füllende Blitze. Chic!

email vom 07. Januar 2005 - San Rafael - geschätzte 32 Grad und dezent bewölkt
Wir sind wieder in San Rafael und werden gegen 22 Uhr mit dem Bus weiter nach Neuquen fahren. Dort hoffen wir einen Bus nach Bariloche oder lieber San Martin de Andes zu bekommen. Also kann man überhaupt nicht planen und alles bleibt offen. Wenn der Bus nach A eben voll ist oder erst in vier Tagen fährt muss man eben erst nach B fahren. So sieht's aus und ist bis jetzt noch nicht schlimm (die zwei preußischen Gemüter verhalten sich ruhig).
Allabendlich wird der König für den nächsten Tag bei einem zünftigen Doppelkopfmatch ausgespielt ("Werner 4" lässt grüssen) und das ist auch gut so. Da wir von Unentschlossenheit und Entscheidungsunmut umzingelt sind, gibt es eben den König, der letztendlich an dem Tag das Sagen hat. Zur Meuterei ist es noch nicht gekommen ... aber wer weiß. Und Entscheidungen treffen, wenn der 16-Uhr-Bus nun doch nicht kommt und wir zwei Stunden auf den nächsten warten dürfen, ist sehr wichtig. Ansonsten haben wir alle unseren ersten Sonnenbrand und mehrere Asados weg, der erste hat die leicht abführende Wirkung des Nationalgetränks Mate gespürt, festgestellt dass die Argentinier sehr freundlich, hilfsbereit und aufgeschlossen sind. Unser Spanisch hängt zwar immer noch schwer, aber doch einige können englisch und wir uns somit mit ihnen verständigen ... Es ist fast ausgeschlossen, dass man in einem Cafe sitzt und nicht angesprochen wird (man kann auch im Park auf einer Bank sitzen und auf den Bus warten).

So das war's kurz von uns, bis bald.
Martin & Kati

07.01.05
Wir sitzen jetzt wieder am Bus-Terminal in San Rafael in dem Café, in dem wir auch am Montag gesessen haben. Die 5 Tage Wartezeit in San Rafael, die uns am Montag noch sooo lang vorgekommen sind, sind ruck zuck vorbei.
Die erwähnte Fahrt zum „Valle Grande“ erwies sich als Volltreffer. Nur 30km westlich von San Rafael kamen wir in die Ausläufer der Anden und fuhren durch ein schickes Flusstal. Die Fahrt endete an einem Stausee inmitten hohen, Sonnen beschienenen Felsen. An dem See konnte man sich diversen sportlichen Zeitvertreib hingeben (paddeln, Wasserski, Rafting…). Wir haben es aber vorgezogen, uns am in der Kneipe am See niederzulassen. Da war es total geil. Blick aufs Wasser und Berge untermauert von U2 und Bob Marley. Martin war eine halbe Stunde schwimmen und kam ziemlich fertig zurück. War es die Kondition oder die Höhenluft (870m)?
Schon auf der Fahrt zum See haben wir einige viel schönere Zeltplätze als unseren bei San Rafael gesehen. Schön grün, Flusslage und Berge. Deshalb beschloss die Reisegruppe die letzte Nacht in San Rafael auf einem Zeltplatz in der Nähe des Stausees zu verbringen.
Offensichtlich fanden diesen Zeltplatz auch viele anderen Menschen schön. Deshalb mussten wir uns die schöne Natur mit viel Lärm und einen Haufen Leuten erkaufen. Nun ja war ja nur für eine Nacht.


Staumauer vom "Valle Grande"


Warten auf dem Bus zurück nach San Rafael

Noch ein Wort zu Land und Leute: Die Freundlichkeit der Menschen ist überwältigend. Viele verbinden Deutschland mit Fußball und dem 2. Weltkrieg. Das ist ein ziemlich zweifelhafter Ruhm. Im Vergleich zum Süden Europas können viele Jugendliche englisch. Und so gab es schon einiges an Konversation mit den Einheimischen.

Ein Wort zum Verkehr: ein Viertel der Autos ist neu, ein Viertel gut gebraucht, der Rest: Wracks! Bei den Gebrauchten und den Wracks sind oft die Auspuffanlagen kaputt. Richtig kaputt. Hier ist ein Krawall auf den Straßen, da würde jeder deutsche Polizist tot umfallen.
Gefahren wird sehr „tranqillo“, alle fahren kreuz und quer. Scheinbar aber sehr relaxed. Wir haben noch keinen Unfall gesehen. Die Verkehrsdichte ist aber auch relativ gering. Nach kurzer Zeit hat man sich als Fußgänger eingewöhnt. Ampeln werden generell ignoriert, man läuft los, wenn kein Auto im umkreis von 50cm zu sehen ist.
Na mal sehen wie es weitergeht.

08.01.05 Neuquen
Wir sind die ganze Nacht durchgefahren und haben nicht besonders gut geschlafen. Ankunft in Neuquen: 7.30 Uhr. Schöli bucht gleich eine Weiterfahrt nach San Martin de los Andes für den nächsten Tag. Diesmal sind noch genügend Plätze verfügbar.
Als nächstes suchen wir ein Café, um zu frühstücken und das weitere Vorgehen zu besprechen. Wir mieten uns in einem kleinen Hotel (50 Peso DZ ohne Fenster damit mit Dusche) ein und suchen eine Wäscherei für unsere Dreckwäsche.
Im Laufe des Tages waren wir einkaufen, Kati hat sich von einem Starfriseur für 18 Peso von ihren langen Haaren befreien lassen, wir sitzen in Cafés rum und trinken abends Cocktails und Martinis und Bier bevor wir ins Bett gehen.
Alles in allem ein netter Zwischenstopp.

09.01.05
Weiterfahrt nach San Martin de los Andes. Früh um 8.00 Uhr fährt der Bus los und wir sind alle noch etwas müde vom letzten Abendprogramm.
Die Fahrt geht anfangs durch Pampa - bis zum Horizont kahle, verdorrte Steppe. Hier möchte ich nicht mit dem Motorrad unterwegs sein.
Während der Fahrt wird Martin auf den Beifahrersitz des Busfahrers eingeladen. Da gibt es ein paar Töpfe Mate zu trinken und der Busfahrer und der Reisebegleiter fragen bei ein paar Zigaretten (obwohl im Bus Rauchverbot ist!) nach dem woher und wohin. Echt relaxed die Leute hier.
Nach 6,5 Stunden sind wir angekommen. Auf der Fahrt haben wir bereits die schneebedeckte Spitze des Vulkans Lanin gesehen, umgeben von Grün und weiteren Bergen – eine wunderschöne Landschaft. Auch die ersten Kuhherden und Gauchos kreuzten unseren Weg. In San Martin wurde das erste Café okkupiert, Kaffee und Milchshakes getrunken und Pläne geschmiedet. Diese werden mehr als einmal über den Haufen geworfen, nachdem mal wieder eine Negativ-Info vom Busterminal kommt. Letztendlich kommt heraus, dass wir gleich in Junin de los Andes hätten aussteigen können, um an den See Huechulafquen zu kommen und das eine Weiterfahrt nach Valdivia erst am 18. möglich ist. Später stellte sich heraus, dass täglich zu verschiedenen Uhrzeiten auch ein Bus nach Bariloche fährt und von dort denken wir eine Weiterfahrt nach Chile (Chiloe) einfach sein dürfte. Gesagt – getan. An den Lago noch für ein Stündchen gelegt, mit dem 18.00 Uhr-Bus wieder zurück nach Junin gefahren, kurz bei einem open-air-Konzert im Park vorbeigeschaut, Zeltplatz angesteuert, Cracker mit Wurstpaste zum Abendbrot und nen Whiskey dazu und dann ab ins Bett.

Junin de los Andes
Busbahnhof in Junin de los Andes

14.01.05
Zeitchen ist vergangen, die ersten Hautfetzen pellen sich ab, die Rucksäcke und alles andere haben die patagonischen Winde kennen gelernt und den Staub dazu, wir haben wunderschöne Landschaften genossen und erste kleine Abendteuer inklusive dezenten Strapazen erfahren. Aber eins nach dem anderen.
Vom Busterminal in Junin ging es mit einem Kleinbus, auf dessen Dach die Rucksäcke verzurrt wurden in den Nationalpark Lanin zum Camp Bahia Dos (Strand Zwei). Dort erwartete uns grandiose Landschaft: der See Huechulafquen, schneebedeckte Berge, grasbewachsene Hügel, in deren Nischen sich gleich kleiner Hobbithöhlen Camper ein Plätzchen eingerichtet haben, Gänsefamilien, die über die Wiese watschelten, Pferde, die am Hügel freilaufend grasten, Ruhe und Stille und einfach nur schön. Das Ganze für 4 Pesos die Nacht für alle vier von uns – das heißt 1 Euro! Abends wurde Holz gesammelt, ein Feuerchen angeknistert, Wein getrunken und sich gefreut. Schöner kann es in Schweden nicht sein, eher noch besser, denn es gab keine einzige Mücke. Die Tage vergingen mit faulenzen, in der Sonne rumliegen, die Jungs haben einen Tag lang den Fischen Brot auf den Kopf geworfen (ohne Erfolg, aber sie waren dabei nicht die Einzigen), eine Zwei-Stunden-Wanderung zum ursprünglichen Ziel Vulkan Lanin wurde abgebrochen, weil das Ziel nicht in Sichtweite kam, aber auf der Hinfahrt aus unserem völlig verstaubten Kleinbus ständig gesehen haben. Übrigens trank der Fahrer die ganze Zeit mit noch zwei Kumpels Mate, rauchte und jagte wie eine Wildsau über die Schotterpiste (ca. 40km).


der Kleinbus und der Fahrer

Vulkan Lanin

Vulkan Lanin
Vulkan Lanin

Eines Abends, Schöli und Ina waren schon im Bett, unser Feuerchen glühte noch etwas vor sich hin, klangen aus der Nähe liebliche Gesänge an unser Ohr. Ein Blick, ein Nicken und Martin und Kati schnappten sich ein paar Getränke und schwupps saßen wir inmitten einer Gruppe junger Argentinier um ein Feuer. Nach der obligatorischen Frage wo wir herkommen, gabs vom Obermusikus ein großes Hallo und er begrüßte uns mit einem klassischen Gesangsstück von Brahms auf Deutsch. Es war unglaublich schön, diese Freundlichkeit, kaum dass wir am Feuer waren, wurde Platz gemacht, uns eine Isomatte unter den Hintern geschoben und dann wurde gesungen und gespielt und es war noch so schön. Angeblich waren es drei Freunde, die ab und zu Musik machen, aber wer schleppt zum zelten schon eine Klarinette, eine Gitarre, etwas Banjoähnliches und dreistimmigen Gesang mit? Martin durfte auch etwas darbieten und wir kamen aus dem Grinsen nicht mehr raus. Gute Entscheidung, sich zu später Stunde noch einmal zu bewegen und nicht nur, um ins Bett zu gehen.

Huechulafquen
Huechulafquen - der See, der wie ein Hirschgeweih aussieht

Die Abreise vom See gestaltete sich etwas schwierig. Wir haben uns entschlossen nach Junin zu trampen. Da auf der Piste genug Autos unterwegs sind, sollte das alles kein Problem sein. Nachdem wir eine Stunde am Zeltplatzausgang gewartet haben und keiner angehalten hat, sind wir erstmal in Richtung Junin losgegangen. Am Ende sind wir 6 km bergauf und –ab gestiefelt und das Ganze bei 35 Grad und Sonne auf dem Kopf. Per pedes nach Junin zu kommen, war ziemlich aussichtslos… Obwohl viele Autos unterwegs waren, die auch Platz hatten, hat keiner angehalten Das passte irgendwie nicht zu dem Bild, welches wir von den hilfsbereiten Argentiniern hatten. Nach 5 Stunden und allen möglichen Anhaltemanövern (nur die Mädels, nur die Jungs, mit Sonnenbrille und ohne, ja selbst mit Geldscheinen winkend) hielt dann doch einer an. Kam aus noch aus der falschen Richtung. Es war eine Familie aus Buenos Aires, die Beiden waren UN-Mitarbeiter und konnten sehr gut englisch. Sie haben uns dann erzählt, dass trampen in einer so verlassenen Gegend ziemlich sinnlos sei, weil die Leute Angst haben, Tramper mitzunehmen. Naja wieder um eine Erfahrung reicher.
Am Abend sind wir in Junin noch in die Kneipe gegangen und haben Beef de Choriza (ein Riesenhaufen Fleisch mit viel Fett) gegessen. Ohne dem Fett schmeckt es sehr gut.


Wir gehen erstmal los ...


Auto-Anhalte-Punkt


unsere Retter

Am nächsten Tag sind wir von Junin nach Bariloche gefahren. Die Überfahrt war mit einem Kleinbus (ca. 20 Plätze). Die Karre war ziemlich laut und eng. Als wir in Bariloche angekommen sind, haben wir gleich eine Weiterfahrt nach Puerto Montt (Chile) in zwei Tagen gebucht. In Bariloche haben wir uns ein Hotel genommen (DZ 70 Peso), nicht gerade günstig, dafür aber sauber und schön.
Bariloche wird im Reiseführer als touristisch überlaufen und anstrengend beschrieben. So schlimm empfanden wir es aber nicht. Klar, es gibt eine Menge Menschen (es sind auch noch Ferien), Einkaufsstraßen, bunte Lichter und relativ teure Restaurants. Aber wir haben das als nettes Kontrastprogramm zu unserem bisherigen Urlaub angesehen.
Nach anderthalb Tagen in Bariloche sind wir nach Puerto Montt gefahren. Der Grenzübertritt war etwas beschwerlich, aber unser „Schaffner“ des Busses hat alles schön gemanagt.

Junin de los Andes
Busbahnhof in Junin de los Andes

Bariloche
Busbahnhof in Bariloche

Bariloche

In Puerto Montt empfing uns am Busbahnhof deutsche Blasmusik ähnlich „Alte Kameraden“ und „Rosamunde“. Unser erster Eindruck von Chile: viel grüner und durchaus europäisch (wenn nicht ab und zu ein Vulkan rum steht) und auch verlotterter als Argentinien. Die Häuser sind alle ziemlich schlecht gepflegt, dafür bunt angemalt. Wir haben das Gefühl, das Südamerika gefunden zu haben, das wir uns vor der Reise vorgestellt hatten.

Puerto Montt
Puerto Montt


Überfahrt nach Chiloe

Von Puerto Montt sind wir gleich weiter nach Ancud auf die Insel Chiloe. An Ancud haben wir uns einen Zeltplatz am Meer genommen und uns erst mal mit Pisco und Cola und Doppelkopf von der Busfahrerei erholt. Auf diesem Zeltplatz sind wir auch fünf Tage geblieben. Wir waren sehr gut Fisch essen, haben eine Pinguinkolonie besichtigt und einfach nur relaxed. Und mit dem Wetter hatten wir bisher sehr viel Glück. Auf Chiloe soll es 350 Tage im Jahr regnen. Wir hatten jedoch mehr als nur diese fünf Tage Sonnenschein.
Meine Schuhe lösen sich langsam in seine einzelnen Bestandteile auf. Es wird von Tag zu Tag schlimmer. Leider war die Auswahl in Bariloche zwar groß, aber auch von schlechter Qualität. Und hier auf Chiloe sieht es eher trübe aus. Deshalb ging es heute zum Schuster und der hat viel Leim zwischen Sohle und Leder geklebt. Na mal sehen. Und eingekauft haben wir auch: ein Messer für Martin, ein Messer für Schöli und ein Messer für Kati. Es braucht zwar keiner eins, aber die sind schick und billig.

Ancud
Busbahnhof in Ancud


auch die Kocher und Socken brauchen mal eine Generalüberholung

Ancud

Ancud

Ancud


vor der Insel läuft ein Mann mit Hund (nur zur Orientierung)


die Pinguininseln


Startklar


feiern mit den Zeltplatz-Nachbarinnen


Muscheln - aha ... naja


wer´s mag

22.01.05 Cucao
Von Ancud ging es mit dem Bus nach Castro, die Hauptstadt von Chiloe. Naja es war ziemlich gruselig, dreckig, lotterig und am Busbahnhof tummelten sich allerhand dubiose und zahnlose Gestalten – schnell weg hier! Eine Stunde später fuhr auch gleich ein Bus nach Cucao (Westseite von Chiloe), hier hatten wir eine Adresse von einem schönen Hostal, die auch Pferdeausritte anbieten.
Aber als der Bus anhielt und verkündete, dass wir in Cucao sind, sah es alles andere als heimelig aus. Völlig verdreckte Rucksäcke vom Dach des Busses, kalt und windig – hier schien der Hund begraben zu sein. Trostlose Stimmung und Ratlosigkeit machten sich breit.

Aber kurz darauf fanden wir „El Foron de Cucao“, ein schönes Plätzchen am See mit Hütten, Zeltplatz und Restaurant. Den Abend verbrachten wir auch gleich dort. Das Brot vom lomo war schimmelig, dafür gabs eine fette Entschuldigung und das Ganze noch mal mit Kartoffeln und umsonst! Als wir schon fast gehen wollten, nahm der Koch die Gitarre und der Reitlehrer der Querflöte und musizierten für sechs Gäste. Da blieben wir noch ein Weilchen, tranken Pisco Sour, lauschten und freuten uns und Martin durfte auch wieder spielen. Ach so schön wars.

Am Morgen regnete es wie es sich für Chiloe gehört, also wurde im Restaurant gefrühstückt, der Pferdeausritt klargemacht und die erste Aufregung setzte ein. Außer Martin hatten alle keine Ahnung von Pferden, geschweige denn vom reiten. Die Reitlehrerin ist Französin, erklärte uns alles aber schön in englisch. Und dann ging es los, erst Schotterstraße, dann Feldweg, kleine Flussdurchquerungen und mit eng am Felsen vorbei durch kniehohes, für die Pferde, Wasser vom See, Richtung Meer und über Dünen. Es dauerte so einige Zeit bis ich zu meinem Pferd Vertrauen hatte und dann klappte es auch einigermaßen mit rechts, links, Gas und Bremse. Nach drei Stunden, Regen und Sonne, Stock und Stein war es vorbei und die ersten Schritte nach dem Absitzen waren ganz eigenartig. Ich glaube zwar nicht, dass ich ein berühmter Cowboy werde, aber vielleicht reite ich mal wieder. Martin dagegen war schwer begeistert, er ist sogar am Strand galoppiert. Meine kleine Orange konnte sich nur zu drei vier Galoppsprüngen bewegen lassen, aber das war mir auch ganz recht so.


erstes Kennenlernen


meine kleine Orange (Naranja)


ein bisschen schief das Ganze + Flussdurchquerung


am Pazifik, aber das stört Naranja gar nicht, die frisst lieber

Nach dem Ritt gab es Kaffee und Kuchen de Manzana con Streusel! Zu deutsch Kuchen vom Apfel mit Streusel. Lecker und von einer Freiburgerin gebacken, die seit 11 Jahren hier lebt und das Café erst vor sechs Tagen wieder eröffnet hat. Alle außer Schöli hatten dezente Probleme beim Sitzen, aber alles in allem war es sehr schön. Abends gabs frische Empanadas und ein kleines Verreckerfeuer und die Feststellung, dass wir uns noch nicht voneinander trenne wollen und so noch ein paar Tage Richtung Süden zusammen trecken werden.
Heute wollen wir mit dem Bus wieder nach Castro (huijuijui), von dort weiter in den Süden von Chiloe nach Quellon und dort mit einer Fähre nach Chaiten aufs Festland. So ist erstmal der Plan, ob und wie das alles klappt, werden wir sehen.
Auf jeden Fall hat Chiloe seinen eigenen, ganz besonderen Charme, wahrscheinlich gerade wegen des unberechenbaren Wetters.


das ist übrigens Rhabarber

email: 15. Januar 2005 - San Charlos de Bariloche - leicht bewölkt, ca. 26 Grad
Ein Zeitchen ist vergangen, die ersten Hautfetzen pellen sich ab, die Rucksäcke und alles andere haben die patagonischen Winde und seinen Staub kennen gelernt, wir haben wunderschöne Landschaft genossen und erste kleine Abenteuer incl. dezenten Strapazen erfahren. Aber eins nach dem anderen. Vom Busterminal in Junin de los Andes ging es mit einem Kleinbus, auf dessen Dach die Rucksäcke verzurrt wurden in den Nationalpark Lanin zum Camp Bahia Dos. Dort erwartete uns grandiose Landschaft: der See Huechulafquen, schneebedeckte Berge im Hintergrund, grasbewachsene Hügel, in deren Nischen sich gleich kleinem Hobbithöhlen, Camper ein Plätzchen eingerichtet haben, eine Gänsefamilie, die den ganzen Tag nichts anderes zu tun hatte, außer die Wiese hoch und runter zu watscheln, Pferde die an den Hügeln freilaufend grasten, Ruhe + Stille und einfach nur schön... und das Ganze für 4 Pesos, d.h. 1 Euro pro Nacht!
Abend wurde Holz gesammelt, ein Feuerchen angezündet, Wein getrunken und sich gefreut. Schöner kann es in Schweden nicht sein Bert! Eher noch besser, denn hier gibt es keine Mücken! Die Tage vergingen mit faulenzen, in der Sonne rumsielen, die Jungs haben einen Tag lang den Fischen Brot auf den Kopf geworfen (ohne Erfolg, aber sie waren dabei nicht die Einzigen), eine zweistündige Wanderung zum ursprünglichen Ziel Vulkan Lanin wurde abgebrochen wegen Unmut und weil das Ziel nicht in Sichtweite kam (gesehen hatten wir ihn ja schon auf der Hinreise). Eines Abends, Ina und Martin waren schon im Bett, unsere Feuerchen glühten noch etwas vor sich hin, klangen aus der Nähe liebliche Gesänge an unser Ohr. Ein Blick, ein Nicken und schwupps saßen wir inmitten ein paar junger Argentinier am Feuer. Nach der obligatorischen Frage wo wir herkommen, gab's vom Obermusikus ein großes Hallo und er begrüßte uns mit einem klassischen Gesangsstück von Brahms in deutsch. Es war unglaublich schön, diese Freundlichkeit, kaum dass wir am Feuer waren, wurde Platz gemacht und uns eine Isomatte unter den Hintern geschoben und dann wurde gesungen und gespielt und es war noch so schön. Angeblich waren es drei Freunde, die ab und zu mal Musik machen - aber mal ehrlich - wer schleppt zum zelten schon eine Klarinette, eine Gitarre, etwas Banjoähnliches und dreistimmigen Gesang mit?
Mittlerweile sitzen wir frisch geduscht und gebügelt wieder in der Zivilisation, haben uns die Bäuche voll geschlagen (abnehmen wird wohl von uns keiner) und werden dann das Städtchen erkunden. Morgen früh geht ein Bus in Richtung Chile (Puerto Montt), wird wohl 9 Stunden dauern, aber die Busse hier sind gut (mit Toilette und Essen und Klimaanlage). Von dort werden wir sehen, dass wir auf die Insel Chiloe kommen und vielleicht treffen wir dort Kathrin und Jan, wenn sie nicht schon wieder weiter sind.
Liebe Grüsse an alle (bitte die Omis und Opis nicht vergessen!), danke auch für die lieben Wünsche für dieses Jahr und unsere Reise.

Bis bald, hasta luego
martin & kati

24.01.05 Chaiten
Der Plan mit der Fähre ist aufgegangen. Wir sind aber nicht von Quellon sondern direkt von Castro aus nach Chaiten gefahren. Dieser Hinweis stand in Schölis Reiseführer (Lonely Planet). Die Fähre sollte am folgenden Tag fahren, also mussten wir noch eine Nacht in dem „wunderschönen“ Castro verbringen. Da das Wetter nicht besonders toll war, haben wir uns eine Hospedaje gebucht. Nachdem wir einige Hostals abgeklappert haben, fanden wir eine, die recht gemütlich aussah. Schnell die Rucksäcke abgeworfen und ein Restaurant gesucht. An diesem Tag zeigte sich Castro viel freundlicher als beim letzten Mal aber der Eindruck, den die Besoffenen und Zerlumpten hinterlassen hatten, blieb. Nach einem Fischessen (der Tischnachbar hat sich über unsere Raucherei aufgeregt, die Bedienung war dusselig und hat sich verrechnet) haben wir die Kneipe gewechselt und sind nach einigen Cocktails ins Bett. Am nächsten Morgen gegen 12 Uhr sind wir ziemlich unfreundlich aus dem Haus geworfen worden, wir hatten leider auch nicht nach der Abreisezeit gefragt. Mit dem versprochenen gemütlichen Frühstück in der hauseigenen Küche wurde also nix. Also sind wir in eine Kneipe gegangen und haben dort gegessen (war gar nicht leicht eine am Sonntag-Mittag zu finden, die offen hatte!). Da die Fähre erst 16.30 Uhr losfahren sollte, hatten wir noch etwas Zeit, durch die Stadt zu schlumpern. Dort wurden wir wieder aggressiv von besoffenen Pennern angebettelt. Also nach wie vor: nichts wie weg hier. Castro hat wenig positive Eindrücke hinterlassen.
Die Fähre legte mit 1,5 Stunden Verspätung ab und wir haben uns erstmal ein paar Plätze zum rumsielen gesucht. Bis auf die ziemlich dolle Schaukelei verlief die Überfahrt unspektakulär. Gegen 23.30 Uhr kamen wir in Chaiten an und es regnete wie aus Eimern. Die Hostalsuche war unkompliziert, denn wir wurden direkt am Hafen von einer Hostalbesitzerin und ihrer Tochter umlagert, die uns in höchsten Tönen ihr Haus anpries.
So war auch diese Nacht unterkunftstechnisch geklärt. Bevor wir ins Bett sind haben wir noch mit einigen anderen Backpackern einige Piscola (nichts schlimmes, nur Pisco und Cola) getrunken und geschnattert.
Gerade eben haben wir den Plan für die nächsten Tage gemacht. Heute wollen wir noch zu einer Thermalquelle fahren und Tage später weiter nach Coihaique.

Castro
warten auf die Fähre

Castro

27.01.05 Coihaique
Erstens: wir waren in den Thermen und wir sind auch nach Coihaique gekommen. Soweit zur Planung. Vorweg: die Geschichte mit „Thermas Amarillos“ war schön. Die Thermen werden in drei kleinere Swimmingpools umgeleitet, die ca. 50 Grad Wassertemperatur hatten. Wir sind mit einem Bus dorthin gefahren und haben die Zelte auf überdachten Pavillons aufgebaut. Danach erstmal die Thermen getestet und abgechillt. Am Abend gabs noch ein kleines Feuerchen und um Mitternacht sind wir noch mal in den Pool. War schon ziemlich cool, so mit Wein und Bier im warmen Wasser unterm Sternenhimmel. Leider haben wir in der Nacht sehr gefroren, obwohl es nicht so kalt war. Lag aber an den zunächst praktisch erscheinenden Pavillons. Diese standen auf Füßen und unter dem „Fußboden“ zog demzufolge in der Nacht die kühle Luft hindurch. So hatte das Zelt keine Chance sich aufzuwärmen und die Thermarest konnte auch nicht alles isolieren. Nun ja soweit zum angepriesenen Reiseführertipp. Aber schön wars trotzdem dort.

Thermas Amarillos


Die Thermen sind in der Nacht und ...


... tagsüber benutzbar :o)

Am nächsten Tag sind wir wieder nach Chaiten gefahren und haben uns in einem Hostal einquartiert. Am übernächsten Tag sollte es in Richtung Coihaique gehen.
Die Reise führte über die „Carretera Austral“. Diese Straße wurde unter dem Pinochet-Regime gebaut und stellt die einzige Nord-Süd-Verbindung in Südchile dar. Zum großen Teil ist die Straße eine Schotterpiste von allermiesester Qualität. Kindskopfgroße Steine und endlose Serpentinen hoch und runter. Mit einem normalen Pkw hat man es da ganz schön schwer. Aber hier fahren auch Leute mit dem Fahrrad lang, ganz so zum Spaß. Wie dem auch sei, wir sind mit einem Mercedes Sprinter gefahren. Der Bus war voll besetzt und die Fahrt dauerte 11 Stunden. Es war polterig, staubig und laut. Am Ende kamen wir aber doch an und wir haben uns in Coihaique eine Bleibe gesucht. Es wurde ein Appartement zum Preis eines Hostalzimmers. Da sagt man doch nicht nein. Wir spielten bis 2.30 Uhr Karten und tranken unsere Vorräte leer. Am nächsten Tage haben sich alle Kinder schön ausgeschlafen, gefrühstückt und sich kultiviert. Danach haben wir die Überfahrt nach Puerto Ingenieuro Ibanez, Chile Chico und Los Antigos (Argentinien) klargemacht. Lief alles problemlos, bis auf das der Fahrer unseres Busses den Abfahrtstermin von 14 Uhr auf 9 Uhr früh vorverlegt hat. Dammich! Wieder nix mit ausschlafen.

Carretera Austral
die Carretera Austral

Coihaique
in Coihaique

Coihaique

email: 28. Januar 2005 - Wir sind vor ca. 2 Wochen von Argentinien über die Grenze auf die Insel Chiloe gefahren.
Hola Kinders, viele Grüsse aus Chile (nach Frau Honecker sind wir schon gefragt worden). Wir sind vor ca. 2 Wochen von Argentinien über die Grenze auf die Insel Chiloe gefahren. Die Landschaft ist im Vergleich zu Argentinien eher wie bei uns (alles viel grüner), wenn nicht ab und an die Anden und ein paar Vulkane in der Gegend rum stehen würden. Weitere Unterschiede zu Argentinien: es regnet häufiger, alles ist teurer, der Wein schmeckt besser (es gibt hier auch einen leckeren Schnaps "Pisco"), es gibt sehr leckeren Fisch und die Menschen sind fast so hektisch wie in Deutschland. Auf Chiloe haben wir dann schön geurlaubt (Pinguinkolonien besuchen, Pferdereiten am Pazifikstrand - Galopp, fast besser als Motorradfahren) bis uns das einsetzende schlechte Wetter wieder auf das Festland vertrieben hat. Dort haben wir in einer Therme gecampt (nachts um 12 mit einer Flasche Bier in 40 Grad warmen Wasser unterm Sternenhimmel... grins...). Danach ging's weiter auf der Carretera Austral (die einzige Nord - Süd Verbindung im Süden Chiles) weiter in den Süden. Diese Strasse ist eine üble Schotterpiste und wir sind mit einem Mercedes Sprinter 11h lang durchgeschüttelt worden. Mit dem Motorrad wäre das zumindest anspruchsvoll gewesen und mit einem normalen PKW kaum schaffbar. Morgen geht es weiter in Richtung Süden. Das Ziel ist ein riesiger Gletscher in einem Nationalpark. Danach wollen wir wieder nach oben, da das Wetter hier mittlerweile auch nicht mehr so sommerlich ist (15 - 20 Grad, häufig Regen). Ansonsten ist alles schön. Unsere kleine Reisegruppe verträgt sich gut und alle sind gesund. Wir spielen viel Doppelkopf oder üben uns im Feuermachen und spanisch sprechen. Das war's erst mal. Na dann bis zum nächsten mal.

Seid alle lieb und ärgert euch nicht :o)
Kati + Martin

30.01.05 El Calafate
Dementsprechend muffelig versammelte sich die Mannschaft im Vorraum des Hotels und wartete auf den Minibus, der dann auch fast pünktlich (9.20 Uhr) kam. Noch ne dreiviertel Stunde andere Mitreisende eingesammelt, bis der Bus voll war und dann ab nach Ibanez. Dort wartete auch schon die Fähre, die gegen 13 Uhr ablegen sollte. Nur leider wollte uns keiner von den Fährleuten verstehen und unsere Tickets umtauschen (die waren nämlich erst für den morgigen Tag ausgestellt, aber unser Minibusfahrer sagte uns, dass es kein Problem wäre diese umzutauschen) oder wenigstens irgendwas zu unserer Beruhigung sagen. In aller Seelenruhe wurden Lkws mit Pferden verladen, gewartet und geguckt. Und dann plötzlich ging es doch los und wir durften mit. Die Überfahrt nach Chile Chico dauerte 2,5 Stunden und wäre grandios wegen der Landschaft ringsum gewesen, wenn es nicht so gewindet und gestürmt hätte.

Puerto Ingenieuro Ibanez
warten in Puerto Ingenieuro Ibanez

Auf dem Lago Buenos Aires gab es sogar richtige Wellen, so dass die Fähre ganz schön ins schaukeln kam. Nachdem wir in Chile Chico angekommen waren, haben wir erstmal ein Café okkupiert. Draußen regnete es und die Bäume bogen sich wegen des Windes. Alles in Allem nicht so gemütlich und deshalb sind wir gleich mit einem Minibus über die Grenze nach Los Antigos weiter gefahren. Dort sollte es einen tollen
Zeltplatz mit Seeblick und Feuerstellen in Stadtnähe geben. Hier könnte man sich vielleicht ein, zwei tage von der Fahrerei ausruhen. Der Zeltplatz war dann ca. 3km vom Zentrum entfernt (also 45 Minuten zu laufen), staubig und ohne Seeblick. Als dann noch gegen 23 Uhr eine argentinische Großfamilie einrückte, war die „Freude“ komplett und wir entschlossen uns am nächsten Tag nach El Calafate weiter zufahren.
Die Route ging über die Ostküste (!) da die direkte Verbindung nach Süden (RN 40) zu unserem Wunschtermin nicht zu bekommen war. Die Fahrt dauerte 20 Stunden und so waren wir auch ziemlich ausgeknautscht, als wir gegen 14 Uhr in El Calafate ankamen. Zu großen Taten hatten wir alle keine Lust mehr, also haben wir uns erst mal eine Bleibe gesucht. Die hier im Süden gerade Hauptsaison ist, sind die Übernachtungspreise immens. Nach einiger Sucherei entschieden wir uns für ein Hostal für 60 Peso p.P. Abends hat sich Kati noch ein paar Wanderschuhe gekauft, die alten haben trotz aller Kleberei endgültig den Geist aufgegeben.
Heute sind wir mit dem Bus in den Nationalpark gefahren und haben uns einen Zeltplatz ca. 8km vom Perito Moreno Gletscher genommen. Wir sitzen fast am Wasser und haben Blick auf dem Gletscher. Gleich geht die Sonne unter und wir werden ein Feuerchen machen. Es ist immer noch 20 Grad und es jetzt gibt es was zu essen. Schöner kann es bald nicht werden.


unser Camp

Ein Wort zu den Menschen: die hier sind auf alle Fälle anders. In Chile war es eher maulfaule Unfreundlichkeit und hier im Süden Argentiniens scheinen sie noch durcheinanderer zu sein. Die Trude vom Nationalparkbüro Los Glaciares in El Calafate (schön mit Rangeruniform) sagte zum Beispiel, dass wir täglich 30 Peso pro Person zu zahlen hätten. Demzufolge haben wir unsere Aufenthalt im Nationalpark von drei auf zwei Tage gekürzt und den Anschlussbus nach Puerto Madryn so gebucht. Letztendlich stellte sich heraus, dass man nur einmal zu zahlen braucht und dann so lange bleiben kann wie man will. Aber da waren wir schon Park. Blöd, blöd, blöd. Ebenso die Trulla vom heutigen Hostal, welches wirklich süß war. Martin und ich fragten am Vortag extra nach der Auscheckzeit: 12.30 Uhr sollte es sein. Und heute beim Frühstück gegen 10 Uhr fragte eine andere, wann wir denn gehen. Die Zeit wäre 10.30 Uhr! So ein Blödsinn. Da fragt man sich und ärgern tuts auch noch. Zum Schluss verstehen sie dann plötzlich nicht mehr was man sagt, obwohl man sie dich eine halbe Stunde lang zugetextet haben. Eigentlich wollte man nur ein Ja oder Nein erfahren. Nun ja letztendlich sind wir 10.45 Uhr aus dem Hostal raus und durften bis zu unserer Weiterfahrt unsere Rucksäcke im Foyer stehen lassen. Auch was.
Und außerdem wurde uns auf der Fahrt nach El Calafate unser Tagesrucksack gemaust. Muss irgendwann in der Nacht passiert sein, als alle schliefen und irgendwo ein Zwischenstopp gemacht wurde. Eingebüßt wurden zuzüglich eine Schachtel Zigaretten, ein selbst geschmiertes Käse-Gurken-Brötchen und ein Halstuch. Nun haben wir einen neuen Rucksack in rot, nicht so knautschbar wie der Alte, dafür für 78 Peso. Auch was.

email: 31. Januar 2005 - El Calafate
Schöne Grüsse aus dem Süden Argentiniens, mittlerweile sind wir in El Calafate angekommen (20 Stunden Busfahrt sind kein Spaß! und unser Tagesrucksack ist nun auch weg, aber nichts wichtiges drin nur Zigaretten, ein selbst geschmiertes Brötchen und ein Halstuch) und fahren heute mit dem Bus (was sonst) in den Nationalpark Los Glaciares. Dort werden wir zwei Tage bleiben und uns den einzigen noch wachsenden Gletscher der Welt anschauen. Na mal sehen ob das schön ist, weil billig wäre etwas anderes. Die Preise für Bus, Essen, Unterkunft und Eintritt in den Park sind hier schon ordentlich. Da waren wir bisher anderes gewöhnt. Dann geht es weiter in den Nordenosten, erst mal nach Puerto Madryn (Halbinsel Valdes) und dort mieten wir sicherlich ein Auto, um alle Tierchen (Pinguine, Wale, Seelöwen und -wale) anschauen zu können. Von dort werden wir versuchen zusammen nach Mendoza zu kommen und dann werden sich unweigerlich unsere Wege trennen, da die Zeit für Ina und Schöli nun schon langsam knapp wird. Tja und was danach kommt wissen wir noch nicht: Ideen und Ziele gibt zur Genüge. Und was soll ich sagen: ich werd euch auf dem Laufenden halten.
Lasst es euch gut gehen - wir tun es auf jeden Fall.
Liebe Grüsse Kati

01.02.05 Nationalpark Los Glaciares
Eigentlich hatten wir gestern auch beim Feuerchen überlegt etwa eher als sonst aufzustehen, damit unser Marsch zum Gletscher nicht in der Dunkelheit endet. Aber alle Kinder haben schön ausgeschlafen, gefrühstückt und dann ging es gegen 13 Uhr los. Das Wetter spielte mit: es war etwas bewölkt und nicht zu warm. Dafür hatten wir etwas Sorge wegen meiner Füße bzw. neuer Schuhe. Sie reiben nämlich in der Hacke etwas. Bis zum See "Lago Argentino" waren es 7km und bis zum Gletscher noch mal 3km. Einen ersten Eindruck/ Blick hatten wir ja schon vom Zeltplatz erhalten. Aber je näher man an den Gletscher kommt, desto imposanter, beeindruckender und schöner wird er. Ständig knackt und knirscht es, dann folgt ein Donnergrollen und ca. zwei Minuten vorher hatte sich ein Eisbrocken gelöst und ist ins Wasser gefallen. Erstaunlich fand ich die Farbe, in den Eisspalten waren verschiedenste Blautöne zu sehen, von hell- über schlupfen- bis ins dunkelblau. Also spektakulär, dafür kann man wirklich 30 Peso Eintritt in den Nationalpark bezahlen. Einen Freund von Martin I. hat uns auch noch gefunden, der lebt zur Zeit in Santiago. Er kam auf uns zu und fragte: "Bist du Martin ?" Lustig.
Nach zwei Stunden am Gletscher traten wir unseren Rückzug an, es nieselte ab und zu und auf den letzen 3km wurden dann doch allen langsam die Beine schwer, die Knie stachen abwechselnd und mir taten die Füße höllisch weh. Man läuft ja auch neue Schuhe mit einem 20km-Marsch ein. :o)
Abends wurde es windiger und regnerischer. Aber es war auszuhalten, die Nudeln mit Tomatensoße hatten wir verdient und schmecken lassen. Ein kleines Feuerchen, postpositionierende Gespräche und eine Flasche Wein machten, dass Kati gegen 1 Uhr ganz schnell ins Bett musste.

06.02.05 Valdes
Für die Fahrt von El Calafate nach Puerto Madryn haben wir uns dieses Mal einen "coche cama" (1. Klasse) Platz im Bus gebucht. Beinfreiheit war mehr als genug und so haben wir die 24 Stunden Busfahrt auch ziemlich entspannt überlebt. Wir sind gegen 19 Uhr in Puerto Madryn angekommen, haben uns ein Hotel genommen und sind erstmal ordentlich essen gegangen (leckeres Rindfleisch und Salat ... hmmm). Am nächsten Tag haben Ina und Schöli die Weiterfahrt nach Mendoza und wir ein Mietauto für die Valdes-Rundfahrt gebucht (2 Tage incl. 800km ca. 80 Peso). Abends haben wir uns noch mit einer Flasche Wein und einem Bier an den Strand gesetzt und ein bisschen  in die Sterne geguckt, als gegen 23.30 Uhr zwei Polizisten auf uns zukamen. Sie erklärten uns, dass Alkohol um dise Tageszeit in der Öffentlichkeit verboten ist. Das bedeutete, dass der Wein im Rucksack verstaut und das volle Bier ausgegossen werden musste. So ein Ärger. Na ja andere Länder ...
Nachdem wir am folgenden Tag unser Auto abgeholt, wir mit einiger Mühe unsere vier Rucksäcke, Verpflegung für einen Nacht und uns in das Auto gezwängt haben, begann unser Ausflug auf die Halbinsel Valdes.


einpacken


der Fahrer und sein Copilot

Hier gibt es ringsum verschiedene Reservater, an denen man Pinguine, Seelöwen und Seeelefanten beobachten kann. Nandus, Lamas, Guanacos, Schafe und Pferde laufen hier kreuz und quer frei in der Gegend rum. Leider sind wir zur falschen Jahreszeit hier, denn von März bis Dezember sollen hier auch Wale rumschwimmen. Aber wenn wir Glück haben, sehen wir Orkas, was auch nicht schlecht wäre. Nachdem wir uns eine Seeelefantenkolonie angesehen haben, ist fast die Nacht über uns herein gebrochen. Da der nächste offizielle Zeltplatz (Punta Pyramides) strategisch ungünstig liegt und auch zu weit weg ist, legen wir und in eine kleine Senke direkt neben der Schotterstraße. Es ist total ruhig hier und wir haben einen wunderbaren Sternenhimmel von recht nach link und vorn nach hinten = ringsum, vielen Sternschnuppen und einem betrunkenem Ufo-Piloten.
Jetzt sitzen wir am Punta Norte an einer Seelöwenkolonie und warten auf die Orkas, die hier wohl bald zum Abendbrot erscheinen sollen. Na mal sehen. Auf jeden Fall ist es total cool und interessant und das für 35 Peso p.P. Man sitz fast direkt vor so einem Riesenvieh und kann stundenlang beobachten. Die Pinguine waren fast zum Greifen nah. Kati ist ein bisserl wie beeindruckt.


hier im Nationalpark werden die Boote mit einem Traktor aus dem Wasser gezogen


Lamas


Seeelefanten


ein neugieriges Gürteltier


und noch eins


Seelöwen-Kolonie


warten auf die Orkas


der Morgen danach (früh 7.30), hinter unserem Sandhügel

Puerto Madryn
auf dem Weg in die Stadt Puerto Madryn


ohne Kommentar :-)

email: 08. Februar 2005 - Grüsse aus Puerto Madryn
Momentan sitzen wir gerade im "Havanna", trinken den leckersten Kaffee, essen Tostados (überdimensionales warmes Toastbrot mit Käse und Schinken gefüllt) und schlagen die Zeit tot. Weil wir ... ja genau ... auf unseren Bus nach Mendoza warten. Es erwarten uns wieder 20 Stunden Fahrt, aber diesmal wieder First Class, d.h. ordentliche Beinfreiheit, Sitz fast in waagerechte Position verstellbar, Filmchen zum Abend und evtl. sogar Essen (das müssen wir aber noch nachfragen). In El Calfate war es zwar teuer, aber auch schön. Das heißt der Nationalpark Los Glaciares war es. Ist kaum vorstellbar so ein Riesengletscher und dann steht man kaum 10 Meter davor, hört es ständig knacken und krachen und knallen, wenn ein Eisblock in den See stürzt. Beeindruckend ist eine milde Formulierung. Von dort sind wir nach Puerto Madryn, haben uns hier ein Auto gemietet (die technischen Details wird Martin vermelden...) und sind zur Halbinsel Valdes. Dort gab's ordentlich wildlife zu sehen. Beim Fahren über Schotterpiste musste man schon aufpassen, keine Schafe, Nandus oder Guanacos umzufahren. An unterschiedlichen Stränden konnten wir dann aus nächster Nähe Pinguine, Seeelefanten (die sind noch fauler als Faultiere) und Seelöwen beobachten. Die sind den ganzen Tag damit beschäftigt, rumzurennen, sich gegenseitig zu rufen (brüllen, grunzen, schnaufen, schniefen und fiepen), im Wasser zu planschen und die Bullen kempeln ab und zu. Nicht schlecht. Bei den Seelöwen verbrachten wir mehrere Stunden, weil dort die Stelle ist, an der auch mal Wale vorbei schwimmen. Leider tun sie dies nur im Frühjahr zur Paarungszeit und die geht nur bis Mitte Januar. Aber es bestand noch Chance auf Orkas. Sie sollen dort eine einzigartige Fangweise haben, wie es auf der Welt nur noch an einer anderen Insel beobachtet wurde. Dazu sammeln sich ca. 10 Orkas, kreisen eine Seelöwenkolonie ein und schnappen sich die Tiere am Strand. Dieses "Mordsspektakel" war uns nicht vergönnt, aber wir haben drei Orkas mit bloßem Auge gesichtet, die ihre Kreise um die Kolonie zogen. Wahrscheinlich hatten sie an dem Tag keine Jagdfreigabe :o) Die Nacht haben wir illegalerweise nicht auf dem einzigen Zeltplatz der Insel verbracht sondern am Straßenrand hinter einem Sandhügel. Das Auto schön an den Rand gefahren, damit uns von der Strasse aus keiner sieht, die Plane ausgebreitet und die Schlafsäcke darauf verteilt, Nudeln mit Tomatensoße gekocht, Bierchen und Wein dazu und die Sternschnuppen gezählt. Eine unendliche Stille und Millionen Sterne! Unglaublich schön. In Mendoza werden wir ein paar Tage Systemcheck betreiben, was heißt: Sachen waschen, schön mit Ralf und Henni asadieren, zum Friseur gehen, einkaufen (Mädels: hier gibt's Klamotten zu Preisen, da tränt das Auge, ach Quatsch alle beide!), Rucksäcke auf Vordermann bringen, uns langsam von Schöli und Ina verabschieden, dann vielleicht noch drei Tage am Aconcagua rumtrecken und dann Richtung Norden. Ihr werdet ja sehen :o)

Liebe Grüsse
Martin + Kati

09.02.05 Bus nach Mendoza
Momentan sitzen wir seit fast 20 Stunden im Bus nach Mendoza, stehen kurz vor dem Lager- oder Buskoller, Martin hält seit 20 Minuten einen Plastebecher mit Kaffeepulver in der Hand und wartet auf heißes Wasser. Der Lautsprecher vom Mikro ist immer noch an und knurrt vor sich her, weil während eines Films auch noch Bingo gespielt werden musste. Aber dafür sind die Pausen immer nur eine Minute laut Ansage vom Fahrer. Von wegen: da wird erstmal das halbe Gepäck aus dem Bus ausgeladen und dann wieder eingeladen. Na es dauert ja wahrscheinlich nicht mehr lange und dann stehen uns sicher wieder ein paar schöne Tage in Mendoza bevor.
Autoabgabe bei Avis hat übrigens reibungslos funktioniert, mit Strandliegen in Puerto Madryn war nix mehr weil sich Sonne, Wolken und Regen abgewechselt haben. War trotzdem schön. Nicht zu vergessen das sehr gute Lomo, die leckere Pizza, das Rieseneis, die Ohrringe für 4 Peso und das schöne Café "Havanna" mit richtig guten Kaffee, ach und der Riesen-Milch-Shake (ca. 2 Liter).


das kleine Eis und zwei Milchshakes

email: 15. Februar 2005 - Grüsse aus Mendoza
Nach unserer 20-Stunden-Busreise von Puerto Madryn sind wir gut wieder in Mendoza bei Ralf und Henni gelandet. Unterdessen sind auch Anna und Albi wieder hier (Freunde der Beiden), die unsere kleine "Reisegruppe" auf 8 wachsen lässt. Und mit acht verrückten Leuten lässt sich allerhand Quatsch machen.
Aber eins nach dem anderen. Am ersten Abend gab's natürlich erst mal ein kleines Asado und recht müde sind wir alsbald ins bekannte Bettchen gepurzelt. Am nächsten Tag, nachdem wir lange und ausgiebig geschlafen und gefrühstückt haben, wurde die Stadt unsicher gemacht. Die Jungs sind zum Gonza ins Internetcafe zocken und Ina und ich waren shoppen, Kaffee trinken und beim Friseur. Der Abend wurde bei Empanadas und Wein beschlossen. Am Tag darauf war ACTION angesagt. Wir waren raften. Der Bus startete 8 Uhr (für unsere Verhältnisse unmenschlich früh), dann ging es 1,5 Stunden in Richtung Anden. Dort bekamen wir einen Informationszettel mit Punkten wie: Hilfestellung beim Bootstransport, keinen Müll in der Gegend rumwerfen und wenn man bei Tour tot geht, kann man keine Ansprüche stellen. Nuja wir haben brav unterschrieben und uns dann die Theorie der Rafterei in spanisch erklären lassen. Alle die Schwimmwesten an, nen Helm auf und ab im Bus zur Ablegestelle. Dort war erstmal die Verwunderung groß: der Fluss war breit, schnell, voller Stromschnellen und braun-schlammig wie cafe con leche (Milchkaffee). Die zweite Verwunderung incl. leichter Verärgerung war, dass wir bei brütender Hitze ohne etwas zu trinken ca. eine halbe Stunde auf irgendwas warten mussten. Ich hatte dann schon keine Lust mehr. Aber dann ging es los. Einen englischsprachigen Guide und noch zwei Australier mit ins Boot, noch mal eine Einweisung in die Kommandos und Rettungsanweisungen falls einer aus dem Boot fällt (huch?!), kleine Trockenübung mit Vollspritzen (bis dahin hatte sich die Illusion dass man vielleicht doch nicht so nass wird gehalten) und dann ging's los. Erst leicht und sanft, dann einige kleine Wellen und Spritzer, rückwärts fahren und wieder dahin gleiten. Schoen. Dann wieder einige Stellen mit rudern und etwas größeren Wellen und nass werden. Dann wieder dahin gleiten, in der Weltgeschichte rumgucken und vorbereiten auf die nächste anspruchsvollere Stelle. Rudern, paddeln, Wasser schlucken, Krater taten sich vor dem Boot auf, kein Wasser unterm Paddeln, weil man so steil stand, dann einen Schlag und eine Welle und Kati war im Wasser. Noch war ich am Boot konnte mich aber nicht festhalten, weil an der Stelle des Bootes von außen keine Leine war, eine Welle kam und weg war ich. Orientieren (wo ist vorne und hinten), Paddel festhalten, Beine nach oben (wegen der Steine) und versuchen sich in Fliessrichtung zu drehen - wieder eine Welle, ab unters Wasser, schluck Luft schnapp, wieder hoch - wo ist das Boot? Ach da, Paddel hochgerissen, Martin konnte es greifen und dann lag ich wie ein kleines Walross quer im Boot. Uff. Letztendlich war alles nicht schlimm, zwei blaue Flecken und etwas Atemnot - und hinterher die große Lacherei. Aber unser Boot war gar nicht so schlimm. Eins hatte die Omi verloren (die war bestimmt dreimal so schwer wie ich) und ein Kapitän hatte seine komplette Mannschaft an derselben Stelle verloren! Auf alle Fälle war es total Klasse und lustig und wir waren froh, dass wir uns doch für das frühe Aufstehen entschieden hatten.
Am Abend gab's dann ein Riesen-Asado mit zwei ganzen Hühnern aufm Grill, ganz viel Fleisch und Würste und Salat. Und alles lecker. Die Jungs sind dann auch schon gegen acht Uhr morgens ins Bett! Es war wohl schon hell (kein Wunder bei der Uhrzeit). Heute Mittag haben wir dann Ina und Schöli zum Bus nach Hause geschafft und verabschiedet und uns ein Drei-Tage-Permit für eine Treckingtour am Aconcagua gekauft. Morgen schaffen wir dann Ralf, Henni, Anna und Albi zum Bus nach Iguazu und wir starten unseren Treck übermorgen früh.
Und wie es danach weitergeht wissen wir wie üblich nicht. Einen Teil unserer Sachen können wir erstmal hier lassen und uns dann noch ein zwei Nächte in Mendoza nach unserer "Besteigung" ausruhen. Bis dahin bleibt schön gesund und lieb. Wir melden uns und werden vom Berg der Berge berichten.
Liebe Grüsse
Martin + Kati


im Mendo-Zoo waren wir auch


das ist Hennis Lieblingstier


Verabschiedungskommando für Ina und Schöli


"unser" Café

Mendoza Mendoza
Mendoza

email: 21. Februar 2005 - Zurück vom Aconcagua
Ein Herzlichen Hola ketal + Kommanderbjen an die vier Verrückten :o) und an alle Anderen natürlich auch.
Für die, die (wie ich vorher) nichts damit anzufangen wissen: der Aconcagua ist der höchste Berg Amerikas (knappe 7 km hoch) und Trekking bedeutet, dass man den ganzen Tag mit seinem Hausrat auf dem Rücken Berge hoch und runter läuft.
Wir haben uns vorher schon ein bisschen Gedanken gemacht, ob das nicht eine Nummer zu groß für uns ist (wegen der Höhe und mangelhafter Ausrüstung und überhaupt) aber dann beschlossen, dass wir es einfach vorsichtig probieren werden. Noch schnell ein paar Handschuhe gekauft (es waren Tagestemperaturen von 6 - 12 ºC angesagt) und dann in den Bus gestiegen, der uns direkt bis an den Aconcagua-Nationalpark nach Punte del Inca gefahren hat.
Dort sind wir bei 2600 m ausgestiegen und das Laufen viel auf einmal ganz schön schwer. Wir haben erst mal unser Zelt neben einer Muli-Vermiet-Station aufgebaut, etwas gegessen und sind dann ganz vorsichtig durch die Gegend gelaufen (wegen Akklimatisierung und so ...!). Viel ganz schön schwer und das schon ohne Rucksack. Die Nacht haben wir ziemlich gut überstanden, von leichter Schlaflosigkeit abgesehen.

Punte del Inca
Punte del Inca

Punte del Inca
Ausblick vom Zelt

Am nächsten Tag sind wir dann in Richtung des Basislagers aufgebrochen. Vor uns lagen ca. 15 km und 800 Höhenmeter. Das klingt erst mal so: na ja. Aber zum Ende betrug die Schrittweite nur noch ca. 5 cm und Martin hatte 120 Puls. Durch die dünne Luft kam man einfach nicht besser voran. Verdammt anstrengend gute 25 kg für Martin und 17 kg für Kati Rucksack in der Höhe zu bewegen. Die erfahrenen Bergwanderer oder Hunsrückisten mögen vielleicht schmunzeln, aber es war eben unsere erste Trekking-Tour. Nach 10 Stunden Wanderung sind wir im Basislager auf 3400m angekommen. "Schnell" das Zelt aufgebaut, noch eine Suppe gekocht und dann gegen 22.00 vor Kälte (ca. 0º C) ins Zelt in den Schlafsack gekrochen. In der Nacht gab es wieder relativ wenig Schlaf. Zum einen sicher auf Grund der Höhe und zum anderen auf Grund der Kälte. Es war aber trotzdem auszuhalten.


auf gehts


an der Rangerstation


Laguna Horcones


auf 3000 Meter


Mulikarawane


Wir sind endlich da!


das Camp

Am nächsten Tag wollten wir einen Ausflug in ein Höhenlager des Berges machen (4300 m). Das Zelt blieb im Basislager und so sind wir recht unbeschwert mit 6 Liter Wasser und etwas zu Essen losgestiefelt. Anfangs war alles schick. Die Sonne schien und es gab jede Menge schöne Landschaft. Wir kamen zwar recht langsam aber stetig voran. Immer sämtliche angelesenen Symptome der Höhenkrankheit im Kopf, haben wir ziemlich hypochondermässig in uns reingehorcht ob: einem schwindlig wird, der Puls in Richtung Drehzahlbegrenzer geht, man etwa brechen muss und und und. Bei ca. 3700 m war bei mir aber auf einmal Schluss. Mir war schwindelig und der Puls war bei ca. 140 und ging auch bei Ruhe nicht runter. Das bedeutete Umkehren. Martin wollte aber noch die nächste "Sehenswürdigkeit" - einen abschmelzenden Gletscher - sehen. Wir haben uns einen Zeitpunkt ausgemacht, an dem er zurück sein sollte und ist dann alleine weitergegangen.

Martins Bericht: Die Vegetation war längst vorbei und ich bin mit recht guter Verfassung noch bis ca. 3900 m weitergegangen. Ich muss mal sagen, das war schon ziemlich scheen, so inmitten von Geröll an einem tropfendem Eishaufen zu stehen. Weit und breit kein Mensch - nur Mondlandschaft. Schnell ein paar Zielfotos gemacht (die Ziel-Zigarette habe ich mir verkniffen) und zur wartenden Kati zurück. Nachdem ich kurz berichtet habe, sind wir dann wieder abgestiegen (man, wie toll das klingt) und siehe da, bei 3500m waren Katis Probleme weg. Als wir dann gegen 17.00 wieder das Basislager erreicht haben, habe ich uns für teuer Geld eine Cola und ein kleines Bier gekauft und wir haben den ganzen verrückten Bergsteigern bei ihrem Treiben zugesehen. Da waren schon ein ganz paar abenteuerliche Gestalten dabei (wie immer auch ein paar Durchläufer/ Heißdüsen). Es gab auf jeden Fall viel zu sehen.

In dieser Nacht haben wir bedeutend besser geschlafen. Vielleicht haben wir uns schon an die Höhe gewöhnt, vielleicht waren wir auch bloß müde. Am nächsten Tag sind wir in sagenhaften 4 Stunden wieder zur "Bushaltestelle" zurück gelaufen (bei solchen Bergwanderungen gibt es eine unwahrscheinliche Hysterese). Wir haben schnell die Bustickets gekauft und noch ein paar Stunden in einer windigen Kneipe gewartet.


Abstieg


Päuschen


auf der Straße nach Punte del Inca

Nachdem wir wieder in Mendoza eingetroffen sind, ein Zimmer bei Maria bezogen und uns den Staub vom Aconcagua abgeduscht haben, sind wir in eine Kneipe (die mittlerweile Haus-und-Hof-Schnitzelschänke, Don Pedro, für die Insider ;-) ) gegangen. Die Eindrücke mussten erst mal verarbeitet werden.
In den nächsten Tagen werden wir eine kleine Chile-Rundreise machen, um dann pünktlich zum Geburtstag eines Freundes (ja, Ralf, freu dich schon mal) wieder in Mendoza zu sein.

Das war's erst mal. Bis bald
Martin und Kati


wieder in Mendoza


mit Haus- und Hofhund Rocky oder Schocki oder ...?

email: 28. Februar 2005 - Unsere Autoreise mit Grenzübertritt
Wir sind zurück von unserer abenteuerlichen Auto-Reise von Argentinien nach Chile und wieder zurück.
Am Mittwoch früh hat Martin das am Tag vorher gebuchte Auto von der Verleihstation abgeholt, dann haben wir gefrühstückt, den Gol mit unseren Rucksäcken beladen und sind gegen 14 Uhr los. Über die autobahnähnliche Strasse von Mendoza in Richtung Uspallata (die Strecke kannten wir ja schon vom Rafting und vom Aconcagua-NP), wieder an Puente del Inca vorbei und dann befuhren wir Neuland. Die Grenzformalitäten auf beiden Seiten hatten sich schnell erledigt. Es gab zwar Fragen, aber da wir nicht viel verstanden, hatten die sich dann auch von selbst erübrigt. Auf chilenischer Seite des Passes (hatte ich bereits erwähnt, dass wir über einen Pass müssen?) schraubte sich die Strasse in 49 Kurven, die auch wirklich nummeriert waren, wieder nach unten. Ohne Servolenkung hatte Martin ordentlich zu rudern, aber es lief ganz gut. In einer Linkskurve kam uns ein engagierter Fahrer entgegen, der leider beim letzten Tankstopp vergessen hatte, seinen Tankdeckel wieder zu zuschrauben. Demzufolge hinterließ er in der Kurve eine ordentliche Benzinspur. Hätten wir in dem Moment die Zigaretten aus dem Fenster geworfen (was wir aus umweltschutztechnischen Gründen sowieso nie tun), dann hätte es sicherlich drei Kurven weiter eine kleine Explosion gegeben.

Recht bald nach dem Pass wurde die Landschaft grüner und recht idyllisch. Wir wollten bis an den Pazifik (noch mal abgrüßen), dort ein Hostal nehmen und abends schön Fisch essen. Letztendlich zog sich die Fahrerei doch etwas länger hin als gedacht und so kam langsam aber sicher die Nacht über uns - und unser anvisiertes Zielörtchen war noch etwas entfernt. Also kurzerhand die nächste Abfahrt runter, ins klitzekleine Stranddörfchen rein und Lage gecheckt. Einen Campingplatz gab's am Strand (nix dolles aber ok) und ne Kneipe sollte es auch geben. Schnell das Zelt aufgebaut und los. Am Strand hatten einige Händler ihre Buden aufgebaut und selbst nach 22 Uhr war hier noch einiges los. Auf dem Weg zum Restaurant saßen vier junge Typen an der Ecke und quatschen uns erstmal an. Das übliche woher, wohin usw. Dann fragte der Eine, ob wir was zu rauchen hätten und dann ob wir ihm nicht Geld fürn Bier geben könnten. Nee warum, wir haben auch kein Geld. Naja nicht sehr nett. Der weitere Weg zeigte sich als dunkle Strasse und wir hatten keine Taschenlampen mit. Uns war's nicht ganz geheuer zumute und so sind wir wieder zum Strand zurück, haben uns an einer Bude Pommes und gegrillten Fisch zum mitnehmen bestellt und sind während der Wartezeit an die nächste Bude, um noch etwas zu trinken zu kaufen. Die Frau erkannte uns wieder und ermahnte uns, auf dem Zeltplatz das Auto ordentlich abzuschließen und auf unsere Sachen aufzupassen, weil sich da wohl ein paar Mausediebe rumtreiben. Hmm, das machte die Sache gleich viel symphatischer. Naja wir unseren Fisch abgeholt und zum Zelt zurück (es war noch alles da, warum auch nicht). Der Fisch war nicht die Wucht in Tüten, über den Rest freuten sich die ortsansässigen Hunde. Dann kam der Typ von der Ecke wieder und quatschte Martin voll - wie wir heißen und wo wir hinwollen. Und dann wieder die Frage nach Geld. Martin fragte ihn, warum er denkt dass wir Geld haben und er: ich hab euch beobachtet, als ihr Wein und Bier gekauft habt, du hast dein Geld in der Seitentasche deiner Hose. Du kannst mir ruhig was geben. Wir wollten das natürlich nicht, warum auch, der Typ war besser gekleidet als wir und machte keinen ärmlichen Eindruck. Ende vom Lied, dass er uns angedroht hat in der Nacht wiederzukommen und das Zelt einzuschlagen. Dann kam noch die Frage, ob wir verheiratet wären. Ich hatte überhaupt keine Lust mehr dem Vogel irgendwas zu erzählen, also hab ich ja gesagt. Und dann hab ich nur noch verstanden: gut, Frau, bezahlen. So damit war der Abend gelaufen. Die Gedanken kreisten hin und her: was machen wir, bleiben wir hier oder fahren wir weiter, nur wohin, kommt der Typ wirklich mit seinen Kumpels und haut uns in der Nacht die Rüben ein, demoliert das gemietete Auto oder war's nur eine üble Labertüte? Nachdem wir uns entschieden hatten zu bleiben, unsere zur Verfügung stehenden Kampftechniken durchgegangen sind und noch einen Wein getrunken hatten, beschlossen wir, dass eh alles so kommt wie es kommen soll. Mit dieser Weisheit sind wir ins Bett (nicht ohne vorher die Messer und das Pfefferspray in Reichweite zu legen) und schliefen den Schlaf der Gerechten. Am nächsten Morgen wachten wir auf ... und ... wir waren heil, das Zelt unverletzt und das Auto auch. Also alles in Ordnung! Mit dieser Aktion wurde leider unser Bild von Chilenen nicht besser. Schade, aber wir waren froh, dass alles unglimpflich ausgegangen ist.


DER Zeltplatz

Nach einem entspannten Frühstück fuhren wir weiter in Richtung Nordenosten, nach Vicuna ins Tal des Pisco Elqui. Für alle Nichtauskenner: Pisco ist ein Schnaps, der aus Trauben, die nur in diesem Tal wachsen und sehr süß sind, gebrannt. Man kann ihn pur, mit Cola oder als Pisco Sour trinken (Pisco, Zitronensaft, Zucker und Eischnee = total lecker). Und Pisco ist das Nationalgetränk der Chilenen. Wir fuhren parallel zu einem Flüsschen und es wurde wieder merklich grüner. Vicuna (8000 Einwohner) ist ein kleines, schönes Städtchen. Im Reiseführer (danke Schöli) hatte ich mir schon eine Hospedaje ausgesucht. Und die war wirklich niedlich. Im Hinterhof, der sich als grüner Obstgarten herausstellte, gab es Hängematten zwischen den Bäumen, ein kleines Bächlein und Früchte, die wir nicht kannten (außer Äpfel, Weintrauben, Erdbeeren, Pfirsiche und etwas birnenähnliches). Die Krönung waren die Granatapfel- und Avocadobäume, von denen wir natürlich kosten durften. Also alles in allem eine optische, geschmackliche und seelische Wohltat nach dem gestrigen Abend. Abends gab's in der Kneipe Riesenempanadas und eine große Gemüseplatte und auf dem Dorfplatz Keulenjongliererei zweier Jungs. Am Morgen wurden wir mit einem Frühstück, bestehend aus Brötchen, Butter, Marmelade, Kaffee, Käse und frischen Avocadoscheiben geweckt. Das scheint nichts außergewöhnliches zu sein, aber dazu muss man wissen, dass in Argentinien und Chile die Frühstückskultur nicht schwer ausgeprägt ist. Meist gibt es nur Toast und Butter und in Chile nur nen Nescafe dazu.


die Garten-Hospedaje


damit man immer weiß, wo es lang geht

Wir machten uns langsam auf die "Heimreise" und die sollte uns über einen der höchsten Pässe zwischen Chile und Argentinien führen, 4765m. Wir schraubten uns recht gediegen die Schotterstrasse hoch, die Vegetation wurde immer spärlicher, die Berge immer spektakulärer und in der Ferne sahen wir dicke Nebelwände. Diese stellten sich alsbald als kleines Schneetreiben heraus. Draußen war ganz schön kalt, wir haben einen kleinen Schneemann gebaut und dann aber wieder schnell ins Auto rein und weiter. Zum Teil betrug die Sichtweite kaum mehr als 10m, aber das war auch nicht ganz schlecht. So sah man wenigstens rechts oder links die Abhänge nicht. Der Grenze von Chile war ca. 70 km vor dem Pass und so fuhren wir eine ganze Zeit lang durch Niemandsland. Irgendwann kamen wir dann auch vom Pass wieder runter (das Auto und der Fahrer haben sich wacker geschlagen) und zur argentinischen Grenze. Der Typ, hatte er akute Höhenkrankheit oder was?, notierte sich unser Autokennzeichen und erzählte uns, dass es dann irgendwo in der nächsten Stadt den Einreisestempel geben soll. Das klang aber alles so verworren (und sein Blick noch dazu), dass wir recht gespannt waren, ob wir irgendwo wieder offiziell in Argentinien einreisen dürfen. Letztendlich war alles überhaupt nicht schwierig, wir fuhren einfach immer geradeaus (ging auch nicht anders, die Strasse war einfach schnurgerade), kamen dann an einen Schlagbaum mit Grenzern, dort gab's die Stempel und alles war in Butter. Naja wir dachten uns, dass der Typ in Uniform eben ein bisschen allein da so auf seinem Berg ist :o) und deshalb so komische Sachen erzählt hat.


karge Gegend


hm ... dahinten ist Nebel


Wenn uns noch jemand entgegen kommt, kann es nicht so schlimm sein.


Aber es kam schlimmer.


So kalt war es. Man beachte den Schneemann.


wieder imTal

Abends kamen wir in San Jose de Jachal an und haben hinter der Tankstelle auf dem Automobilclub-Zeltplatz gecampt und sind am nächsten Tag wieder in Mendoza eingeritten.

Die Freude von Henni und Ralf war groß, demzufolge lang wurde abends geschnattert und am nächsten und übernächsten Tag Ralfs Geburtstag bis in die Morgenstunden gefeiert. Und unsere Muttis und Omis wären stolz auf uns gewesen: war haben am ersten Abend nämlich ein deutsches Gericht selbst gekocht. Es gab selbst gemachtes Rotkraut mit Kartoffeln UND! Rouladen. Und es war sehr sehr lecker. Maria (die Vermieterin) sagte, dass sie jetzt getrost mal nach Deutschland fahren kann, weil sie nun weiß, dass das Essen dort auch schmeckt :o)


Geburtstagskind Ralf hat uns Kaffee gekocht

Heute haben wir uns aber mal wirklich Gedanken über unsere Weiterreise gemacht. Es geht morgen Abend weiter mit dem Bus (Andesmar, Cama hihi) nach Salta in den Norden und dann melden wir uns wieder. Wir könnten sicherlich noch ein paar Tage in Mendoza bei Ralf und Henni bleiben (das ist sooo gemütlich hier und die Nächte werden langsam erträglich kühler), aber man soll ja bekanntlich gehen, wenn es am Schönsten ist. Tja und das werden wir dann eben morgen tun.
Liebe Grüsse, friert nicht so sehr (wir tuns nicht hihi) und bis bald.

Anmerkungen des Fahrers über das gemietete Auto: es war ein VW Gol (ohne F) made in Argentina - der Klassenprimus hierzulande. Er fährt sich wie eine Mischung aus Golf 1 und 2 (so in Hinsicht auf Schaltung und Fahrwerk), hat ein hübsches Erscheinungsbild und ist für unsere Maßstäbe miserabel verarbeitet (einige Hebel und Gummiteile sind abgefallen, ein Leben als Mietwagen ist aber bestimmt auch nicht einfach...). Ein anderer Gol, welchen wir uns für Valdes gemietet hatten, hatte bereits bei 13000km einen Radlagerschaden. Der 1,6 Liter Motor (angeblich aus einem Audi, keine Ahnung wie viel PS, längs eingebaut !?!) hat bei der leichten Karre (kaum Ausstattung: keine Sicherheit (ABS, Airbag und co) und kein Komfort (nix Servo oder Klimaanlage) für ordentlich Längsdynamik gesorgt. Das beste war aber der Verbrauch: bei ziemlich großer Last sind nicht mehr als 6 Liter durchgelaufen. Dazu gab's einen 60 Liter-Tank - das ist genau das Richtige für Südamerika. Alles in allem ein scheener Wagen.
hasta luego
Martin + Kati

email: 06. März 2005 - Grüsse aus Salta
Ein fröhliches OLAKETALL, aus Salta (im Nordwesten von Argentinien). Wir befinden uns jetzt mehr oder weniger auf der Rückreise und schauen uns auf dem Weg nach Buenos Aires noch ein bisschen den Norden an. Die Gegend rings um Salta ist erstaunlich grün. Schöne Wiesen und Bäume und dazwischen kleine Bergbäche. Hier kann man wirklich mal vorbeischauen. Die letzten drei Nächte haben wir in einem Hostel geschlafen das ausschließlich von Touristen (die nennen sich natürlich Backpacker) besiedelt ist. Da trifft man schon die erstaunlichsten Leute. Schweizer und Israelis sind lustig, Briten und Norweger sind cool und Amis haben einen Schatten am Helm. Das ist das Ergebnis unserer repräsentativen Untersuchungen und es ergeben sich mehr oder weniger interessante Gespräche. Heute Abend fahren wir weiter nach Resistencia, in der Nähe soll es einen schönen kleinen Nationalpark geben wo man zelten kann (das tut mal wieder Not und gut nach vie Tagen Stadt) und von dort aus nach Iguazu zu den Wasserfällen. Bis zum nächsten Mal.

Martin + Kati

Salta Salta
Salta

Salta
alte Mission


Blick auf die Stadt

Salta

email: 13. März 2005 - Grüsse aus Puerto Iguazu
Hola Leute!
Wir sind mittlerweile in Puerto Iguazu. Wir sind von Salta über Resistencia hier her gefahren. Wir waren früh um 7 Uhr !!! in Resistencia und völlig übermüdet und angenervt, weil wir nämlich im Bus Herr der Ringe Teil 2 und 3! geschaut haben und demzufolge erst gegen 2.30 Uhr zum schlummern kamen. Naja selber Schuld. Dann ging's mit einem völlig runtergekommenen Colectivo nach Isla de Cerrito (ca. 50km weg von hier) und dort war der Hund begraben, aber echt. In der Saison sollen hier bis an die 8000 Angelfetischisten ihre Rute ins Wasser halten. Die Isla liegt nämlich direkt am Zusammenfluss vom Rio Parana und Rio Paraguay. Jetzt, nach der Saison war keine Menschenseele mehr da, fast alle Kioskos und Imbissbuden waren zu. Dafür gab's Ameisen und Mücken und Hitze, das gibt's nicht. Nachdem wir uns den Tag langsam durch das Dörfchen schleichend und viel Wasser trinkend vertrieben haben, gab es dann abends einen kleinen Imbiss am Dorfkiosk. Das lustige war, dass der Imbissbudenmann gleichzeitig der Trainer des örtlichen Kinder-Tanzvereins ist, der gerade bei unserem Eintreffen eine open-air Übungsstunde absolviert hat. Wir haben uns eine großen Cola gekauft und dem Treiben zugesehen. Das war mal wieder Südamerika: bei uns benötigt man bestimmt einen Diplom-Tanzlehrer und eine Turnhalle. Hier macht der Imbissbudenmann einfach kurz seinen Kiosk zu, die Kinder räumen Tische und Stühle zur Seite, er rückt die Boxen vor die Tür und los geht's.


im Hintergrund Rio Parana und Rio Paraguay
der eine ist braun und der andere blau

Die Nacht haben wir wider Erwarten sehr gut überstanden. Zum einen hat die Mückengage des Zelts ihren Dienst getan und zum anderen ist es nach Sonnenuntergang auch etwas kühler geworden. Fazit: ziemlich geile Gegend (ein 4 km breites Flussdelta hab ich noch nie gesehen und wie sich der eine blaue Fluss mit dem anderen schlammbraunen mischt war auch interessant) aber das Klima ist für Mitteleuropäer nicht angenehm ;-). Für uns wahrscheinlich ein kleiner Vorgeschmack auf Iguazu.


Bus nach Resistencia


Resistencia ist die Stadt der Skulpturen. An jeder Ecke steht eine und auch dieser Herr wurde verewigt.

Nach einer Nacht in Resistencia (keine erwähnenswerte Stadt, ziemlich heruntergekommen aber manche Kneipen waren schön, was angenehm war, dass man nicht ständig angebettelt wurde - ausländische Touristen sind Mangelware hier) wollten wir um 23.53 Uhr (!!!!) nach Puerto Iguazu weiterfahren. Wir hatten beim Mercedes der Busunternehmer (Andesmar) gebucht und deshalb waren wir auch etwas angenervt, als wir 1.30 immer noch auf den Bus gewartet haben. Zu guter Letzt kam die Karre dann gegen 2.00 Uhr und alles war schön, bis auf die sich lautstark unterhaltenen Hintermänner. Das sind aber eindeutig die Nachteile der Busreiserei. Zum einen fahren die Busse oft zu unchristlichen Zeiten und dann kommen sie auch noch zu spät (fairerhalber muss ich sagen, das kam sehr selten vor).

Nach der Ankunft in Puerto Iguazu mussten wir uns erst mal ausruhen und akklimatisieren (hier waren ca. 40 Grad und 99% Luftfeuchtigkeit) und haben den ganzen Nachmittag geschlafen. Da Martin auch noch ziemlich starken Durchfall hatte, konnten wir auch am nächsten Tag noch nicht die Wasserfälle ansehen. Für einen kleinen Abstecher zum Dreiländereck hat es aber doch gereicht.

Er hat sich dann mit Kohletabletten den Darm verstopft (und das hat geholfen!!!... vielleicht auch Placebo, wer weiß) und so konnten wir am folgenden Tag zu den Wasserfällen fahren. Da kann man eigentlich gar nicht viel zu sagen. Das muss man sich ansehen. Die Naturgewalten, die hier wirken, sind unvorstellbar. Da kann man nur still dasitzen und staunen. Vielleicht haben unsere Bilder ja einen Eindruck einfangen können. Mal sehen. Der Nationalpark war bis jetzt der am besten organisierte auf unserer Reise. Der Einritt kostete genauso viel wie am Perito Moreno Gletscher nur wurde einem hier viel mehr geboten, in Hinblick auf die touristische Infrastruktur. Die Stadt Puerto Iguazu hat selbst nichts zu bieten. Sie dient bloß als Ausgangspunkt für Besuche des Nationalparks.


argentinische Reisegruppe

Jetzt regnet es schon den ganzen Tag aber viel kälter ist es deshalb auch noch nicht geworden. Na gut, man schwitzt nicht mehr sinnlos beim Nichtstun. Für heute Nachmittag haben wir ein Ticket nach Buenos Aires gebucht. Danach wollen wir noch einen kurzen Abstecher nach Urugay machen und die letzten Urlaubstage am Strand liegen. Mal sehen, ob das was wird. Wäre schon ein schöner Abschied von hier.

Na dann bis zum nächsten Mal.
Martin + Kati

email: 08. April 2005 - Wir sind wieder zurück!
Nach dem Aufenthalt an den Iguazu-Wasserfällen sind wir zuerst mit dem Bus nach Buenos Aires und von dort am selben Tag mit einer Fähre nach Uruguay (Montevideo) gefahren. Wir haben uns ein Hotel gesucht und dort zwei Tage verbracht. Zu Montevideo gibt es eigentlich nichts aufregendes zu berichten, aber schönes. Die Stadt wirkt nicht wie eine Hauptstadt mit 1,3 Millionen Einwohnern. Es gibt relativ wenig Verkehr und nachts sind die Straßen selbst im Zentrum sehr ruhig und wirken fast schon verschlafen. Aber trotzdem ein schönes Städtchen.
Das nächste Ziel in Uruguay war eine kleine Stadt (La Paloma) am Meer. Dort gibt es laut Reiseführer einen schicken Zeltplatz mit "excellent beach access". Der Bustransfer nach La Paloma hat problemlos geklappt, nur der Zeltplatz entsprach nicht so ganz unseren Vorstellungen. Wir haben uns mal wieder über die unterschiedlichen Vorstellungen von schönen Zeltplätzen gewundert, aber es gab zumindest eine Art von beach access. Die Strände von Uruguay wurden als fantastisch beschrieben und sie sind es auch. Die ganze Atlantikküste soll einen breiten sauberen Strand haben und zumindest in La Paloma ist es so. Da mittlerweile Nachsaison ist, hatten wir den Strand incl. warmen Meer und schönen Wellen fast für uns allein. Da waren ein paar Tage Strand liegen und Baden angesagt. Leider haben wir mit der Sonne schon am zweiten Tag übertrieben und zusätzlich gab es auch noch eine Erkältung. Da wars dann, nichts mehr mit bräunen und baden und so. So haben wir einfach im Schatten neben unserem Zelt gelegen und gelesen. Mann muss es nehmen wie es kommt und außerdem ist sowieso nicht alles gute beisammen - kleine Lebensweisheiten gab es gleich noch mit dazu ;-).


Blick aus unserem Hotelzimmer

Montevideo Montevideo


Klein-Kati unterwegs in der Hauptstadt Montevideo


so große Motten gibts da

Montevideo
Montevideo

Das nächste und auch letzte Etappenziel war Buenos Aires. Wir wollten uns eigentlich am Anfang der Reise mit zwei Freunden (Kathrin und Jan) treffen, sind aber irgendwo in Chile aneinander vorbeigefahren. Die beiden hatten uns kurz vor unserer Fahrt nach Buenos Aires angeschrieben und nach einem intensiven E-Mail hin- und hergeschreibe haben wir uns tatsächlich getroffen. Das war natürlich ein Grund zum Feiern und genau das haben wir 4 Abende hintereinander auch gemacht. Stundenlang erzählt, diskutiert und den Barkeepern graue Haare verpasst, weil wir nicht nach Hause gehen wollten. Von der Stadt haben wir folglich nicht viel gesehen. Das war vielleicht auch nicht so schlimm, denn das was wir zu Gesicht bekommen haben, hat uns auch gereicht. Wir hatten ein Hostel (billiger als bei den Iguazu-Wasserfällen) im Stadtteil San Telmo, welches zu den besseren Stadtvierteln zählt. Trotzdem war es in den Straßen dreckig, laut und nur einige Gebäude oder Parks waren von erwähnenswerter Schönheit. Viele Gebäude wirkte einfach nur runtergekommen. Nicht zu erwähnen brauch man vielleicht, dass es in der Stadt an allen Ecken und Enden anders riecht, wenn nicht gar stinkt. Schwere Umstellung, wenn man gerade vom Strand und Meeresluft kommt. Trotzdem haben wir zum Abschluss der Reise noch ein paar intensiv gelebte Tage gehabt. Nach Katis Geburtstagsnacht haben wir uns von Kathrin und Jan verabschiedet und dann haben uns Flugzeug und Bahn in 22 Stunden von Buenos Aires nach Dresden überführt.

Und das war schon etwas komisch.

Frühstückscafé in San Telmo
Frühstückscafé in San Telmo

Buenos Aires
Buenos Aires


letzte Etappe: ICE nach Dresden